Naturschützer gegen Bauern : Konkurrenzkampf der Bienenretter

Sie sind sich gar nicht grün: In Brandenburg wollen gleich zwei Volksinitiativen Unterschriften sammeln, damit die Insektenvielfalt bewahrt bleibt.

Marion Kaufmann
Ein Herz für Bestäuber. In Brandenburg sammeln zwei Volksinitiativen Unterschriften.
Ein Herz für Bestäuber. In Brandenburg sammeln zwei Volksinitiativen Unterschriften.Foto: picture alliance/dpa

Viele Brandenburger, die in den kommenden Wochen in Fußgängerzonen um eine Unterschrift gebeten werden, wissen wahrscheinlich gar nicht, wer sie da umschwirrt. Denn beim Kampf um die Artenvielfalt herrscht Vielfalt in der Mark. Gleich zwei Volksinitiativen wollen den Naturschutz voranbringen und sich nach bayerischem Vorbild gegen das Bienensterben für die Bewahrung der Insektenvielfalt einsetzen – auf ihre Art. Die beiden Initiativen sind sich untereinander gar nicht grün – und dürften sich am Ende gegenseitig die Unterschriften streitig machen. 20.000 davon sind nötig, um vom Landtag angehört zu werden.

Naturschutzverbände und der Landesbauernverband reklamieren jeweils für sich, den besseren Weg zum Schutz von Bienen, Käfern und Faltern zu beschreiten, und streiten sich darüber mit großer Vehemenz. Ein Treffen beider Seiten am Mittwochabend hatte keine Einigung gebracht. Am Montag startet nun die schon länger angekündigte Volksinitiative der Naturschutzverbände BUND und NABU.

Eine ihrer Forderungen: ein flächendeckendes Verbot von Pestizideinsatz in Brandenburg. Doch die Bauern waren nun drei Tage schneller: Am gestrigen Freitag starteten sie eher kurzfristig eine eigene Volksinitiative und stellten ihr Anliegen in Potsdam der Presse vor. Unter den Zuhörern, wenig amüsiert, der Landesgeschäftsführer des BUND, Axel Kruschat, der am kommenden Montag vor Publikum sein Vorhaben vorstellen wird.

Die Volksinitiative des Landesbauernbundes sei „so eine Art Plagiat“, schimpft Kruschat nach der Veranstaltung der gegnerischen Initiative. Eine „Vernebelungsaktion“ sei das. Schließlich sei die Hauptursache für Insektensterben klar: die Intensivierung der Landwirtschaft. Und der damit verbundene Einsatz von Insektiziden. In 310 der 473 brandenburgischen Naturschutzgebieten sei der Pestizideinsatz nicht eingeschlossen, sagt Kruschat.

„Ideologie und Verbote helfen nicht“

Die Landwirte wiederum fürchten auch um Arbeitsplätze auf dem Land. „Ideologie und Verbote helfen nicht“, sagt Henrik Wendorff, Präsident des Bauernverbandes und Sprecher der Initiative „Mehr als nur ein Summen!“, der 19 Akteure – auch Schäfer, Jäger, Fischer und Waldbesitzer – angehören. Es gebe keine einfachen Zusammenhänge oder Verantwortlichkeiten, was den unbestreitbaren Rückgang der Artenvielfalt angehe, so Wendorff. Deshalb sei der Dialog wichtig, um gemeinsam Lösungen für die Erhaltung tausender Arbeitsplätze im ländlichen Raum zu streiten – und gleichzeitig etwas für die Insekten zu tun. Dies gelte vor allem für ein Flächenland wie Brandenburg, das im Wesentlichen ländlich geprägt sei.

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Die Initiative lehnt ein Pestizidverbot ab und plädiert vielmehr für eine Reduktion des Einsatzes von Chemikalien auf Äckern und Feldern. Er selbst ist Ökobauer, bewirtschaftet 1000 Hektar. „Wir erleben, dass die Artenvielfalt abnimmt, obwohl wir keine chemischen Mittel einsetzen“, sagt Wendorff.

Seine Initiative fordert deshalb ein umfassendes, unabhängiges Monitoring, das die Auswirkungen auf Insekten durch Pflanzenschutzmittel und Biozide ermittelt. Darüber hinaus sollen eine Koordinierungsstelle für Insektenforschung und ein Kulturlandschaftsbeirat eingerichtet werden, der Parlament und Regierung zum Thema Insektenschutz berät.

Überhaupt: die Politik, sie müsse umdenken, findet Knut Kucznik, Vorsitzender des Schaftzuchtverbands Berlin Brandenburg. „Es reicht! Bürokratie und Beschränkungen nehmen immer mehr zu, ohne das jemals mit uns gesprochen wird. Und wir sind diejenigen, die draußen sind“, klagt der Schäfer und nennt ein Beispiel: Wenn eine Wiese von seinen Schafen nach mehreren Jahren abgeweidet sei, müsse er Mulch darauf geben. „Das ist nicht gut für die Insekten. Aber es ist Vorschrift.“

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