• Nazi-Kontakte des AfD-Politikers: Andreas Kalbitz und sein enger Draht zu HDJ und Horst Mahler

Nazi-Kontakte des AfD-Politikers : Andreas Kalbitz und sein enger Draht zu HDJ und Horst Mahler

Auf einem Lager der rechtsextremen HDJ war Brandenburgs AfD-Chef Andreas Kalbitz schon. Jetzt tauchen E-Mails an ihn auf - vom HDJ-Chef und von Horst Mahler.

Andreas Kalbitz beim HDJ-Lager 2007 in Eschede
Andreas Kalbitz beim HDJ-Lager 2007 in EschedeFoto: Otto Belina

Der Brandenburger AfD-Landeschef Andreas Kalbitz war noch tiefer in die rechtsextremistische Szene verstrickt, als bislang bekannt. Sechs Wochen nach dem Verbot der rechtsextremistischen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) im Jahr 2009 hat Kalbitz eine E-Mail vom damaligen HDJ-Bundesführer Sebastian Räbiger erhalten. Dem Tagesspiegel liegen die E-Mails vor, zuerst hatte der „Spiegel“ berichtet.

Räbiger hatte die E-Mail am 12. Mai 2009 an sechs Empfänger verschickt, darunter waren weiter Führungskräfte der HDJ, eine Frau von der rechtsextremistischen Gemeinschaft Deutscher Frauen und ein NPD-Mitglied.

Räbiger schrieb in der E-Mail: „moin, für die, die es interessiert. mittwoch 19-21 Uhr www.netzradio-germania.de noch ein paar Dinge zur hdj und zum drum herum. ich hoffe, es nichts wichtiges geschnitten wurde, gruß s". In dem Radiobeitrag erklärte Räbiger laut „Spiegel“, dass alle Mitglieder „aus dem nationalen Lager“ nicht an Schulen geworben hätten.

Kalbitz sagte dem Spiegel: „Mir ist eine entsprechende Mail von vor zehn Jahren nicht bekannt.“ Dem Tagesspiegel sagte Kalbitz in dieser Woche auf die Frage, ob er Kontakt zu hochrangigen Führungskräften der HDJ und der Neonazi-Szene gehabt habe, daran könne er sich nicht erinnern.

Erst im Frühjahr 2018 war bekannt geworden, dass Kalbitz im Jahr 2007 bei einem Pfingstlager der HDJ dabei war. Auf Fotos von dem Lager ist Kalbitz mit Lederhose und militär-grünem T-Shirt in dem Lager zu sehen.

Andreas Kalbitz, Landesvorsitzender der AfD in Brandenburg.
Andreas Kalbitz, Landesvorsitzender der AfD in Brandenburg.Foto: picture alliance / Monika Skolim

Der Tagesspiegel hat Kalbitz in dieser Woche dazu erneut befragt: Ob er ausschließen könne, dass er selbst auf weiteren Lagern oder Veranstaltungen der HDJ teilgenommen habe. Und ob er ausschließen könne, ob seine drei Kinder in der HDJ aktiv oder in HDJ-Lagern zu Besuch waren. In beiden Fällen erklärte Kalbitz, dass weder er noch seine Kinder auf weiteren HDJ-Lagern waren.

Als die Fotos publik wurden, sagte der AfD-Landeschef zu seinem Besuch:  „Der Kontext war, dass man weiß, dass man erfahren hat, es gibt da eine Organisation, die sich für Jugendarbeit interessiert und da was macht in die Richtung. Das hat mich mal generell interessiert, wie ich mich bei vielen anderen Gelegenheiten auch informiert habe. Das habe ich da auch getan.“

Die HDJ verstand sich als Elite der Neonazi-Szene

Die HDJ war eine verschworene Gemeinschaft, zahlreiche Führungskader waren in Brandenburg aktiv. Und das Pfingstlager galt als Höhepunkt des Jahres für die HDJ. 200 Teilnehmer, teilweise ganze Familien mit Kindern waren es damals in Eschede auf dem Hof eines NPD-Mannes.

Die HDJ-Mitglieder verstanden sich als paramilitärische Elite, als „politische Soldaten“, die Drill und ideologische Schulung für die Jüngsten anboten: Rassenkunde, Hitler-Verehrung, Antisemitismus, Blut- und Boden-Ideologie und NS-Brauchtum.

Das Bundesinnenministerium hatte die HDJ 2009 wegen ihrer „dem Nationalsozialismus wesensverwandten Ideologie“ und einer „aktiv-kämpferischen, aggressiven Grundhaltung“ gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung verboten - auch weil sie Jugendliche zu „fanatischen nationalistischen Freiheitskämpfern“ erziehen wollte. 

Der deutsche Rechtsextremist Horst Mahler.
Der deutsche Rechtsextremist Horst Mahler.Foto: Balazs Mohai/MTI/AP/dpa

Aber Kalbitz bringt nicht nur die jetzt aufgetauchte HDJ-E-Mail in Bedrängnis. Außerdem erhielt Kalbitz am 10. August 2008 eine E-Mail von Horst Mahler. Diese liegt dem Tagesspiegel ebenfalls vor. Der Rechtsextremist hatte die NPD als Anwalt im Verbotsverfahren vertreten.

In der E-Mail berichtete Mahler vom ersten Verhandlungstag am Landgericht Potsdam, dort wurde er ein halbes Jahr später wegen Volksverhetzung zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Mahler hatte den Holocaust geleugnet. Aufgrund des Urteils sitzt er weiter Haft. Die Mail nach dem Prozessauftakt ging an einen Verteiler von 276 E-Mail-Adressen - darunter die von Andreas Kalbitz.

Dem Tagesspiegel sagte Kalbitz er könne sich nicht an einen Kontakt zu hochrangigen Vertretern der Nazi-Szene erinnern. Dem "Spiegel" erklärte er: "Von einer E-Mail von Herrn Mahler vor elf Jahren weiß ich nichts". Und weiter: "Ich habe keinerlei Kontakt mit Horst Mahler und distanziere mich schärfstens von den von ihm aufgestellten Thesen."

Kalbitz war seit 1993 in der rechtsextremen Szene verstrickt: Er war Anfang der 1990er-Jahre im Witikobund, einem Vertriebenen-Verband, gegründet von NSDAP- und SS-Funktionären, und tauchte nach 2000 bei der von Neonazis dominierten „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“ (JLO) auf.

Mit seinem Schwiegervater erstellte Kalbitz zwei Filme, die 2004 und 2008 veröffentlicht wurden. Es ging um Adolf Hitler und die 1. Gebirgs-Devision im Zweiten Weltkrieg. Ein Historiker attestierte jüngst in der „Welt“ eine „geschickte Hitler-Verherrlichung“ und das Verschweigen von Kriegsverbrechen.

2014 übernahm Kalbitz den Vorsitz eines Vereins, dessen Gründer SS-Hauptsturmführer der Leibstandarte Adolf Hitler war, mit NPD-Mitgliedern im Vorstand. Nach Medienberichten legte Kalbitz den Vorsitz 2015 nieder.

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