zum Hauptinhalt
Gegen Emigrantengewalt" gehen am Samstagmittag mehrere Hundert Menschen vor dem Kanzleramt auf die Straße. Sie beziehen sich auf eine 13-Jährige, die angab, von Flüchtlingen vergewaltigt worden zu sein.

© Jörn Hasselmann

700 Menschen demonstrieren vor dem Kanzleramt für ein Mädchen und gegen Migranten. Sie nutzen den Fall der angeblich entführten und vergewaltigten 13-Jährigen aus. Laut Staatsanwaltschaft gab es nur einen "einvernehmlichen Sexualkontakt".

Die Geschichte von dem angeblich vergewaltigten 13-jährigen Mädchen spielte sich bislang vor allem in den Untiefen des Internets - und in Marzahn ab. Bis Sonnabend. Da demonstrierten 700 Menschen, darunter viele Russen, aber auch zahlreiche bekannte Rechtsextremisten und bekannte Verschwörungstheoretiker, vor dem Bundeskanzleramt.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Es gab wohl schon lange keinen Fall mehr, in dem derart unklar ist, was die Wahrheit ist. Russlanddeutsche und russische Medien schildern die Geschichte so: Die 13-Jährige wurde von mehreren arabischen Flüchtlingen entführt und vergewaltigt. Die Berliner Polizei teilte nur wenige dünne Worte mit: „Das Mädchen war kurzzeitig vermisst gemeldet und ist inzwischen wieder zurück.“ Und weiter: „Fakt ist – nach den Ermittlungen des Landeskriminalamtes gab es weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung. Wir bitten ausdrücklich um Ihr Verständnis, dass wir nähere Angaben insbesondere zum Schutz der Persönlichkeit des Mädchens und Ihrer Familie nicht machen werden.“ Daran hält sich die Polizei seit Tagen. Die Demonstranten glauben den deutschen Behörden nicht. Die Menge brüllt irgendwann „Merkel muss weg“ – wie bei Pegida.

Ein Anwalt bittet Medien, nur mit ihm zu sprechen, nicht mit der Polizei

Ein Anwalt, der von sich behauptet, dass er die Familie des Kindes vertritt, bittet Berliner Zeitungen per Fax, nur noch mit ihm zu sprechen, nicht mehr mit der Polizei. Er bitte darum, die „Persönlichkeitsrechte“ der Familie zu respektieren – nennt aber gleichzeitig den kompletten Namen des Mädchens.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird wegen sexuellen Missbrauchs gegen mindestens eine namentlich bekannte Person ermittelt. Dem Vernehmen nach ist das Mädchen „in schlechte Kreise geraten“, sie habe dann der Polizei „verschiedene Versionen präsentiert, um ihr Verschwinden über Nacht zu erklären“. Nach Angaben der Justiz habe es einen „einvernehmlichen Sexualkontakt“ gegeben. Da das Mädchen noch nicht 14 ist, muss wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch ermittelt werden.

Zur Startseite