Neubau am Olympiastadion : "Der Olympiapark muss sich mehr öffnen"

Experten und Anwohner wollen den Park attraktiver für Freizeitsportler gestalten. Dafür gibt es bereits Pläne der Verwaltung. Doch die hält sich noch bedeckt.

Der Olympiapark neben dem Olympiastadion in Berlin-Charlottenburg.
Der Olympiapark neben dem Olympiastadion in Berlin-Charlottenburg.Foto: imago/Matthias Koch

Irgendwann an diesem Abend blickte Aleksander Dzembritzki nach links, nickt anerkennend und bedankte sich. Ist natürlich nett, andererseits auch nur recht und billig, wenn man gerade erfahren hat, wie man viel Geld sparen kann. Links von Dzembritzki, dem Sport-Staatssekretär, stand Christoph Rauhut und nahm den Dank gerne entgegen. Rauhut hatte über die baufällige Tribüne am alten Schwimmbad im Olympiapark geredet.

Die Sanierung würde Millionen kosten, die Frage ist ja, lohnt sich das für ein Gemäuer, auf dem auch nach der Sanierung kein Mensch sitzen wird. Das Bad ist für Wettkämpfe völlig ungeeignet. Aber die Tribüne liegt einem wie Rauhut als Direktor des Landesdenkmalamts natürlich am Herzen. Und deshalb brachte er Dzembritzki auf die Idee, dass der Bund ja Geld zuschießen könne. Die Tribüne, das Bad, sei ja schließlich ein „nationales Denkmal“ und damit förderungswürdig mit Bundesmitteln.

Olympiapark soll Leuchtturm für den ganzen Sport werden

Und so wurde eine Podiumsdiskussion zum Thema „Der Olympiapark – Zukunft und Perspektive“ am Donnerstagabend vorübergehend zum millionenschweren Nachhilfe-Projekt. Eingeladen hatte die Fraktion der Grünen in der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf, deshalb stand eine bunte Runde im Haus der Landessportjugend, einen Steilpass vom Olympiastadion entfernt.

Dabei ging es eigentlich ums große Ganze. Wie wird der Olympiapark aufgewertet? Das war die Frage. Die große Marschrichtung gab der Sport-Staatssekretär vor: „Der Olympiapark soll ein Leuchtturm für den Leistungs- und Breitensport werden.“

Tja, nur wie? Spannende Frage. Klar war auf jeden Fall von Anfang an, dass so ein Leuchtturm viel Geld kosten wird. Der Projektentwickler Klaus Zahn, einer der Podiumsgäste, hatte in einer Studie den Gesamt-Sanierungsbedarf auf 560 Millionen Euro taxiert. So weit, so klar.

Aber mit welchem Ziel sollen die Millionen investiert werden? Friedhard Teuffel, der Direktor des Landessportbunds (LSB), betrachtet den Olympiapark zwar als „herausragendes Areal“, aber ihm fehlt ein schlüssiges Gesamtkonzept für diese riesige Fläche.

„Sport lebt von Bewegung“, sagte er, aber dort bewegen sich aus seiner Sicht zu wenig Menschen. „Man sollte den Park für Anwohner zugänglich machen, diese tolle Kulisse sollte als Motivation dazu dienen, selber Sport zu betreiben.“ Man könne ja mal attraktive Joggingstrecken anlegen. Und dann das Reiterstadion. Teuffel sagte, ihm blute fast das Herz, wenn er an die Fast-Brachfläche denkt, die vor sich hinmodert. Dort müsse man eine Frage klären:: „Wie kann man es mit Sport füllen?“

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Dem Denkmalschützer sind zwei Sichtachsen besonders wichtig

Denkmalschützer Rauhut geht bei vielem mit, sofern die Kernpunkte seines Bereichs nicht angetastet werden. Die beiden zentralen Sichtachsen, die sind sakrosant, aber zwischen diesen Achsen gibt es ja Freiräume, „das besteht die Möglichkeit, dass sich das Gelände weiterentwickelt.“ Es entwickelt sich auf jeden Fall um zwei Kunstrasenplätze weiter. Die werden wohl gebaut, die Planungen jedenfalls sind weit fortgeschritten. Dann können dort sich Hockeyspieler und Blindenfußballer austoben.

Leichte Herzprobleme dürfte er allerdings bekommen haben, als LSB-Direktor Teuffel seine Ideen von der Tribüne des alten Schwimmstadions verkündete. Ein Teil der Tribüne könne man doch einfach abreißen, und damit die Nachwelt trotzdem noch eine Ahnung davon hat, wie das damals hier ausgesehen hat, könne man den Rest ja unter Glas stellen und als überdimensionales Exponat präsentieren.

Da griff Rauhut hektisch zum Mikrofon und erwiderte, unter Andeutung von Schnappatmung, dass Teuffel mit so einem Gedanken „ja gerade den musealen Charakter des Park fördere“. Und genau das wolle er, Rauhut, unter allen Umständen vermeiden.

Mit dem Fahrrad soll man besser in den Park kommen

Eine Anwohnerin, die sich zu aus dem Publikum zu Wort gemeldet hatte, will dagegen möglichst bald verhindern, dass sie als Radfahrerin nur auf höchst kompliziertem Weg an der Schranke vorbei in den Park kommt. Kundenfreundlichkeit ist das Stichwort, der Park müsse leichter erreichbar sein. Und der Park müsse sich stärker für Freizeitsportler öffnen. "Jungs, die hier Fußball spielen wollen, werden vom Sicherheitsdienst verjagt." Na gut, nicht alle. Die Kicker von Hertha BSC dürfen durch.

Petra Vandrey hat regelmäßig ihre drei Kinder in den Olympiapark gefahren, damit die dort Sport treiben können, sie kennt nicht bloß das Gelände, sondern auch die Probleme, die es dort gibt. Aber am Donnerstagabend stand sie nicht als Mutter auf dem Podium, sondern als Fraktionsvorsitzende der Grünen in der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf. Kraft ihres Amtes erklärte sie, „dass es sinnvoll wäre, die Öffnung des Parks voranzutreiben. Viele Flächen liegen noch im Dornröschenschlaf.“

Es gibt ja Pläne, das Ganze voranzutreiben. In der Senats-Sportverwaltung wird eine Machbarkeitsstudie ausgearbeitet. Die ist ganz beistimmt interessant, nur hielt Sport-Staatssekretär Dzembritzki sie am Donnerstagabend eisern unter Verschluss. Er hat schon genug Ärger mit allen möglichen Leuten, denen irgendwas nicht passt. Da will er es sich nicht noch ohne Not mit den Mitgliedern des Abgeordnetenhauses verscherzen. „Die Ergebnisse“, sagte er also, „möchte ich erst dem Hauptausschuss vorlegen. Sonst wären die Kollegen alles andere als begeistert.“

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