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Neue Bildungssenatorin : Scheeres: "Ich bringe auch Sachkenntnis mit"

Was wollen Sie den angestellten Lehrern anbieten, um sie in Berlin zu halten? Wann wollen Sie darüber mit den Gewerkschaften sprechen?

Die Gehälter für die Berufseinsteiger haben wir ja schon angehoben. Außerdem ist Berlin eine attraktive Stadt, und Familien haben hier eine sehr gute Infrastruktur. Natürlich müssen wir uns trotzdem in den nächsten Monaten Gedanken machen über Anreize, um Lehrer zu halten. Das werden wir beraten.

Was werfen Sie in die Waagschale, um in Wissenschaftskreisen Vertrauen zu gewinnen?

Es ist richtig, dass ich bisher in anderen Politikbereichen Verantwortung übernommen habe. Aber ich stehe den Leuten offen gegenüber und werde mich schnell einarbeiten. Als ich am Montag die Aufsichtsratssitzung der Charité geleitet habe, hatte ich den Eindruck, dass die Wissenschaftler auch mir ihre Offenheit signalisiert haben. Außerdem hat mein Vorgänger schon viele gute Sachen auf den Weg gebracht. Daran knüpfe ich an.

Die Aufteilung von Wissenschaft und Forschung auf zwei Senatsverwaltungen ist bundesweit einzigartig und wird von allen Seiten heftig kritisiert. Können wenigstens Sie darin einen Vorteil erkennen?

Frau von Obernitz und ich wollen und werden eng zusammenarbeiten.

Scheeres' Ahnenreihe
„Unter einem vom Kaliber Jürgen Zöllners kann Berlin es nicht machen“ – so klingt es aus Wissenschaftskreisen, seit bekannt ist, dass die neue Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) heißt. In der Geschichte des Berliner Senats gab es allerdings schon häufiger Senatoren, die nicht als Stars angetreten waren und doch gute Arbeit geleistet haben. Und unter jenen, die als Hoffnungsträger antraten, erfüllten manche die hohen Erwartungen nicht.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: dapd
02.12.2011 12:08„Unter einem vom Kaliber Jürgen Zöllners kann Berlin es nicht machen“ – so klingt es aus Wissenschaftskreisen, seit bekannt ist,...

Werden das Wissenschaftskolleg und die Akademie der Wissenschaften doch noch in Ihrer Verwaltung bleiben?

Ich werde mich noch in dieser Woche mit Frau von Obernitz treffen, um unsere Schnittstellen zu identifizieren.

Schadet der Ressortzuschnitt den Unis nicht im Elitewettbewerb? Dabei geht es ja gerade um neue Verbindungen zwischen den Hochschulen und den außeruniversitären Instituten. Berlin tut das Gegenteil.

Ich gehe nicht davon aus, dass sich der Zuschnitt negativ auswirkt, wenn wir gut damit umgehen. Wir haben die Berliner Universitäten sehr gut auf den Wettbewerb vorbereitet.

Auch Bundesforschungsministerin Schavan findet den Ressortzuschnitt absurd. Ist zu befürchten, dass dem Bund aus Ärger über die Berliner Verhältnisse die Lust vergeht, sich für die Charité zu engagieren?

Frau Schavan sieht doch, was sich hier für eine gute Chance auftut, sonst hätte sie ihren Vorschlag ja nicht gemacht. Und auch der Berliner CDU ist daran gelegen.

Welche Herausforderungen sehen Sie in der Wissenschaftspolitik?

Wir werden die Zahl der Studienanfängerplätze wie geplant weiter ausbauen. Außerdem steht die nächste Runde der Exzellenzinitiative an, die wir erfolgreich für Berlin meistern wollen. Und natürlich ist die Kooperation der Charité mit dem Max-Delbrück-Centrum ein großes Projekt. Da werde ich mich engagieren.

Die Fragen stellten Anja Kühne und Susanne Vieth-Entus

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Zur Person

HERKUNFT

Sandra Scheeres, 41, stammt aus Düsseldorf, wurde dort ausgebildet zur Erzieherin und Diplompädagogin.

POLITIK

Sie ist seit 1993 SPD-Mitglied, war 1999/2000 im Rat der Stadt Düsseldorf und ist seit 2006 Abgeordnete in Berlin durch ein Pankower Direktmandat. 2011 wiedergewählt.

BERUF

Von 2000 bis 2003 war sie Projektmanagerin beim Bundesmodellprogramm „Entwicklung und Chancen junger Menschen in sozialen Brennpunkten“, anschließend arbeitete sie als Wissenschaftliche Referentin bei der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe.

FAMILIE

Sie ist verheiratet, hat zwei Söhne. Der ältere Junge ist sieben, der jüngere ein Jahr alt. Ihr Wohnsitz: „Pankow – nicht Prenzlauer Berg“

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