Neue Preise ab Februar : Berliner Bäderbetriebe lichten den Tarifdschungel

Die Bäderbetriebe machen ihre Tarife übersichtlicher - aber sonst passiert nicht viel.

Kraulschwimmer im Becken.
Schwimmen in Berlin.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Sehr misslich, dieses Zusammentreffen: Die Bäderbetriebe verkünden ihren Aufbruch in ein besseres Jahr 2018 mit zufriedenen Gästen in tatsächlich geöffneten Hallen – und das Bad, in dem die Pressekonferenz stattfindet, muss am selben Tag schließen. „Es gibt Probleme mit der Wasserqualität. Wir müssen das Bad am Spreewaldplatz heute runterfahren“, sagt Annette Siering, Finanzvorstand der Bäderbetriebe. Dass die beliebte Kreuzberger Schwimmhalle noch in dieser Woche wieder geöffnet wird, ist unwahrscheinlich. „Das Wasser wird abgelassen und alles durchgeschrubbt.“

Die kurzfristigen Hallenschließungen sind derzeit das größte Problem der Bäderbetriebe, bestätigte Sport-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD). Wieder mehr Stabilität in Öffnungszeiten und Service zu bekommen, habe deshalb „oberste Priorität“. „Wir wollen mehr Kundenorientierung und eine bessere Performance.“ Dazu gehört die kleine Tarifreform, die am Dienstag verkündet wurde. Wie bereits berichtet fällt der Kurzzeittarif für Frühschwimmer weg, die Jahreskarte verbilligt sich, der Zuschlag für Freizeitbäder und das Warmbaden entfällt, die Familienkarte heißt künftig „Badespaß“ und beginnt bei neun Euro für einen Erwachsenen und zwei Kinder

Das Jahr 2017 war durchwachsen

Die Jahresbilanz für 2017 fällt wegen der Schließzeiten und des Wetters durchwachsen aus. 5,76 Millionen Besucher kamen in die Bäder, darunter waren 3,6 Millionen zahlende Besucher (also keine Vereinsschwimmer oder Schüler). Damit kamen 230.000 weniger als im Vorjahr. Das lag am verregneten Sommer – allein ins Strandbad Wannsee kamen 58.000 weniger Gäste –, aber auch an ungeplanten Schließzeiten wie in Lankwitz und Pankow. Seit dem Herbst 2017 steigen die Besucherzahlen aber wieder und liegen nach Angaben der Bäderbetriebe um zehn Prozent über dem Vorjahr. Verbessert habe sich auch die Verlässlichkeit, die Zahl der „ungeplanten Schließungen“ sei auf zwei Prozent zurückgegangen, sagte Seiring. Im vorigen Jahr fielen insgesamt 5166 Wasserzeitstunden (geplant waren knapp 156.000 Stunden) aus.

Größere Strukturveränderungen beim Personal stehen trotz entsprechender Forderungen aus der Politik nicht ins Haus. Bäderchef Andreas Scholz-Fleischmann kündigte an, das Pilotprojekt einer gemeinsamen Personalplanung für mehrere Bäder (bisher nur in Mitte) auszubauen, um flexibler auf den Ausfall erkrankter Mitarbeiter reagieren zu können. Nach der Personalaufstockung um 30 Stellen auf insgesamt 725 Beschäftigte soll auch die Zahl der Azubis erhöht werden. Die täglichen Hallenzeiten zu verlängern und mehr Hallen am Wochenende zu öffnen, wie von Schwimmern gefordert, ist nicht geplant.

Christian Gaebler kündigte an, dass die Schwimmvereine künftig mit Kontrollen rechnen müssen, ob sie ihre Wasserzeiten auch wirklich nutzen. „Da muss mehr Transparenz rein.“ Es gebe Hinweise, dass einige Vereine ihre Zeiten nicht nutzen. „Das wird bislang gar nicht erfasst.“

Fünf Bäder müssen wegen Sanierung schließen

In diesem Jahr sollen fünf größere Sanierungsvorhaben gestemmt werden. 16,5 Millionen Euro sollen in Instandhaltung und Sanierung von Bädern fließen. Beginn ist im März mit der Komplettsanierung der Schwimmhalle Buch. Sie bleibt bis zum Winter 2019 geschlossen. Die Halle Hüttenweg schließt ab 4. Juni bis voraussichtlich Mitte September – dort wird an Wasseraufbereitung gearbeitet. Das Stadtbad Lankwitz schließt am 22. Mai und öffnet wahrscheinlich wieder Ende August. Hier werden Becken instand gesetzt und der Keller saniert. Die Schwimmhalle am Helene-Weigel-Platz in Marzahn bekommt neue Fliesen und schließt deshalb vom 18. Juni bis Ende September. Auch die Schwimm- und Sprunghalle (SSE) an der Landsberger Allee muss ab dem 16. Juli für wahrscheinlich acht Wochen schließen.

Die Sanierungen der Hallen am Spreewaldplatz, des Stadtbads Tiergarten und des Paracelsus-Bads werden auf 2019 verschoben. Befürchtungen, das Schulschwimmen müsse wegen der Hallensanierungen eingeschränkt werden, wie zuletzt in Treptow-Köpenick, wies Scholz-Fleischmann zurück. Man sei in Gesprächen wegen Ersatzzeiten in anderen Hallen. „Das klappt.“

Die neuen Tarife

Basistarif: 3,50 Euro bis 15 Uhr, danach 5,50 Euro. An Wochenenden ganztägig 5,50 Euro. Ermäßigt 2 Euro (ab 10 Uhr) bzw. 3,50 Euro.

Abendtarif: 3,50 Euro ab 20 Uhr, außer feiertags

Badespaß (statt Familienkarte): 9 Euro für einen Erwachsenen und zwei Kinder, jedes weitere Kind plus 1,25 Euro

Jahreskarte: 495 Euro statt 539, aber ohne Sauna oder andere Zusatzleistungen

In den Freizeitbädern gelten künftig Zeittarife, der pauschale Zuschlag fällt weg. 90 Minuten kosten 5,50 Euro, 180 Minuten 7,50 Euro, Tageskarte: 10 Euro, ermäßigt jeweils zwei Euro weniger. Die neuen Tarife gelten ab 1. Februar.

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