Neue Tarife der Bäderbetriebe : Was Berlins Schwimmer freut - und was sie ärgert

Entspannter frühmorgens schwimmen, günstigere Jahreskarten: Die neuen Tarife der Berliner Bäderbetriebe orientieren sich mehr an den Bedürfnissen ihrer Kunden. Es gibt Lob – aber auch Kritik.

Schwimmen in Berlin kann so schön sein. Wenn die Schwimmhalle geöffnet ist.
Schwimmen in Berlin kann so schön sein. Wenn die Schwimmhalle geöffnet ist.Foto: Rainer Jensen/picture alliance/dpa

Die Bäderbetriebe kommen in diesen Tagen heftig ins Schwimmen. Aber keineswegs, weil mal wieder viele Berliner unerwartet vor einem geschlossenen Bad stehen oder sich über mangelnden Service ärgern, sondern diesmal durchaus in positiver Hinsicht.

Die sogenannte „kleine Tarifreform“, die am Dienstag wie berichtet verkündet wurde, scheint bei Berlins Schwimmern gut anzukommen. „Wir werden bestürmt“, sagt Bädersprecher Matthias Oloew, „das ist so schnell gar nicht zu schaffen.“

Vor allem die neue, günstigere Bäder-Card, der Ersatz für die bisherige Jahreskarte, entwickele sich zum Renner. Seit Mittwoch gingen laut Oloew stapelweise Neuanträge ein. Es gibt aber auch Kritik an manchen Tarifänderungen und Gerangel mit langjährigen Kunden.

Zeitbegrenzung am Morgen fällt weg

Doch vorneweg erstmal ein Lob aus berufenem Munde. „Die verlängerte Zeit für Frühschwimmer ist prima“, freut sich Bianca Tchinda. Die 53-jährige Tempelhoferin kümmert sich seit vielen Jahren in ihrem „Schwimm-Blog Berlin“ um die Probleme der Hobbyschwimmer.

Auch auf ihrer Plattform beschwerten sich bislang etliche Frühkunden über den Stress, der ihnen aufgezwungen wird. Denn bisher darf man für den morgendlichen Kurzzeittarif von 3,50 Euro nur 45 Minuten seine Bahnen ziehen, danach bleiben gerade mal 20 Minuten zum Umziehen und Duschen.

Nach den künftigen Tarifvorgaben, die ab 1. Februar gelten, fällt diese Zeitbegrenzung weg. Für den neuen „Guten Morgen-Tarif“ von 3,50 Euro kann man je nach Bad ab 6.30 oder 8 Uhr bis 10 Uhr entspannt schwimmen.

Einziger Kritikpunkt: Die bisherigen Zehnerblocks sind abgeschafft, die Frühtickets gibt’s nur noch einzeln. Da Frühschwimmen aber beliebt ist, befürchtet Tchinda nun Schlangen an der Kasse. „Nervig, falls man nach dem Sprung ins Wasser zum Job muss.“

Großfamilien zahlen mehr

Bei der neuen „Badespaß“-Karte für Familien und dem künftig „Bäder-Card“ genannten Jahresticket haben sich die Bäderbetriebe mehr als bisher an den statistisch erhobenen Bedürfnissen ihrer Kunden orientiert.

So kostet die „Badespaß“-Karte für drei Personen, davon mindestens ein Erwachsener, nur 9 Euro. Damit ist sie günstiger als die bisherige Familienkarte für 11,50 Euro. Diese gilt allerdings nicht nur für drei, sondern für zwei Erwachsene und maximal fünf Kinder.

Fazit: Großfamilien müssen in Zukunft etwas mehr zahlen. Doch für Kleinfamilien, die weitaus zahlreicher an den Kassen stehen, wird das Vergnügen im Bad günstiger.

Bäder-Card gilt nur ab Monatsanfang

Beispiel zwei: Die bisherige Jahreskarte kostet 539 Euro inklusive Bonustickets für zehn Saunabesuche und zehn Stunden Teilnahme an diversen Kursen wie Aquafitness. Die neue Bäder-Card ist mit 495 Euro immerhin 44 Euro günstiger.

Diesen Preisnachlass begründet Oloew mit der Erkenntnis, „dass die meisten regelmäßigen Bahnenschwimmer den Sauna- und Kursbonus gar nicht nutzen“. Viele hätten deshalb gefordert, man solle die Boni zugunsten der Ticketkosten streichen. Das ist nun passiert.

Dennoch gibt es auch hier ein Ärgernis. Die bisherige Jahreskarte konnte man ab Beginn oder Mitte eines Monats erwerben, die neue Bäder-Card gilt hingegen nur ab Monatsanfang. Das erzürnt Schwimmer, deren bisheriges Jahresticket beispielsweise Mitte Januar oder Mitte März 2018 ausläuft. Sie müssen die zweiwöchige Übergangsfrist bis zum Start des nächsten Monats, ab dem ihre neue Bäder-Card gilt, einzeln zahlen. Es betrifft nicht wenige, rund 8000 Berliner besitzen eine Bäder-Jahreskarte.

Darüber beschwerten sich auch etliche Schwimmer in Leserbriefen an den Tagesspiegel. Matthias Oloew hisst die weiße Flagge. Dieses Problem habe man nicht bedacht. Aber: „Wir arbeiten schon an einer Kulanzlösung.“

Neues Ehrenamt-Ticket

Mehr an den Bedürfnissen der Kunden orientiert sind künftig auch die Tickets in Berlins „Freizeitbädern“ – den Stadtbädern in Lankwitz und Schöneberg sowie dem Wellenbad am Kreuzberger Spreewaldplatz. Die neuen Zeittarife – wahlweise 90 Minuten für 5,50 Euro, 180 Minuten für 7,50 oder das Tagesticket für 10 Euro – ersetzen die bislang starren, preislich unterschiedlichen Zeitzonen. Hier waren die Thermen im Umland Vorbild.

Das alles freut den Sportexperten der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Dennis Buchner. „Die Tarifreform ist ein Fortschritt“, lobte er die Bäderbetriebe bei der Sitzung des Ausschusses am Freitag. Der Tarifwirrwarr sei gelichtet. Und dann hob er das neue Ehrenamt-Ticket hervor. Es sei ein „echter Gewinn“. Wer als ehrenamtlich Engagierter die „Ehrenamtskarte“ des Landes Berlin vorweist, darf fast überall für nur 3,50 Euro ins Wasser springen.

Die Bäderbetriebe suchen Mitarbeiter. Am Sonnabend von 9 bis 16 Uhr laden sie zum Job - und Bewerbungstag in die Schwimmhalle Fischerinsel am U-Bhf. Spittelmarkt in Mitte ein.

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