Berlin : Nur jedes zweite Pflegeheim wurde 2006 geprüft

Aufsichtsbehörde kritisiert zu viel Leihpersonal / Vivantes will seine zwölf Heime jetzt sanieren

Ingo Bach

Wie gut ist die Versorgung von Pflegebedürftigen in Berlin? Offenbar nicht immer gut, wie Prüfberichte der Heimaufsicht oder des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK), die dem Tagesspiegel vorliegen, zeigen: In einem Heim in Reinickendorf etwa konstatieren die Prüfer „fehlende Fachlichkeit von Pflegekräften“ und „unzureichende Motivation“, die zu „negativen Folgen für die Pflegebedürftigen“ geführt hätten. Oder: in einem Heim in Wedding führe man „Leasingkräfte ohne Namen, Qualifikation und Stundenzahl“ im Dienstplan. „Es ist nicht ersichtlich, ob es sich für den Zeitraum um ständig wechselnde Personen oder um eine Person handelt.“ Und eine Einrichtung in Tempelhof musste wegen der Auflagen der Prüfer einen Teil des Personals austauschen, weil es nicht ausreichend qualifiziert ist.

„Wir sehen mit Sorge, dass Heimbetreiber immer mehr Leasing-Personal einsetzen“, sagt der Leiter der Berliner Heimaufsicht, Michael Meyer. Das müsse zwar nicht bedeuten, dass diese Pfleger weniger gut qualifiziert seien, und manchmal müsse man so Personallücken durch Krankheit oder Urlaub überbrücken – doch immer wieder wechselnde Betreuer seien ungünstig für die Pflegebedürftigen. Ein ständiger Leiharbeiter-Anteil von 30 oder 40 Prozent am Gesamtpersonal sei eindeutig zu hoch.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Negativschlagzeilen will die Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner (Linkspartei/PDS) die Zahl der Heim-Kontrollen erhöhen. Das Ziel sei, in diesem Jahr 65 Prozent der Heime „zu begehen“, sagt Meyer. Ein Sprung nach oben gegenüber 44 Prozent im vergangenen Jahr. Dafür stehen der Behörde 16 Mitarbeiter zur Verfügung – jeder von ihnen betreue im Schnitt 40 Heime. Meyer hofft, dass möglichst wenige Häuser so viele Mängel zeigen, dass eine eine „Intensivkontrolle“ über Wochen nötig wird, wie in diesem Fall: Im Januar 2007 entdeckten Prüfer im Vivantes-Seniorenpflegeheim in der Reinickendorfer Teichstraße 50 erhebliche Mängel. Man habe dem Betreiber eine umfangreiche Aufgabenliste zur Beseitigung der Mängel gestellt. Das bestätigt auch Vivantes-Sprecher Uwe Dolderer: Der MDK habe „Verbesserungsbedarf“ entdeckt, unter anderem in der Organisation. „Wir sind dabei, einen sofort aufgestellten Maßnahmenplan umzusetzen, um den Betrieb zu optimieren. Die Pflegequalität in unseren Heimen ist gut.“

Aber auch das offenbar nicht zu jeder Zeit. Nach einer Prüfung des benachbarten Vivantes-Heimes in der Teichstraße 44 im April 2006 verhängte die Aufsichtsbehörde einen kurzzeitigen Aufnahmestopp. Die Mängel seien mittlerweile aber abgestellt. Vivantes unternehme derzeit große Qualitäts-Anstrengungen, sagt Meyer. „Die meisten Vivantes-Pflegeheime arbeiten gut bis zufriedenstellend“

Allerdings ist deren baulicher Zustand so alarmierend, dass der neue Vivantes-Chef Joachim Bovelet sie schnell sanieren will. Zu dem landeseigenen Klinikkonzern gehören zwölf Heime mit rund 1700 Betten. Eine interne Analyse, die dem Tagesspiegel vorliegt, zeigt einen großen Sanierungsbedarf. Zum Beispiel in der Reinickendorfer Leonorenstraße: die dortigen Zimmer seien nicht mit Duschen ausgestattet, die Aufzüge nicht behindertengerecht und die Fassade verrottet, heißt es in der Analyse. Bei allen Häusern bestehe ein „Instandhaltungsrückstau“ von insgesamt 20 Millionen Euro. Mitte März will der Konzernaufsichtsrat über einen Sanierungsplan entscheiden.

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