Berlin : Nur Urlaub ist schöner

Der Bummel über die Internationale Tourismusbörse ist aufregend wie nie. Am Sonnabend öffnet die Messe für Privatbesucher

Stefan Jacobs

Prospekte abschleppen war gestern. Jetzt ist Show angesagt: Wenn am kommenden Wochenende die ITB auch für Privatbesucher öffnet, gibt es auf dem Messegelände weit mehr zu erleben als Trachtenträger und Papierstapel vor sonniger Fototapete. Auf der weltgrößten Reisemesse wird so viel los sein, dass sie fast den Urlaub ersetzt. Das zeigt sich schon daran, dass Olympus für den Rundgang Digitalkameras verleiht. Mit denen kann dann die Merengue-Band aus der Dominikanischen Republik ebenso fotografiert werden wie Mutti bei der Apfelhülsenmassage und Onkel Rolf im Orient Express. Auch das Auf- und Abbauen von Campingzelten ist im Angebot – als Teil eines Abenteuer-Parcours. Wer je bei Windstärke 5+ und Strippenregen seine Stoffhütte auf felsigem Grund errichten musste, weiß warum.

Das andere Ende der Reisewelt ist das All. Leider fällt die Demokratisierung des Weltraumtourismus just mit der Klimadiskussion („Sylt statt Saturn!“) zusammen. Auch sind die zumeist im zweistelligen Millionenbereich befindlichen Preise selbst mit Vollpension noch nicht jedermanns Sache. Umso besser, dass im Kultur-Palais am Funkturm am Sonntag zwei alte Weltraumhasen erzählen, ob die Reise überhaupt lohnt: Erwartet werden der deutsche Astronaut Gerhard Thiele und der Amerikaner Story Musgrave, laut ITB-Vorschau der dienstälteste Astronaut des Universums.

Bodenständigen Ästheten sei wiederum die Aktion „Weltgewänder“ von Welthungerhilfe und jungen Modemachern aus Deutschland, Peru, Mali und Indien ans Herz gelegt.

Indien als Partnerland der ITB ist nicht nur in den Messehallen präsent, sondern auch im Zoo, der Sonderführungen durch die Tierwelt Asiens anbietet. Auf denen wird zum Beispiel die Geschichte mit den „Hulmännern“ erzählt, den grauen Hulman-Affen mit ihren schwarzen Gesichtern, Händen und Füßen. Sie sitzen im Tropenhaus ganz hinten links und werden gern übersehen. Dabei verkörpern sie in Indien einen Gott. Der zog laut einer Sage aus, die von Sri Lankas Herrscher entführte Prinzengattin Sita zu befreien, was ihm nach hartem Kampf auch gelang. Unterwegs pflückte er noch eine Mango und brachte die Frucht so erstmals nach Indien. Für deren Diebstahl allerdings kam er auf den Scheiterhaufen, von dem er im allerletzten Moment fliehen konnte. Daher sein schwarzes Gesicht und die schwarzen Füße. Mit seinem Schwanz soll er auch noch ganz Sri Lanka in Brand gesteckt haben, das ist aber unwahrscheinlich: Der Schwanz ist nicht schwarz.

Sabine Bah mag diese Geschichte. Als Leiterin der Zoo-Schule lässt sie bei den Führungen ihre „Hulmänner“ groß rauskommen. Sie sind ein Programmpunkt bei den Touren durch die Tierwelt Indiens. Die führen auch am Gaur vorbei, dem größten Wildrind überhaupt. Und an so bedrohten Arten wie Panzernashorn und Hinterindischem Tiger. Der ist in freier Natur so selten, dass man ihn bei einer Safari gar nicht unbedingt zu Gesicht bekommt. So betrachtet ist der Ausflug in den Zoo besser als jede Reise. Und der Lippenbär, der Termiten so kraftvoll einatmen kann wie ein Staubsauger, wird erst bei den Führungen so richtig interessant: Die Teilnehmer können seine Technik nämlich selbst nachahmen, verspricht Sabine Bah. Mit leckerem Termiten-Ersatz, fügt sie hinzu. Exotik soll ja Spaß machen.

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