• Öffentlicher Nahverkehr: Bauarbeiten bei S- und U-Bahn starten - Berlins Pendler betroffen

Öffentlicher Nahverkehr : Bauarbeiten bei S- und U-Bahn starten - Berlins Pendler betroffen

Von Freitag an sind mehrere Berliner U- und S-Bahnlinien wegen Bauarbeiten unterbrochen. Das stresst Pendler. Und hat auch mit der Landespolitik zu tun.

Maria-Mercedes Hering
Bauarbeiten in der Nähe der Station Gleisdreieck: Für die Sanierung wird die U2 und U3 für einige Wochen unterbrochen.
Bauarbeiten in der Nähe der Station Gleisdreieck: Für die Sanierung wird die U2 und U3 für einige Wochen unterbrochen.Foto: Gregor Fischer/dpa

Gerade hat die BVG ihren 90. Jahrestag gefeiert, doch der Jubel hielt sich in Grenzen. Das habe weniger mit der historischen Leistung als mit der gegenwärtigen Situation zu tun, heißt es bei den Verkehrsbetrieben wie auch in der zuständigen Senatsverwaltung. Denn um sowohl den aktuellen Betrieb im größten U-Bahn-Netz Deutschlands zu gewährleisten als es auch für die Zukunft fit zu machen, investiert die BVG in den kommenden Jahren rund 800 Millionen Euro.

Los geht die Sanierung bereits am kommenden Wochenende am U-Bahnhof Wittenbergplatz. Weil zugleich mehrere S-Bahn-Linien wegen Instandhaltungsarbeiten im Nord-Süd-Tunnel ausfallen, wird es eng in der City West. Oder besser gesagt: in den verbleibenden Verkehrsmitteln. Zumal es nicht immer Ersatzverkehr mit anderen Fahrzeugen gibt.

So müssen am Wittenbergplatz, dem Drehkreuz der drei Linien U1, U2 und U3, mehrere Weichen aus den 1970er Jahren und 300 Meter Gleis ersetzt werden. Deshalb sind nur noch zwei der fünf Gleise befahrbar. Mit 40 Zügen pro Stunde ist dies eine der am meisten beanspruchten Anlagen des Berliner U-Bahn-Netzes.

Für die Sanierung wird eine Unterbrechung der U2 zwischen Bahnhof Zoo und Gleisdreieck vom Betriebsbeginn am Freitag bis einschließlich 24. Februar notwendig, zudem ist die U3 von Freitag bis zum 3. März zwischen Spichernstraße und Warschauer Straße gesperrt.

Kein Ersatzverkehr, dafür mehr U1

Nachdem der Tagesspiegel vor einigen Tagen vermeldet hatte, dass für den Ausfall der U2 und U3 kein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet wird, gab es zunächst Verwirrung, auch im Senat. Selbst Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) bekundete sein Erstaunen und fragte nach. Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos) konnte das Missverständnis allerdings schnell aufklären.

Zwar gebe es keinen Ersatzverkehr mit Bussen, dafür fahre aber die U1, die parallel zu einem Teil der Strecke verläuft, häufiger: statt alle zehn Minuten mit sechs Wagen pro Zug nun alle vier Minuten mit den maximal möglichen Acht-Wagen-Zügen.

„Das müsste eigentlich reichen“, sagte BVG-Sprecher Markus Falkner am Mittwoch dem Tagesspiegel: „Außerdem hätte es gar keinen Sinn, auf den betreffenden, viel befahrenen Straßen in der City West noch zusätzliche Schienenersatzverkehr-Busse auf den Weg zu schicken.“ Allerdings könnte das Unternehmen nach Bedarf einzelne öffentliche Buslinien im Bereich Kurfürstendamm und Tauentzienstraße verstärken.

Das erachtet auch der Berliner Fahrgastverband Igeb für sinnvoll. „Es ist sehr schwer, in diesem Bereich einen Schienenersatzverkehr zu organisieren“, sagt Igeb-Sprecher Jens Wieseke: „Da sollte man wirklich lieber die vorhandenen Linien verstärken. Und wir würden uns natürlich freuen, wenn wie angekündigt die U1 öfter fährt. Die Wagen dafür müssten ja dann vorhanden sein.“

"Sparen, bis es quietscht"

Die Baumaßnahmen selbst seien kaum zu kritisieren, sagt Wieseke. „Das ist natürlich alles eine Folge der unseligen Sparpolitik. Nach unseren Informationen müssen die Weichen am Wittenbergplatz alle 25 bis 30 Jahre erneuert werden. Dieser Zeitraum ist ausgereizt, deshalb kann man das nicht mehr hinausschieben.“

Das betreffe auch noch weitere Sanierungsprojekte, sagt Wieseke, zum Beispiel Brücken, die in der Wiederaufbauphase nach dem Krieg mit Trümmerschutt gebaut wurden. Da hätte man in den vergangenen Jahrzehnten schon vieles machen müssen. „Aber da galt ja die Devise ,Sparen, bis es quietscht‘. Und jetzt quietscht es.“

Foto: Tsp/Böttcher

An den nächsten beiden Wochenenden ganz besonders, denn dann kommt es auch bei der S-Bahn zu Einschränkungen. Im Nord-Süd-Tunnel müssen Instandhaltungsarbeiten durchgeführt werden. Daher fahren zwischen 22 Uhr am Freitag (4. Januar) bis 1.30 Uhr am Montag (7. Januar) keine S-Bahnen der Linien S1, S2, S25 und S26 zwischen Yorckstraße (Großgörschenstraße) beziehungsweise Yorckstraße und Gesundbrunnen.

Auch zwischen dem darauffolgenden Freitag (11. Januar) um 22 Uhr und Montag (14. Januar) um 1.30 Uhr fallen diese S-Bahnen aus, es wird ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Jeweils am Samstag sowie am Sonntagnachmittag entfällt zudem bei der S46 die Verlängerung bis und ab Gesundbrunnen.

Einschränkungen bis Juni

Vom Betriebsbeginn am 25. Februar bis einschließlich 3. März verkehrt die U2 dann wieder planmäßig, während die U1 von Uhlandstraße bis Gleisdreieck sowie die U3 von Spichernstraße bis Warschauer Straße gesperrt sind.

Und die Sperrungen in der City West werden nicht die einzigen im neuen Jahr bleiben. Ebenfalls bereits ab 4. Januar bis Anfang März wird auch ein Abschnitt auf der Linie U7 nicht befahrbar sein. Am Bahnhof Parchimer Allee müssen mit Schadstoffen belastete Faserplatten entfernt werden. Zwischen Grenzallee und Britz-Süd wird dann allerdings ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Ab März wird dann noch einmal der Betrieb auf der Linie U1 eingeschränkt. Grund ist die Sanierung des Tunnels am Bahnhof Wittenbergplatz. Daher wird in den Abend- und Nachtstunden der Verkehr auf der Linie U1 zwischen den Stationen Uhlandstraße und Gleisdreieck vom 10. März bis zum 6. Juni dieses Jahres eingestellt. Die Züge der Linien U2 und U3 verkehren in diesem Zeitraum aber planmäßig.

Ein Sprecher der Senatsverwaltung für Verkehr wirbt um Verständnis für die Bauarbeiten. „Jahrelang hieß es, wir müssen endlich wieder in die Infrastruktur investieren“, sagt er. „Investieren heißt aber, dass gebaut, also auch gesperrt wird. Bei einer wachsenden Stadt wie Berlin ist das manchmal belastend. Aber dennoch notwendig.“

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