Oldtimer-Messe in Charlottenburg : Der Glanz der frühen Jahre

Zum vierten Mal lockt „Motorworld Classics“ Oldtimerfreunde aufs Messegelände. Neben Fahrzeug-Raritäten wird auch die Geschichte der Autos gezeigt.

Am Donnerstag startete in Berlin die Oldtimermesse "Motorworld Classics".
Am Donnerstag startete in Berlin die Oldtimermesse "Motorworld Classics".Foto: Motorworlds Classics Berlin/Sven Wedemeyer

Motorisierter Einkaufswagen, Bobbycar, Elefantenrollschuh – anfangs musste der Smart einiges an Spott ertragen. Was muss es da erst an Witzeleien gehagelt haben, als der Peel P50, zwischen 1961 und 1963 von der Peel Engineering Company auf der Isle of Man produziert, an den Start ging! Ein Fahrzeug mit nur drei Rädern und ohne Rückwärtsgang, einem Scheinwerfer, einem Scheibenwischer – und auf die Beifahrertür konnte man schon deshalb verzichten, weil es keinen Beifahrersitz gab. Mit seinen 4 PS schaffte er immerhin 70 km/h. Der P50, das war eher eine motorisierte Einkaufstasche, ein nettes Vehikel fürs Shoppen, drollig anzuschauen, doch man war immerhin gegen das nasse englische Wetter geschützt. Und wenn der Spott vielleicht doch nicht so massiv auftrat, so lag das sicher auch daran, dass nur insgesamt 120 Exemplare gebaut wurden.

Bei der am Donnerstag gestarteten Oldtimer-Messe „Motorworld Classics Berlin“ gilt er gar als „das kleinste Auto der Welt“, wird dort vom Ausstellungspark „PS-Speicher“ aus Niedersachsen in der Sonderausstellung „Klein aber mein“ gezeigt – ein Fahrzeug mit der Produktionsnummer 1, also offenbar der allererste P50, der vom Band... obwohl, ein Auto in so kleiner Stückzahl hat man sicher einzeln in Handarbeit zusammengeschraubt.

Historische Wurzeln der Oldtimer werden präsentiert

Wie bereits in den vergangenen drei Jahren ist dies in den Messehallen am Funkturm die Zeit des alten Blechs, der Fahrzeuge, in denen der Fahrer noch sein eigenes Assistenzsystem war, wo es noch richtige Armaturenbretter statt Instrumententafeln samt Touch-Display gab, als ein Cabrioverdeck noch mehr oder weniger mühsam per Hand zusammengefaltet werden musste, während heute ein Knopfdruck genügt. Bis zum Sonntag sind die beiden Hallen zur Rechten und Linken des Haupteingangs am Hammarskjöldplatz, das sich Richtung ICC anschließende Hallenquadrat wie auch der Sommergarten für Oldtimer und automobile Raritäten reserviert. In den Sommergarten können Besitzer von Old- und Youngtimern sowie klassischen Motorrädern sogar kostenfrei einfahren und ihre Schätze zur Schau stellen. Vor allem aber zeigen nationale wie internationale Automobilhersteller ihre historischen Wurzeln, breiten Händler ihre Produkte und Dienstleistungen rund um das historische Blech aus, präsentieren Clubs ihre Kollektionen.

Zum Beispiel der 1. Brennaborverein Brandenburg a.d. Havel, der unter anderem einen Brennabor Typ R von 1926 zeigt, ein Auto mit sogar vier Rädern und 25 PS, der aber trotzdem nicht schneller war als der P50. Die einst in der Stadt Brandenburg ansässige Firma hatte die Mobilität ihrer Kunden erst durch Kinderwagen gefördert, arbeitete sich dann über Fahrräder und Motorräder auf den Automobilbau zu, mit dem man 1903 startete. In den frühen zwanziger Jahren war Brennabor der größte Autohersteller Deutschlands, führte hier als einer der ersten die Fließbandfertigung ein. Mit der Weltwirtschaftskrise begann 1929 der Niedergang. Die Autoproduktion endete 1933, nach Kriegsende wurde das Werk demontiert.

Fahren im Stile Andy Warhols

Hinter der Automobilgeschichte verbergen sich eben immer auch politische, soziale und auch Kunstgeschichte, auf der Oldtimer-Messe am eindrucksvollsten in einem BMW M1 von 1979, genauer gesagt seiner Rennversion mit 470 PS. Ein an sich schon bemerkenswertes Fahrzeug, das in Le Mans sogar den sechsten Platz erstritt, aber entscheidend ist hier nicht das unter der Motorhaube verborgene Triebwerk, vielmehr das bunte Äußere. Geschaffen hat es Pop-art-Künstler Andy Warhol, der den Wagen, wie er sagte, „im Stile eines abstrakten Impressionisten mit Feldern und Regenbogenfarben“ gestaltete. Sich Andy Warhol hinterm Lenkrad des Boliden vorzustellen, fällt allerdings schwer. Der Künstler besaß ja nicht mal einen Führerschein.

Andy Warhol – oben bei der Arbeit – steuerte die kunterbunte Bemalung eines BMW M1 bei.
Andy Warhol – oben bei der Arbeit – steuerte die kunterbunte Bemalung eines BMW M1 bei.Foto: Motorworlds Classics Berlin/Sven Wedemeyer

Aber nicht nur die Besitzer oder Liebhaber von Oldtimern und Youngtimern, also von Fahrzeugen über und knapp unter 30 Jahren Lebenszeit, werden vom ausgestellten Fahrzeugpark angelockt. Auch dessen stylisches Ambiente lockt zunehmend Menschen an, die sich im Autoverkehr dann doch lieber den Assistenzsystemen ihrer Automobile anvertrauen, die lieber sanft über den Asphalt gleiten als bei jedem kleinen Schlagloch dank beinharter Federung kräftig durchgeschüttelt zu werden.

„Ungebremst leben“, wie es der Titel von Heidi Hetzers neuem Buch verspricht, ist eben nicht jedermanns Sache. Heidis aber schon. Keine Frage, dass auch sie mit der Buchvorstellung zum Programm gehört.

Motorworld Classics Berlin, Messegelände am Hammarskjöldplatz in Charlottenburg, Freitag bis Sonntag, jeweils 9 bis 18 Uhr. Tageskarte 16 Euro, Familien-Tageskarte (zwei Erwachsene, drei Kinder) 30 Euro, VIP-Tageskarte 99 Euro

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