Oldtimer zum Mieten : Mit dem Londonbus durch Berlin

Drei Berliner haben einen alten Doppeldecker gekauft. Sie vermieten den legendären Routemaster für Partys – oder Fahrten zum See.

Johanna Lehn
Drei Berliner die einen "London Bus" als Eventbus gekauft haben (v.l.): Pablo Hirsch, Karsten Kossatz, Milan Heimbucher
Drei Berliner die einen "London Bus" als Eventbus gekauft haben (v.l.): Pablo Hirsch, Karsten Kossatz, Milan HeimbucherFoto: Mike Wolff

An Big Ben vorbei, Piccadilly Circus oder dem London Eye – das ermöglichen die berühmten roten Londoner Doppeldeckerbusse. Seit Kurzem ist eines dieser Exemplare, allerdings ein Oldtimer, zwischen Fernsehturm und Brandenburger Tor unterwegs: Drei Berliner vermieten ihn als vielseitigen Event-Bus.

Zuvor heißt es aber putzen. Mit Lappen und einem Eimer Wasser rückt das Trio dem Bus zu Leibe. Der rote Lack glänzt schon, die Scheiben sind noch schmutzig. „Es gibt drei Londonbusse in Berlin, aber unserer ist der einzige, der noch fahren kann“, sagt Milan Heimbucher, einer der Busbesitzer. Und wie kommt man darauf, sich solch einen Oldtimer zuzulegen? Sie hätten sich selbstständig machen wollen, erzählt Pablo Hirsch, der den Bus deshalb vor zwei Jahren gemeinsam mit Heimbucher kaufte.

Der Bus hat eine wilde Vergangenheit

Vor dem Kauf war der Routemaster RM2109 Cabriolet, Baujahr 1965, in Österreich unterwegs. Hier in Berlin haben Heimbucher und Hirsch ihn eine Zeit lang als Außenbar des Clubs Ipse am Kreuzberger Flutgraben eingesetzt. Nachdem sie vor einem Jahr Karsten Kossatz kennenlernten, vermieten sie den Bus auf eigene Faust: für Messen ebenso wie für Festivals oder Geburtstage, als Foodtruck oder als mobile Bar mit DJ auf dem Sonnendeck des Busses. Auch als Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt könne der Bus dienen, sagt Hirsch. Er habe schließlich eine Heizung.

Der London Bus
Der London BusFoto: Mike Wolff

Von den Sitzbänken im Unterdeck sind nur noch zwei vorhanden, denn hinter dem Fahrer befindet sich nun eine Bar: ein umfunktioniertes Klavier, das so alt ist wie der Bus. Kleine Details wie das Schild der Fahrstrecke zum „Notting Hill Carnival“ und die Kurbel der Anzeigetafel, die der Fahrer nach jedem Halt weiterdrehen musste, sind im Original erhalten.

Neben der Bar mit Wasseranschluss und Kühlschrank haben die Besitzer Strom im Bus verlegt und die Soundanlage „aufgebrezelt“, erzählt Heimbucher. Der Bus ist komplett autark. „Wenn man damit zum See fahren will, geht das klar!“, sagt Kossatz.

Es gibt keine festen Pakete zu buchen

Feste Pakete, die gebucht werden können, gibt es nicht. „Es kommt darauf an, was man sich vorstellt“, sagt Kossatz, der wie seine Compagnons Erfahrungen und Kontakte aus dem Marketing, Eventmanagement und Nachtleben gesammelt hat. Die erste Anfrage für den Bus kam vom „Feel Festival“, das Anfang Juli im Süden Brandenburgs stattfand. Spontan eine kleine Party am Landwehrkanal schmeißen, wenn es am Wochenende mal keine Anfrage für den Bus gibt, funktioniert allerdings nicht. Für eine solche Aktion müssten bereits Wochen vorher Genehmigungen eingeholt werden, sagt Heimbucher.

Einfacher seien da schon die Reparaturen, die befreundete Mechaniker übernehmen. Die Technik sei nicht sehr kompliziert, sagt Heimbucher. Nur das Fahren koste viel Kraft: Weil der Routemaster keine Servolenkung hat, „muss man sich einen Wolf drehen.“ Vielleicht haben sie ja deshalb keine Rundfahrten im Angebot.

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