Papierverbrauch der Berliner Verwaltung : Drucken Sie noch?

Die Senatsverwaltung verbraucht eine Menge Holz. Stefan Jacobs sucht Fakten und macht Faxen zum öffentlichen Druck. Eine Glosse.

Symbolbild. Stapel mit Akten liegen auf einem Schreibtisch.
Symbolbild. Stapel mit Akten liegen auf einem Schreibtisch.Foto: Stephanie Pilick/dpa

Vor langer, langer Zeit, als Bill Gates noch jung war und Konrad Zuse – ein Wilmersdorfer übrigens! – noch fit, wähnten sich die Menschen auf dem Weg ins papierlose Büro. Der Satz „Bitte denken Sie an die Umwelt, bevor Sie diese E-Mail ausdrucken!“ war noch nicht erfunden, ebenso wenig die „Digitalhauptstadt Berlin“, in der man mit dem Bot Bobbi chatten, dem Ordnungsamt seines Vertrauens eine falsch geparkte Matratze durchkabeln oder online ein Auto anmelden kann, sofern man eins hat.

Auch die AfD war damals noch nicht erfunden, und folglich auch nicht deren Abgeordneter Tommy Tabor, der kürzlich den Papierverbrauch der Senatsverwaltungen abgefragt hat. Die – interessanterweise von IT-Staatssekretärin Sabine Smentek unterzeichnete Beantwortung enthält leider keine Angaben in Kilogramm, Quadratmetern oder gar Bäumen, sondern in Euro.

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Es waren so um die 2,8 Millionen von 2010 bis 2014, wobei 2011 fehlt, weil „die Daten nicht verbindlich zurückverfolgt werden konnten“. Hat wahrscheinlich damals keiner ausgedruckt, oder der Locher war kaputt.

Seit 2014 kaufen die Senatsverwaltungen ihr Büropapier einzeln im „Webshop (IT-Selling)“ des landeseigenen IT-Dienstleistungszentrums – mit sehr unterschiedlichem Bedarf: Während die Kulturverwaltung seitdem mit 1027 Euro für 80 Kartons auskam, shoppte die Bildungsverwaltung 27 203 Kartons für 405 000 Euro. Letzteres mag Eltern erstaunen, die von der Kita ihres Kindes regelmäßig um Malpapier angeschnorrt werden, aber isso.

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Interessant ist auch, dass die Schulverwaltung für ihre Großbestellungen pro Papierkarton mehr bezahlen musste als die homöopathisch druckende Kulturverwaltung, nämlich 14,90 statt 12,85 Euro. Das Geschäftsmodell des ITDZ enthält demnach eine erzieherische Komponente, die aber nichts nützt. Immerhin sind keine echten Bäume im Spiel: Die Verwaltung darf nur zertifiziertes Recyclingpapier beschaffen.

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