Park Sanssouci : Ausflugslokal Bürgerbahnhof - Potsdams Dauerbaustelle

Der Berliner Gastronom Josef Laggner muss in Potsdam Strafe zahlen. Es geht um das Ausflugslokal Bürgerbahnhof. Ein Eröffnungstermin ist offen.

Ursprünglich sollte der Bürgerbahnhof bereits 2011 als Ausflugslokal eröffnen, seitdem sind sieben weitere Termine verstrichen.
Ursprünglich sollte der Bürgerbahnhof bereits 2011 als Ausflugslokal eröffnen, seitdem sind sieben weitere Termine verstrichen.Foto: Andreas Klaer

Der seit nunmehr sieben Jahren unfertige Bürgerbahnhof am Park Sanssouci in Potsdam hat für Eigentümer Josef Laggner finanzielle Konsequenzen. Der Finanzdezernent der Stadt, Burkhard Exner (SPD), hat gegen den aus Bayern stammenden Gastronom eine Vertragsstrafe verhängt, weil dieser seiner Sanierungsverpflichtung für das denkmalgeschützte Gebäude nicht rechtzeitig nachgekommen war.

Das bestätigte ein Stadtsprecher auf Anfrage. Zur Höhe der Geldbuße wollte er keine Angaben machen. Laggner habe die Summe jedoch „unverzüglich beglichen“, so der Sprecher.

Eine solche Sanktion hatte Exner bereits im vergangenen Sommer angedroht, weil die Sanierungsverpflichtung für den Bahnhof bis spätestens 2016 hätte erfüllt werden müssen. Fertig ist der Bürgerbahnhof bis heute nicht, ob und wann er je fertiggestellt wird, ist unklar.

Laggners Generalbevollmächtigter in Berlin war am Dienstag trotz mehrfacher Nachfrage nicht zu erreichen. Laggner selbst hatte schon seit Jahren keinen konkreten Fertigstellungstermin mehr genannt. Zuletzt hatte er lediglich und nur halb im Scherz erklärt, dass das in dem Denkmal geplante Ausflugslokal „noch vor dem BER“ eröffnen solle. Das wäre dann vor 2020.

Die Zeit drängt

Ganz so viel Zeit hat Laggner freilich nicht mehr – es sei denn, er will eine neue Baugenehmigung beantragen. Die jetzt gültige läuft nach Rathausangaben Ende Mai dieses Jahres ab. Nach brandenburgischem Baurecht müsste er dann spätestens 2019 mit den Arbeiten fertig sein. Laggner sei bereits jetzt darüber informiert worden, dass für eventuelle weitere Baumaßnahmen eine neue Baugenehmigung erforderlich sei, so die Stadt.

Warum der Bürgerbahnhof, dessen Sanierung 2011 begonnen hat, bis heute nicht fertig ist, darüber kann nur spekuliert werden. Laggner, der in Potsdam unter anderem auch das Krongut Bornstedt betreibt, hatte die Verzögerungen stets mit einer langen Liste unliebsamer Überraschungen begründet, die bei dem Projekt aufgetreten seien.

Viele Probleme und hohe Kosten

Widrigkeiten gab es in der Tat jede Menge: Die Abstimmungen mit der Denkmalpflege waren kompliziert, nach Sanierungsbeginn wurde ein so starker Schwammbefall festgestellt, dass die Fachwerkkonstruktion des 1869 errichteten ältesten Bahnhofs der Stadt fast komplett ausgetauscht werden musste, der untere Teil der Außenfassade wurde ebenfalls vollständig erneuert.

Zudem gab es Probleme mit Vandalismus und Diebstahl, Pleiten beteiligter Baufirmen hätten laut Laggner ebenfalls zu Verzögerungen geführt. Zudem musste die Baugenehmigung geändert werden, weil der Küchentrakt woanders eingebaut wurde als beantragt.

Zwei Millionen Euro hat der Gastronom nach eigenen Angaben bereits in das Vorhaben investiert, nötig sei mindestens eine weitere Million. Ursprünglich sollte der Bürgerbahnhof, den Laggner 2010 von der Stadt für einen sechsstelligen Betrag gekauft hat, bereits 2011 als Ausflugslokal mit 80 Innen- und 500 Plätzen im Biergarten eröffnen.

Doch sowohl dieser als auch sieben weitere vom Gastronom genannte Eröffnungstermine platzten. Wann auf der Baustelle zum letzten Mal gearbeitet wurde, ist unklar. Seit mindestens zwei Jahren wirkt sie weitgehend verwaist. Neben dem Lokal mit gutbürgerlicher Küche, in dem auch das im Krongut gebraute Bier ausgeschenkt werden sollte, sind in dem Gebäude ein Café, ein Zeitungskiosk und ein Blumenladen geplant.

Probleme schon vor 2011

Schon bevor ihn Laggner kaufte, stand der Bürgerbahnhof unter keinem guten Stern. Der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn drängte im Zuge der Eröffnung des benachbarten Kaiserbahnhofs als Bahn-Kaderschmiede bei der Stadt auf einen Abriss des „Schandflecks“.

Schließlich gelang es der Stadt, die Immobilie nebst Grundstück für einen symbolischen Euro von der Deutschen Bahn zu kaufen. Beinahe wäre eine Entwicklung zudem an einem historischen Garten gescheitert, den Peter Joseph Lenné dort einst angelegt hatte. Stadtkonservator Andreas Kalesse wies allerdings nach, dass dieser Garten bereits Ende des 19. Jahrhundert durch Umgestaltungen und Neubauten komplett zerstört worden war.

Probleme gibt es für Laggner auch am Krongut. Nach jahrelangem Hin und Her hat die Stadt die von ihm beantragte Aufhebung des Durchfahrtsverbots für Busse in die Ribbeckstraße nun abgelehnt. Ob er dagegen juristisch vorgehen will, war am Dienstag nicht zu erfahren.

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