Berlin : Partylunge

Stephan Wiehler

Bis gestern waren wir der Meinung, die homosexuelle Orientierung unseres Regierenden Bürgermeisters sei längst kein Thema mehr – dafür sind wir zu weltoffen, liberal und tolerant. Doch jetzt hat ein namhafter Hamburger Konzern, der sich gegen das Aussterben des Lungenkrebs engagiert, Klaus Wowereits einstiges Bekenntnis – „Ich bin schwul, und das ist auch gut so“ – aus der Mottenkiste gekramt und von den firmeneigenen Werbetextern umdichten lassen.

Mit dem Spruch: „Ich bin Raucher – und das ist auch gut so“ will das Tabakunternehmen in Berlin mit Postkarten zur Unterschriftenaktion gegen das geplante Rauchverbot in Berliner Gaststätten und Clubs aufrufen. Dazu lächelt ein junger Mann mit Blümchenhemd, Dreitagebart und Britpopfrisur, der eine qualmende Zigarette in einer lustigen Kneipenrunde in die Höhe hält. Auf der Rückseite findet die Minderheit der politisch verfolgten Raucher einen vorgedruckten Appell an den Regierenden: „Übertreiben Sie es nicht mit den Verboten! Wir wollen das Feiern weiterhin genießen!“

„Lebensfroh, liberal und bunt“ sei Berlin, heißt es auf der Karte. So soll es bleiben. Andere verfolgte Minderheiten sollten dem Beispiel folgen. Wie wäre es mit einer Aktion fürs Flatrate-Saufen: „Ich bin Alkoholiker – und das ist auch gut so.“

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