Partys bei der Berlinale : Sternennächte

Bei den Partys der Berlinale wollen alle dabei sein. Das kann das Festival allein nicht schaffen.

Wehende Schöße, elegante Mäntel, unter denen die Spitzen exquisiter Cocktailkleider hervorlugen – dieser Tage bieten die Berliner Nächte auch draußen einen betont festlichen Anblick. Im Zentrum steht die Berlinale, deren Breitenwirkung jede Menge neue Zuschauer fürs Kino generiert. Und alle wollen irgendwie dabei sein, Anteil haben am großen Glitzern. Ein Styling reicht für drei oder vier Empfänge. Mit der Berlinale als strahlendem Magneten im Mittelpunkt fangen diverse Gastgeber wie Satelliten diese Sehnsucht auch zum eigenen Nutzen auf. In der Nacht zum Samstag war die Friedrichstraße eine Art Rennstrecke für alle, die zwischen der ARD Blue Hour im Museum für Kommunikation und der „Festival Night“, zu der die Zeitschrift „Bunte“ gemeinsam mit BMW in die Gendarmerie geladen hatte, frische Luft tanken wollten. Beide Locations platzten aus allen Nähten vor lauter Andrang. Parallel fanden sich auch noch 800 Gäste ein beim Empfang des Verbandes der deutschen Drehbuchautoren in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz, bei dem Staatsministerin Monika Grütters die Goldene Lola für das beste unverfilmte Drehbuch an Visar Morina überreichte.

Nachdem er die schier endlose Schlange beim Defilé im Museum abgearbeitet hatte, fasste sich der Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens, Volker Herres, in seiner Begrüßungsansprache kurz, verwies stolz auf die 46 Koproduktionen, mit denen die ARD diesmal auf dem Festival vertreten ist, freute sich über die Anwesenheit des Teams von Babylon Berlin und wollte dann „die angeregten Gespräche“ nicht weiter stören, für die man diesen Empfang ja vor allem mache. In diesen von Champagner-Prickeln umwehten Gesprächen entstehen unmerklich neue Projekte. Produzent Stefan Arndt und seine Frau, die Vorstandsvorsitzende von X Verleih, Manuela Stehr, hat die #MeToo-Debatte angeregt, sich über die Privilegien des eigene Berufs Gedanken zu machen. Schauspielerinnen stehen in der Öffentlichkeit, aber was sei mit der kleinen Discounter-Verkäuferin, mit der Sekretärin, die sich mit ähnlichen Dingen auseinandersetzen müssen? Hier sieht er eine Aufgabe, das Thema in die Breite zu tragen. Auch was Harvey Weinstein, den Auslöser der Debatte betrifft, gibt es Erzählstoff. Nachdem er mal einen Vertrag nicht unterschreiben wollte, hat sich auch Arndt Todesdrohungen anhören müssen. Die Weinsteinsche Drohung „Ich mache dich fertig“ hat ja auch den Festivalchef selbst vor zehn Jahren veranlasst, den Kontakt abzubrechen.

Was Rang und Namen hat im deutschen Film- und Fernsehgeschäft, flanierte durch die malerische Kulisse des Museums. Ulrich Matthes hatte sogar einen aktuellen TV-Tipp dabei. Am Mittwoch im Ersten läuft „Fremder Feind“: „Mit dem waren wir schon beim Filmfestival in Venedig“, erzählte er stolz.

Derweil treffen bei der „Bunten“ Pendler und andere Filmgrößen ein. Iris Berben, Lea van Acken, Jasmin Tabatabai und Matthias Schweighöfer sind gekommen, Annabelle Mandeng stärkt sich für ihre vielen Moderationen bei der Berlinale, Klaus Meine von den Scorpions sitzt in der Nähe von Berliner Mittelständlern wie Jörg Woltmann und Sigrid Streletzki.

In der Eröffnungsnacht hatten das Magazin „Gala“ und die Ufa gemeinsam zur Berlin Opening Night ins Stue geladen, wo Chefredakteurin Anne Meyer-Minnemann und UfaCEO Noco Hofmann rund 400 Gäste begrüßten. Viele Prominente hatte es aus dem Berlinale-Palast nach Mitternacht dorthin gezogen. Glamouröse Synergieeffekte sind in diesen Tagen ein gewünschter Nebeneffekt. So viele Stars auf so engem Raum hat man sonst nie, um Geschichten aller Art zu generieren. Noch im Rollstuhl, aber nach einem Herzstillstand 2014 schon wieder arbeitsfähig, war Prominenten-Anwalt Matthias Prinz an der Seite seiner Frau Alexandra von Rehlingen in den Berlinale-Palast gekommen. Unvermutete Begegnungen gehören bei der Feier des Kinos immer dazu.

Nicht lange vor Mitternacht tauchte bei der „Festival Night“ ein besonderer Gast auf, der auch am Eröffnungsabend schon unterwegs war: Produzent Artur Brauner wird in diesem Jahr 100 Jahre alt und steht am Arm seiner Tochter Alice für all diejenigen, denen der Glamour und das kreative Kribbeln rund um das Festival zu einer Art Lebenselixier wird.

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