Pläne des Senats : Gesundheit, Berlin!

Die Gesundheitsindustrie ist die größte Branche der Region. Eine externe Kommission soll nun Wachstumschancen und Synergieeffekte für die Berliner Gesundheitsbranche benennen.

Der Bundestag - dahinter Europas größte Universitätsklinik: Die Charité gilt als Nukleus der Berliner Gesundheitsbranche.
Der Bundestag - dahinter Europas größte Universitätsklinik: Die Charité gilt als Nukleus der Berliner Gesundheitsbranche.Kai-Uwe Heinrich

Der Berliner Senat will die Gesundheitsbranche der Region stärken – und sich dazu von externen Fachleuten darüber beraten lassen, wo sich Wachstumschancen und mögliche Synergieeffekte anbieten. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller und Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (beide SPD) werden dazu am Mittwoch die Aufgaben einer Zukunftskommission „Gesundheitsstadt Berlin 2030“ vorstellen.

Vorsitzender des elfköpfigen Gremiums ist der Gesundheitsexperte und SPD-Politiker Karl Lauterbach, sein Stellvertreter soll Heyo Kroemer, Dekan der Universitätsmedizin in Göttingen, werden.

Michael Müller: vom Start-Up über Medizintechnik und Pharmaforschung zur Charité

„Die Gesundheitsbranche ist ein echtes Pfund für Berlin“, sagte Bürgermeister Müller in einem am Mittwoch erscheinenden Tagesspiegel-Interview. „In und um Berlin gibt es dahingehend fast alles – vom kleinen, vielversprechenden Start-Up über Industriebetriebe aus Medizintechnik und Pharmaforschung bis hin zur Charité.“ Das Gesundheitswesen ist die größte Branche der Region: Rund 370.000 Beschäftigte erwirtschaften dabei 25 Milliarden Euro Jahresumsatz.

Will Kliniken, Pharmafirmen und Medizintechnik in den Blick nehmen. Senatschef Michael Müller (SPD) in seinem Amtszimmer.
Will Kliniken, Pharmafirmen und Medizintechnik in den Blick nehmen. Senatschef Michael Müller (SPD) in seinem Amtszimmer.Kai-Uwe Heinrich

Die elf Kommissionsmitglieder – darunter Krankenkassenfachleute, Hochschulforscher und Pflegeexperten – sollen ermitteln, welche Forschungs- und Versorgungsschwerpunkte sinnvoll seien und wie sich Hochschulen, Krankenhäuser und Firmen besser vernetzen ließen.

Die Kommissionsmitglieder kommen nicht aus Berlin – offenbar ist der Blick von außerhalb erwünscht. Die Senatswissenschaftsverwaltung hatte die Kommission zusammengestellt.

Mehr Medizintouristen in Berlin erwartet

Der Senat hätte durchaus Steuerungsmöglichkeiten, schon weil fast die Hälfte der Krankenhauspatienten in den landeseigenen Kliniken von Vivantes und Charité versorgt werden. Vivantes ist Deutschlands größter kommunaler Klinikkonzern, die Charité ist Europas größte Universitätsklinik. Dazu kommen Pharmafirmen und Medizintechnik-Hersteller, die sich zunehmend in und um Berlin ansiedeln.

Immer mehr Touristen kommen auch wegen medizinischen Eingriffen nach Berlin.
Immer mehr Touristen kommen auch wegen medizinischen Eingriffen nach Berlin.Ismar/dpa

Zudem lassen sich in Berlin mehr als 21.000 Patienten aus dem Ausland pro Jahr behandeln. Die Wirtschaftsförderer von Berlin Partner schätzen nach Tagesspiegel-Informationen, dass Medizintouristen der Stadt bald bis zu 200 Millionen Euro Jahresumsatz bringen werden.

Dank mitreisender Angehöriger entfielen davon rund 30 Millionen Euro auf Hotellerie und Handel. Zusätzliche Gelder dürften hinzukommen, wenn der Ruf der Stadt als Gesundheitsmetropole zu mehr internationalen Investitionen führt.

Um die Branche soll es auch beim Fachforum Gesundheitswirtschaft gehen, das ebenfalls am Mittwoch dieser Woche im Tagesspiegel-Gebäude stattfindet. Erwartet werden neben Bürgermeister Müller, Gesundheitsstaatssekretär Boris Velter (SPD), Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und Michael Vassiliadis, Chef der Chemiegewerkschaft IG BCE.

Dass die Gesundheitsbranche wächst, spüren auch die Krankenhäuser der Stadt. Sie versorgen schon wegen des anhaltenden Zuzuges nach Berlin immer mehr Patienten. Nach den Jahren der Sparpolitik mehrerer Senatskoalitionen fordern sie mehr Geld, um alte Technik zu ersetzen und marode Gebäude zu sanieren.

Gesetzlich sind die Bundesländer verpflichtet, Bauten und Ausstattung derjenigen Kliniken zu finanzieren, die für die Landesversorgung als notwendig gelten. Das Klinikpersonal und die Medikamente bezahlen die Krankenkassen.

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