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Plattformen fürs Homeschooling : Berlins Schulverwaltung hat vom digitalen Lernen keinen Plan

Mit welcher Konferenzsoftware und welchen Lernplattformen arbeiten Berlins Schulen? Das wollte die FDP wissen. Die Bildungsverwaltung bleibt Antworten schuldig.

Freud und Leid am Küchentisch: digitaler Unterricht in der Coronakrise (Symbolbild).
Freud und Leid am Küchentisch: digitaler Unterricht in der Coronakrise (Symbolbild).Foto: imago images/photothek

Was passiert in den Schulen, wenn eine zweite Corona-Welle kommt? Diese Frage nach einem „Plan B“ treibt Schulen, Eltern und Parlamentarier um, seitdem der Senat die vollständige Schulöffnung nach den Ferien beschlossen hat.

Erste Antworten liegen jetzt vor. So lautet eine der zentralen Ansagen, dass Klassen nicht mehr gedrittelt oder geviertelt, sondern nur noch halbiert werden müssten. Ansonsten sei an die Erfahrungen anzuknüpfen, die die Schulen in den vergangenen Monaten mit dem digitalen Lernen gemacht hätten. Aber welche sind das? Mit welchen Lernplattformen und welchen Konferenzsystemen wurde gearbeitet?

Das wollte die FDP-Abgeordnete Maren Jasper-Winter per parlamentarischer Anfrage wissen. Aus der Antwort, die dem Tagesspiegel exklusiv vorliegt, geht allerdings hervor, dass die Bildungsverwaltung keinen Überblick hat: „Eine Erfassung der Nutzung von Konferenz-Software und (Lern-)Plattformen an den allgemeinbildenden Schulen erfolgt durch Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie nicht“, schreibt Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers (SPD).

Eine derartige Übersicht gebe es nur für die beruflichen Schulen. In der gesamten Antwort findet sich auch kein Hinweis darauf, dass die Verwaltung eine derartige Abfrage plane.

Die FDP-Bildungsexpertin findet diese Auskunft befremdlich: „Es steht in den Sternen, wie der Senat die Digitalisierung der Schulen vorantreiben möchte, wenn er nicht weiß, ob und wie die allgemeinbildenden Schulen Videokonferenzsysteme und digitale Lernmittel nutzen“, sagt Jasper-Winter. Der Senat dürfe die Eigenständigkeit der Schulen nicht als Argument nutzen, um sich „aus dem Change-Prozess, den die Schulen durchmachen müssen“, herauszuziehen.

FDP: „Homeschooling kann so nicht funktionieren“

Wenn Berlin für weitere Wellen der Pandemie oder andere Situationen, in denen Homeschooling genutzt werden muss, gewappnet sein wolle, müsse der Senat „mit Hochdruck“ die Schulen unterstützen, fordert die Freidemokratin. „Erschreckend“ sei es zudem, dass die Lehrer über keine dienstlichen Geräte und nicht über dienstliche Mailadressen verfügten: „Homeschooling kann so nicht funktionieren“, steht für Jasper-Winter fest.

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Dass die Bildungsverwaltung keinen Überblick darüber hat, welche Lernplattformen die Schulen benutzen, verwundert Berlins Schulleiter allerdings: „Wir mussten darüber Mitte Mai ausführlich Auskunft geben“, berichteten mehrere Schulleiter auf Anfrage. Dem Vernehmen nach wurden diese Umfragen aber nicht in allen Bezirken gemacht.

Jasper-Winter will sich damit nicht zufriedengeben. Das Parlament habe das Recht, Antworten zu bekommen, betonte sie. Möglicherweise wisse in der Verwaltung „die eine Hand nicht, was die andere tut“.

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