"Das Publikum auf dem Hermannplatz hat sich sehr verändert"

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Platz da! : Folge 13: Der Hermannplatz

Er hat sich in Absprache mit Polizei und Ordnungsamt Rat von einer Expertin für städtebauliche Kriminalprävention geholt. Auf ihre Empfehlung hin stehen die Stände seit Januar nicht mehr in engen Reihen in der Mitte des Platzes, sondern ringsherum mit der Rückwand zur Straße. So hat man auf Anhieb den ganzen Platz im Blick. „Das gibt ein Gefühl der Sicherheit“, sagt Perske. „Es war nicht leicht, die Händler zu überzeugen, aber jetzt gehen ihre Umsätze wieder in die Höhe.“ Außerdem hat der Marktbetreiber die maroden Bänke vorerst entfernt. An fünf bis sechs Tagen die Woche ist jetzt Markt – anstatt an vier. In dieser Zeit gilt die Marktordnung: Kein Alkohol und keine Fahrradfahrer.

Jens Lange setzt die Regeln durch. Der 31-Jährige, ein schmaler, ruhiger Läufertyp, patroulliert an jedem Markttag über den Platz – in Jeans, eleganten Lederschuhen und offenem Hemd überm T-Shirt. „Eine andere Art Sicherheitsdienst, nicht so aufgepumpt, kein Schrank in schwarzer Uniform, der Aggressionen provoziert“, erklärt Perske. Lange bittet Radfahrer höflich abzusteigen. Und studentische Touristen fragt er nett auf Englisch, ob sie bitte ihre Bierflasche entsorgen könnten.

Neue Ideen für den Hermannplatz

Der Hermannplatz
Blick auf den Hermannplatz in Neukölln: In der heutigen Gestaltung existiert er seit 1985 - seinen Namen bekam er aber 100 Jahre früher. Er ist nach Hermann, dem Cheruskerfürsten benannt.Alle Bilder anzeigen
1 von 7Foto: Mike Wolff
31.05.2012 11:29Blick auf den Hermannplatz in Neukölln: In der heutigen Gestaltung existiert er seit 1985 - seinen Namen bekam er aber 100 Jahre...

„Das Publikum auf dem Hermannplatz hat sich sehr verändert“, sagt Jens Lange, der in Neukölln aufgewachsen ist. „Seit Kurzem kommt öfter eine Frau her, die mit Tai-Chi-Vorführungen Werbung für ihre Kurse in der Nähe macht. Und Studenten breiten Picknickdecken aus.“ Rainer Perske will sich noch um einen Café-Stand kümmern, so dass man neben der Skulptur des Tanzenden Paares Cappuccino trinken kann. „Aber alles nur als Zwischennutzung“, sagt er. „Schließlich will der Bezirk den Platz komplett umbauen.“

Schon 2009 kündigte Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) den Umbau des Hermannplatzes an – für 2012. Der Fußgängerbereich soll auf die südöstliche Seite verschoben, alle Fahrspuren auf die nordwestliche Seite vor die Karstadt-Filiale verlegt werden. Zehn Millionen werde das kosten, hatte der Baustadtrat 2009 geschätzt. Ein wichtiges Vorhaben. „Die Verkehrsknotenpunkte an den beiden Enden des Platzes sind die Unfallschwerpunkte im Bezirk Neukölln“, sagt Blesing. Das soll sich durch den Umbau ändern.

Doch jetzt, im Jahr 2012, ist weit und breit nichts davon zu sehen. Fragt man Blesing, warum nicht, hört man eine lange Erklärung über die „notwendige Verschiebung nach hinten.“ Er spricht über die Finanznöte des Bezirks, schwierige Absprachen mit der Senatsverwaltung, Lärm- und Umweltgutachten, Investitionspläne und die ebenfalls schwierige Kooperation mit dem Nachbarbezirk Kreuzberg, der ja immerhin unmittelbar an den Hermannplatz grenze und für die Einmündungen des Kottbusser Damms und der Urbanstraße zuständig sei. Immerhin sei die Sache furchtbar teuer. Allein der Umbau der Ampeln koste eine Million. „Schwierig, schwierig, schwierig“ sei das alles. Immerhin: Im nächsten, noch nicht vom Abgeordnetenhaus abgesegneten Haushaltsplan des Bezirks sei der Baubeginn für 2015 vorgesehen.

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