Berlin : Platz genug

Vier Hotels wollen als „Hotel Alliance Berlin“ neue Tagungsgäste zum Potsdamer Platz locken

Regina-C. Henkel

Um den Potsdamer Platz als „attraktive Meeting Destination“ noch erfolgreicher zu machen, haben sich Ritz-Carlton, Grand Hyatt und Marriott sowie das Maritim in der Stauffenbergstraße zu einer Allianz zusammengeschlossen. Als „Hotel Alliance Berlin Potsdamer Platz“ bieten sie ihre Tagungs- und Kongresskapazitäten jetzt gemeinsam an. Die Partnerschaft soll den Blick internationaler Meetingplaner gezielt auf den Potsdamer Platz lenken – und dadurch zusätzliche Veranstaltungen in die Stadt locken. Doch kann die Kooperation das leisten? Brancheninsider und Tourismusexperten sind skeptisch.

Dabei ist der Zusammenschluss gut überlegt: Jedes einzelne der Fünf- und Vier-Sterne-Hotels zeichnet sich durch seine ganz spezielle Architektur und Atmosphäre, seine Bettenzahl, seine Besonderheiten im Service, in der Gastronomie oder auch der Preisgestaltung aus. Bei Kongressen und Veranstaltungen freilich spielt noch eine andere Größe eine Rolle: die Tagungskapazität. Jedes Hotel für sich hat zwar die technische Ausstattung und auch das Personal für anspruchsvolle Meetings. Aber bei Anfragen für Veranstaltungen mit mehreren Tausend Teilnehmern scheiterten Zusagen oft an den Raumgrößen oder an der geringen Zahl von Parkplätzen. Inzwischen ist das Geschichte. Als Kunde der Allianz sollen Meetingplaner jetzt Könige sein. Ein Anruf genügt, und alles Weitere machen die vier Partnerhäuser am Potsdamer Platz unter sich aus. Immerhin verfügen sie nun über eine stattliche Zahl von 88 – mit allen Raffinessen ausgestatteten – Konferenzräumen. So stehen in der Summe gut 10 500 Quadratmeter Veranstaltungsfläche zur Verfügung. Mehr als 5000 Personen können gleichzeitig tagen, konferieren oder auch feiern. Ein weiteres Plus ist nach Aussage von Hyatt-Sprecherin Kerstin Riedel, dass mit den gemeinsamen Catering-Kapazitäten auch Veranstaltungsorte außerhalb der Hotels versorgt werden können: Die Neue Nationalgalerie beispielsweise ist für Empfänge buchbar (bis zu 1200 Personen), die Arena Treptow für Dinner (bis zu 5000 Personen) oder der U-3-Bahnhof und U-3-Tunnel am Potsdamer Platz für ausgefallene Veranstaltungen (maximal 5000 Personen). „Damit bietet die Allianz Komplettlösungen an“, sagt Hotelsprecherin Riedel, „die Partner sind deshalb zuversichtlich, im Rahmen der Allianz zusätzliche Großveranstaltungen in Berlin zu generieren.“

Das ist eine Perspektive, die auch Hanns Peter Nerger, Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM), gefällt. Nach seiner Einschätzung werde der Zusammenschluss „sicherlich dazu beitragen, den sehr guten Ruf bei nationalen wie internationalen Meetingplanern weiter zu festigen und auszubauen sowie zusätzliche Tagungen und Kongressveranstaltungen nach Berlin zu ziehen“.

Sehen die Meetingmanager das genauso? Willi Kausch, Geschäftsführer der Kongress Incentive Association Management Group (Berlin), ist skeptisch. Veranstaltungen für 5000 Personen rangieren seiner Aussage nach „im internationalen Meetinggeschäft unter ferner liefen“. Der jüngste Welt-Aids-Kongress beispielsweise habe rund 20 000 Teilnehmer nach Toronto gelockt. „Da reden nicht nur die Hotels mit, sondern geht die ganze Stadt oder Region ins Rennen.“

Das weiß auch Ursula Luchner-Brock. Die Branchenkoordinatorin Tourismus bei der Industrie- und Handelskammer Berlin ist ebenfalls skeptisch: Nur wenige Veranstaltungen in der Stadt haben gleich mehrere tausend Teilnehmer. Gleichwohl sieht Luchner-Brock in den „ja eigentlich auch nicht kleinen Veranstaltungen mit bis zu 5000 Besuchern“ eine gute Chance für die Hotel Alliance Berlin Potsdamer Platz, zusätzliche Gäste zu gewinnen und Umsatzzuwächse zu erreichen.

Weitere Informationen unter:

www.hotelalliance-berlin.com

www.destination-budapesterstrasse.de

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