Platzverweis für Hertha BSC : Wird das neue Stadion in Brandenburg gebaut?

Weil der Senat Berlins größtem Fußballclub einen Neubau verwehrt, sucht der Verein eine neue Heimat. Das Nachbarbundesland lockt mit freien Flächen.

Eine Variante des Stadionbaus, wie ihn der Klub schon vor den Toren Berlins plante.
Eine Variante des Stadionbaus, wie ihn der Klub schon vor den Toren Berlins plante.Simulation: Hertha BSC

Der Senat hat die Pläne von Hertha BSC, am Rand des Olympiaparks ein Fußballstadion zu bauen, am Dienstag beerdigt. Stattdessen rollt jetzt Brandenburg dem Bundesligaverein, der 2025 aus dem Olympiastadion ausziehen will, den roten Teppich aus.

„Hertha BSC ist in Brandenburg herzlich willkommen“, sagte der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), selbst Fan des Vereins, dem Tagesspiegel. „Unser Angebot steht. Wir würden uns freuen, wenn Hertha sich dafür entscheiden sollte.“

Schon als sich der Erstligist 2016 im Umland umschaute, hatte sich Woidke für einen Stadionbau in der Mark eingesetzt. Im Gespräch waren damals Standorte bei Oranienburg, im Europarc Dreilinden und bei Ludwigsfelde.

Selbst ins Spiel gebracht hatten sich auch die Landeshauptstadt Potsdam und Werder (Havel). Woidke verwies auf eine funktionierende, gute Infrastruktur, eine schöne Umgebung und zehntausende Hertha-Fans in Brandenburg. Nach seinen Worten ist es auch international längst gang und gäbe, dass Großstadien nicht mehr mitten in die Stadt gebaut werden.

Bundesliga-Fußball in Brandenburg?

Brandenburgs CDU-Partei- und Fraktionschef Ingo Senftleben würde es ebenfalls begrüßen, wenn der Verein sein neues Stadion nun doch in Brandenburg baut. Auch er ist großer Fußballfan. „Bundesliga-Fußball in Brandenburg – das kann dem Land nur gut tun“, sagte er am Dienstag. Falls sich Hertha BSC und die Stadt Berlin das vorstellen könnten, wäre ein Stadion im Nachbarland durchaus eine Option.

Märkische Kommunen sollten nun erneut ihr Interesse signalisieren. Die gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg würde so ein Vorhaben allerdings blockieren, sagte Senftleben, der bei einem Gewinn der Landtagswahl im September den Landesentwicklungsplan neu verhandeln will.

Voran ging die Suche nach alternativen Standorten in Berlin

Schon vor einem halben Jahr hatten Sportpolitiker der rot-rot-grünen Koalition in Berlin alternative Standorte für eine eigene, privat finanzierte Fußballarena von Hertha BSC ins Spiel gebracht, weil sich damals schon andeutete, dass der vom Verein favorisierte Standort im Olympiapark schwierig zu realisieren ist.

Allerdings ging es dabei um Orte innerhalb des Berliner Stadtgebiets. So schlug beispielsweise der SPD-Abgeordnete Dennis Buchner das Flughafengelände in Tegel vor, auf dem ab 2021 ein Forschungs- und Industrie-Campus entstehen soll. Der Verein selbst hatte schon 2016 ein Gutachten in Auftrag gegeben, um mögliche Standorte für das neue Stadion zu erkunden.

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Mit dem Ergebnis, dass von 52 untersuchten Orten nur das Olympiagelände im Westen Berlins und der „Brandenburg Park“ bei Ludwigsfelde übrig blieben. Eine Umsiedlung ins Nachbarland stieß aber bei den Hertha-Mitgliedern auf entschiedenen Widerstand. Unmöglich wäre ein Ortswechsel jedoch nicht. Auf einer Mitgliederversammlung von Hertha BSC im November 2017 erreichte der Antrag, Berlin als Heimatort des Vereins in der Satzung festzuschreiben, nicht die notwendige Mehrheit.

Klaus Teichert ist gegen Denkverbote

Im Gespräch mit dem Tagesspiegel hatte sich der Hertha-Stadionmanager Klaus Teichert im vergangenen Jahr gegen Denkverbote ausgesprochen. „Es geht schließlich um ein Stadion, das 50 bis 60 Jahre halten soll, dann wird es hoffentlich keine Rolle mehr spielen, dass die Stadtgrenze einst zwischen West und Ost verlief“, sagte er damals. Notfalls müsse der Verein gegenüber seinen Mitgliedern noch mehr Überzeugungsarbeit leisten. Das wird jetzt vielleicht nötig.

Trotzdem mag sich sogar der S-Bahnchef Peter Buchner nicht vorstellen, dass Hertha BSC Berlin verlassen könnte. „Einen so günstigen Standort wie am Olympiastadion gibt es keinen zweiten in der Region“, sagte er am Dienstag. Der S-Bahnhof mit seinen Sonderbahnsteigen könne 40 000 Menschen pro Stunde bewältigen, es sei der größte S-Bahnhof Deutschlands. „Das tut uns weh“, kommentierte Buchner die Entscheidung von Rot-Rot-Grün.

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