• Polizei ermittelt in Berlin-Spandau: Mann verteilte süchtig machendes Opioid an Schülerin

Polizei ermittelt in Berlin-Spandau : Mann verteilte süchtig machendes Opioid an Schülerin

Polizeieinsatz an einer Schule in Spandau: Eine Schülerin verteilte Tabletten - ein süchtig machendes Schmerzmittel. Sie soll es von einem Bekannten haben.

Pillen mit dem Schmerzmittel Oxycodon.
Pillen mit dem Schmerzmittel Oxycodon.Foto: John Moore/AFP

Am Montag soll ein Mann Tabletten mit dem Wirkstoff Oxycodon an eine Minderjährige verteilt haben, mehrere Schüler einer Spandauer Schule klagten über Übelkeit und Erbrechen. Oxycodon ist ein synthetisches Opioid und ein verschreibungspflichtiges Schmerzmittel – und es kann schnell süchtig machen.

Das Mittel ist verwandt mit Heroin, wirkt nach dem gleichen Prinzip, aber deutlich stärker und schneller als Morphin, wodurch zu Euphorie-Schüben kommen kann. Es fällt in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz.

Bei der sogenannten Opioid-Epedemie in den USA spielte Oxycodon eine zentrale Rolle, seit 1999 sind in den USA mehr als 165.000 Menschen durch semi-synthetische Opioide wie die Schmerzmittel Hydrocone und Oxycodone ums Leben gekommen.

Der Wirkstoff es ist auch dafür bekannt, dass es bei vielen Abhängigen auch der Einstieg in die spätere Heroin-Sucht sein kann. Bekannt ist auch: Auch NS-Diktator Adolf Hitler ließ sich das Mittel verabreichen.

Die Leiterin der Spandauer Schule alarmierte am Montagmittag die Polizei und die Feuerwehr. Denn vier Schülern im Alter von 13 und 14 Jahren war übel, sie klagten über Erbrechen. Die vier Schüler mussten in Krankenhäuser gebracht werden, sie wurden noch am selben Abend aus den Kliniken entlassen.

Das Schmerzmittel Oxycodon - hier Tabletten eines US-Herstellers.
Das Schmerzmittel Oxycodon - hier Tabletten eines US-Herstellers.Foto: REUTERS/George Frey

Nach den ersten Erkenntnissen der Polizei soll eine 13-Jährige die Tabletten unter ihren Mitschülern verteilt haben. Ein Mann soll ihr die Tabletten auf dem Weg zur Schule gegeben haben, es soll sich um einen Bekannten handeln. Jetzt wird wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz ermittelt. Die 13-Jährige ist zwar strafunmündig, die Ermittlungen richteten sich aber auch gegen sie, hieß es.

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Im Sommer hatte der Bezirk Marzahn-Hellersdorf davor gewarnt, dass bereits unter 11- bis 14-Jährigen Ecstasy konsumiert werde. Die Droge sei gezielt an Kinder und Jugendliche verkauft worden - und das zu äußerst günstigen Preisen, hieß es.

Oxycodon - so gefährlich ist das Schmerzmittel:

Oxycodon ist stark schmerzlindernd und dockt direkt im zentralen Nervensystem an. 1919 wurde es erstmals zur Therapie von Schmerzen genutzt. Bereits seit 1929 ist es in Deutschland nur auf Betäubungsmittelrezept zu haben, zwischen 1990 und 1998 war hierzulande kein Präparat im Handel.

Durch laxere Vorgaben für Verschreibungen in den USA entwickelten sich Abhängigkeiten - bis hin zur Opioid-Epidemie mit Tausenden Toten durch Überdosen jedes Jahr. In Deutschland waren bei etwa der Hälfte der 1276 Drogen-Todesfälle 2018 Opioid-Überdosierungen im Spiel.

In Deutschland gelten mehrere Hunderttausend Menschen als Opioid-süchtig. In einem Fachbeitrag der „Deutsche Apotheker Zeitung“ zu Oxycodon heißt es, bereits einige Wochen Einnahmen „können ausreichen, um nach dem Absetzen körperliche Symptome ähnlich denen einer schweren Grippe hervorzurufen“.

Laut dem Drogen- und Suchtbericht 2019 der Bundesdrogenbeauftragten haben 1,7 Prozent der Erwachsenen hierzulande in ihrem Leben mindestens einmal Opioide konsumiert. „Bei Jugendlichen liegen die Prävalenzen so niedrig, dass statistische Aussagen zu Tendenzen beim Konsum nicht sinnvoll sind“, hieß es.

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