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Berlin-Lichtenberg : Polizei fasst Drogendealer auf Freigang

Vier Kilo Marihuana fanden Polizisten im Kofferraum eines 28-Jährigen. Pikant: Der Mann war ein alter Bekannter.

Polizei im Einsatz (Symbolbild).
Polizei im Einsatz (Symbolbild).Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Einen spektakulären Ermittlungserfolg machten in der Nacht auf Freitag bei einer Verkehrskontrolle eingesetzte Polizeibeamte in Berlin-Lichtenberg. Sie stellten nach einer kurzen Verfolgungsjagd durch den Bezirk, die an der Kreuzung Weißenseer Weg/Konrad-Wolf-Straße endete, nicht nur einen 28-jährigen Mann mit vier Kilogramm Marihuana im Kofferraum. Der Mann, bei dem aufgrund der ebenfalls bei ihm gefundenen Mobiltelefone und einer vierstelligen Bargeldsumme der Verdacht nahe liegt, dass er im Drogenhandel aktiv ist, saß zudem eine Haftstrafe im offenen Vollzug ab.

 Wegen Drogenhandel verurteilt

Diese Informationen des Tagesspiegels bestätigte die Pressestelle der Polizei auf Nachfrage. Weitere Angaben zu dem Fall und zu Hintergründen der Verurteilung des Mannes wollten die Beamten mit Verweis auf die Justizbehörden nicht machen.

Sebastian Brux, Sprecher der Senatsverwaltung für Justiz, gewährte weitere Einblicke in den Fall. Demnach war der Mann ebenfalls wegen Betäubungsmitteldelikten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt worden. Diese hatte er im Februar angetreten, im März gab es die erste Lockerung der Haftbedingungen in Form von Tagesausgängen. Diese seien ohne Beanstandung geblieben, wie Brux berichtete. Weil sich der 28-Jährige im offenen Vollzug bewährt habe, habe es bereits einen Langzeitausgang gegeben, so Brux, der zur Dauer dieses Ausgangs keine Angaben machte. Zu guter Letzt sei dem Mann eine Anstellung vermittelt worden, die dieser zum 1. November angetreten hatte und die - bei beschwerdefreier Ausübung - zu einer früheren Haftentlassung hätte führen können.

Fahrer bleibt flüchtig

Daraus wird nun nichts. Der Mann ist unmittelbar nach seiner Festnahme in den geschlossenen Vollzug verbracht worden. Ihn erwartet ein weiteres Strafverfahren und damit eine deutlich längere Freiheitsstrafe. 

In derselben Nacht hatten sich Polizeibeamte auch in Marzahn eine Verfolgungsjagd mit einem flüchtigen Autofahrer geliefert. Dieser trat im Angesicht einer Verkehrskontrolle aufs Gaspedal und kam erst durch den Zusammenprall mit einem Stromkasten zum Stehen. Der Fahrer des mit falschen Kennzeichen versehenen Fahrzeugs flüchtete zu Fuß weiter und entkam, nach ihm wird nun gefahndet.

Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Berlin, nahm die beiden Fälle zum Anlass, für mehr Verkehrskontrollen zu werben. "Man sollte sich fragen, warum jemand die Dreistigkeit besitzt, vier Kilo Gras durch die Gegend zu fahren. Dann wird man schnell feststellen, dass der Kontrolldruck in den letzten Jahren aufgrund des Personalmangels bei der Polizei nicht groß genug ist", so Jendro. Es sei zwar wichtig, gegen Raser und Profilierungsfahrer vorzugehen, das allein reiche aber nicht aus. "Wenn wir uns anschauen, was so alles in den Kofferräumen verstaut und auf dem Fahrersitz platziert ist, müssen wir feststellen, dass es definitiv mehr Verkehrskontrollen braucht."