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Berlin-Plötzensee : Jugendlicher Intensivtäter kehrt nach Freigang nicht zurück

Ein Intensivtäter aus dem Jugendvollzug in Plötzensee ist seit Montag nicht zurückgekehrt. In Wittenau war ein Patient aus dem Maßregelvollzug entflohen.

Die Justizvollzugsanstalt Plötzensee.
Die Justizvollzugsanstalt Plötzensee.Foto: Paul Zinken/dpa

Am vergangenen Montag ist ein 18-jähriger Intensivtäter aus dem Jugendvollzug in Plötzensee entwichen und seither auf der Flucht. Das bestätigte die Justizverwaltung am Donnerstag. Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) gerät nun wegen der erneuten Falls unter Erklärungsdruck. Erst im Dezember waren vier Häftlinge aus der JVA Plötzensee geflohen, fünf andere aus dem offenem Vollzug nicht zurückgekehrt. Inzwischen sind alle wieder hinter Gittern.

Im aktuellen Fall ist der 18-Jährige am Montag vom genehmigten Freigang im offenen Vollzug nicht zurückgekehrt, erklärte Behrendts Sprecher. Der Gefangene sei wegen mehrerer Delikte, etwa wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung, zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Die endet im Juli 2019, weshalb er sich mittlerweile im offenen Vollzug befand, um eine Ausbildung zu machen.

Der offene Vollzug sei zur Resozialisierung der Gefangenen ein sinnvolles Element, sagte der Sprecher. Und: „Es ist uns wichtig, die Menschen auf ein straffreies Leben in Freiheit vorzubereiten.“ Dazu gehöre eben auch, den Gefangenen eine Ausbildung zu ermöglichen und sie an das Leben in Freiheit zu gewöhnen.

"Behrendt trägt die volle Verantwortung"

Der Jugendstrafvollzug in Plötzensee liegt in direkter Nachbarschaft zur Justizvollzugsanstalt Plötzensee, aus der Ende Dezember vier Häftlinge entflohen waren. Die Opposition sieht deshalb in dem Verschwinden des 18-jährigen Insassen des Jugendvollzugs ein erneutes Versagen der Justizbehörde.

Holger Krestel, rechtspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, bemängelt, die Senatsverwaltung für Justiz habe erst am Mittwoch, nachdem der Vorfall durch die „B.Z.“ publik geworden war, reagiert – obwohl der 18-Jährige bereits seit Montag nicht zurückgekehrt ist. „Dafür trägt Senator Behrendt die volle Verantwortung“, sagte Krestel. Er gehe weiter davon aus, dass im Fall des 18-Jährigen eine zu günstige Sozialprognose gestellt worden ist, mit der er überhaupt erst in den offenen Vollzug gelangen konnte. „Justizverwaltung kann so nicht funktionieren, der Regierende Bürgermeister muss endlich eingreifen“, sagte Krestel.

Resozialisierung durch offenen Vollzug

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter warb der Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) für die Resozialisierung im Rahmens des offenen Vollzugs. „So schaffen wir mehr Sicherheit für die Berlinerinnen und Berliner“, schrieb er. Pro Jahr werden in Berlin rund 200 000 Lockerungen in verschiedenen Stufen genehmigt. Das ist die Gesamtzahl aller Genehmigungsvorgänge, pro Gefangenem kann es mehrere Lockerungen geben. In rund 90 bis 100 Fällen pro Jahr wird die Straflockerung missbraucht, indem die Gefangenen nicht oder nicht freiwillig zurückkehren.

Neben dem 18-Jährigen aus dem Jugendvollzug in Plötzensee ist ebenfalls am Montag ein 31-jähriger Mann aus dem Maßregelvollzug in Wittenau entwichen. Er war mit anderen Patienten und einem Pfleger im Rahmen eines begleiteten Ausgangs in einem Supermarkt, als er seine Chance ergriff und davonrannte. Das bestätigte der Sprecher der zuständigen Senatsverwaltung für Gesundheit, Christoph Lang. Der Mann ist seit 2009 im Maßregelvollzug, der begleitete Ausflug sollte zur langsamen Wiedereingliederung in die Gesellschaft dienen. Er meldete sich jedoch bereits am Montagabend wieder zurück, seine Lockerung wurde gestrichen

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikel hieß es, der 18-Jährige sei aus der JVA Plötzensee entwichen. Tatsächlich ist er Insasse der benachbarten Jugendvollzugsanstalt.

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