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Einsatz an Michendorfer Rastplatz : 23-jähriger Deutscher soll in die Psychiatrie

Er drohte am Rastplatz Michendorf mit einem Sprengstoffanschlag, stach auf einen Polizeihund ein. Die Staatsanwaltschaft hält ihn für gefährlich.

Wegen eines Polizeieinsatzes ist die A10 in der Nacht zwischen Ferch und Michendorf in beide Fahrtrichtungen gesperrt worden.
Wegen eines Polizeieinsatzes ist die A10 in der Nacht zwischen Ferch und Michendorf in beide Fahrtrichtungen gesperrt worden.Foto: Paul Zinken/dpa

Nach dem Großeinsatz der Polizei wegen einer Attentatsdrohung auf dem Rastplatz Michendorf an der A10 hat die Staatsanwaltschaft Potsdam die Unterbringung des Täters in einer Psychiatrie beantragt. Die Staatsanwaltschaft halte den 23 Jahren alten Deutschen für derart gefährlich, dass eine Unterbringung zum Schutz der Allgemeinheit erforderlich sei, sagte ein Behördensprecher dem Tagesspiegel am Mittwoch.

Es lägen dringende Gründe dafür vor, dass der Mann, der im Land Brandenburg wohnhaft sei, die Tat "im Zustand der Schuldunfähigkeit oder der verminderten Schuldfähigkeit" begangen habe, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam. Der Mann leide nach den bisher durchgeführten Ermittlungen an einer schweren psychischen Erkrankung. Deshalb habe die Staatsanwaltschaft die einstweilige Unterbringung am Mittwochnachmittag beantragt.

Über den Antrag muss ein Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Potsdam befinden. Ein Entscheidung war am Mittwoch nicht absehbar, damit wird am Donnerstag gerechnet. Der Mann sei der Polizei bislang nicht durch Straftaten aufgefallen, hieß es. Eine politisches Motiv für die Tat schließen die Ermittler aus. Das genaue Motiv und der Auslöser für die Tat sind weiter unklar.

Das Verhandlungsteam des brandenburgischen Landeskriminalamtes (LKA) war nach den stundenlangen Verhandlungen auf dem Rastplatz in der Nacht zu Dienstag zu dem Ergebnis gekommen, dass sich der Mann in einer psychischen Ausnahmesituation befand. Auch die Staatsanwaltschaft geht nach aktuellem Ermittlungsstand nun davon aus: Die Hinweise sind offenbar so gravierend, dass sich die Behörde zu diesem Schritt, der ein weitgehender Grundrechtseingriff ist, entschieden hat.

Der 23-Jährige konnte bislang nicht vernommen werden. Nachdem Beamte des Brandenburger Spezialeinsatzkommandos auf ihn geschossen haben, musste er operiert werden und liegt weiter im Krankenhaus.

Die Polizei war am Montagabend um 22.38 Uhr per Notruf darüber informiert worden, dass auf dem Rastplatz Michendorf Süd – in Fahrtrichtung Frankfurt (Oder) – ein Mann mit einer Waffe stehe. Die Polizei löste einen großen Einsatz aus, rund hundert Beamte, darunter auch aus Berlin, waren beteiligt. Das Brandenburger SEK rückte mit dem für Anti-Terror-Einsätze entwickelten Panzerfahrzeug „Survivor“ an, auch die Verhandlungsgruppe des Landeskriminalamtes wurde hinzugezogen.

Das gepanzertes Sonderschutzfahrzeug der Brandenburger Polizei "Survivor" ist für Anti-Terror-Einsätze konzipiert.
Das gepanzertes Sonderschutzfahrzeug der Brandenburger Polizei "Survivor" ist für Anti-Terror-Einsätze konzipiert.Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Die Beamten nahmen Kontakt mit dem Mann auf. Er hielt mehrfach ein Gewehr im Anschlag, richtete es auf die Polizisten und das nahegelegene Revier der Autobahnpolizei. Lautstark erklärte der Mann, dass seine Waffe scharf sei und er einen Sprengstoffgürtel umgebunden habe.

Und der Mann warnte: Er beabsichtige viele Menschen zu töten, würde sich in die Luft sprengen oder von den Polizeibeamten erschießen lassen, sollten sie sich nähern. Nach mehreren Stunden konnten die Beamten den Mann um 4.10 Uhr überwältigen.

Dazu setzten die Beamten einen sogenannten Zugriffshund des Berliner SEK ein. Der 23-Jährige stach aber mit einem Messer auf den Hund ein, daraufhin feuerten die SEK-Beamten auf den Mann, um ihn zu stoppen.

Beamte des hessischen Spezialeinsatzkommandos (SEK) demonstrieren eine Festnahme mithilfe ihres Zugriffhundes.
Beamte des hessischen Spezialeinsatzkommandos (SEK) demonstrieren eine Festnahme mithilfe ihres Zugriffhundes.Foto: Arne Dedert/dpa

Auch der Diensthund wurde durch die Messerattacke im Kopfbereich schwer verletzt. Er musste notoperiert werden und hat überlebt, erklärte eine Polizeisprecherin. Ob der Diensthund namens „Bass“ nach der Messerattacke jemals wieder seinen Dienst aufnehmen wird, blieb unklar. Es handelt sich um einen Malinois, eine Zucht von belgischen Polizeihunden. 

Nach dem Einsatz stellte die Polizei fest, dass es sich bei dem Gewehr des Mannes um ein Imitat handelt. Auch Sprengstoff wurde bei den 23-Jährigen nicht gefunden. Die Autobahn musste für den Einsatz zwischen den Anschlussstellen Ferch und Michendorf mehrere Stunden voll gesperrt werden. Der Rastplatz blieb noch bis zum Dienstagmittag gesperrt.

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