Homophober Angriff in Kreuzberg? : "Niemand ist hier sicher"

Ein 37-Jähriger erhebt Vorwürfe gegen einen Kellner, der ihn beleidigt und angegriffen haben soll. Die Polizei prüft, ob der Vorfall homophob motiviert war.

Polizei im Einsatz (Symbolbild).
Polizei im Einsatz (Symbolbild).Foto: Patrick Pleul/dpa

Beleidigt, attackiert, verletzt und geschlagen: Die Vorwürfe, die der Kunde eines Kreuzberger Restaurants gegen einen Mitarbeiter des "Maroush" erhebt, wiegen schwer. Für das Opfer ist klar: Der Angriff hat einen homophoben Hintergrund. Der Restaurantchef stellt den Vorfall jedoch ganz anders dar.

In einem Facebook-Post schilderte der 37-jährige Gast die Ereignisse. Am vergangenen Samstag habe er mit einem Freund das Restaurant in der Adalbertstraße 93 besucht. Auf Arabisch habe er um ein Sandwich ohne Gewürzgurken gebeten, daraufhin aber ein Brot erhalten, das ausschließlich mit Gurken belegt worden war. Auf die Bitte um ein neues Sandwich habe der Kellner aggressiv reagiert und ihn aufgefordert, das Restaurant zu verlassen. Zudem habe der Mitarbeiter ihn als unmännlich beleidigt und gesagt, er würde den Mann daher nicht bedienen wollen.

Als der Kunde daraufhin drohte, die Polizei zu verständigen, seien die Beleidigungen nach Aussage des Opfers weiter eskaliert. Der Mann habe daraufhin das Restaurant verlassen. Der Kellner sei ihm jedoch gefolgt und habe ihn auf offener Straße attackiert und verletzt.

Während der Attacke habe der Freund des Angegriffenen versucht, den Kellner von seinem Begleiter abzubringen. Auch zwei Passanten hätten dabei geholfen, während andere Personen unbeteiligt zugesehen hätten. Als die Polizei bereits alarmiert war, habe der Maroush-Mitarbeiter weiterhin gedroht, den Verletzten anzugreifen, schrieb dieser weiter.

Wie der 37-Jährige schrieb, habe die Polizei schließlich seine Aussage sowie die seines Freundes und des Kellners entgegengenommen. Er schloss seinen Post mit der Aussage, weitere queere Bekannte seien in dem Restaurant schon verbal attackiert worden. Niemand sei dort sicher. Das Opfer postete auf Facebook mehrere Fotos, die Verletzungen am Arm und auf der Brust zeigen und von dem Vorfall stammen sollen.

Restaurantchef wehrt sich gegen Vorwurf

Der Restaurantbesitzer, der sich zwei Tage nach dem Vorfall auf Facebook selbst zu Wort meldete, stellt den Vorfall jedoch ganz anders dar. Dass ein Mitarbeiter dem Essen des 37-Jährigen etwas hinzugefügt habe, was dieser nicht gewünscht hatte, sei ein Versehen gewesen. Der Gast sei jedoch überzeugt gewesen, dass es sich um Absicht gehandelt habe. Auf die Entschuldigung des Kellners habe der Mann mit einer Beleidigung reagiert.

Dass sich die angeblich sexuelle Beleidigung gegen die verstorbene Mutter des Kellners richtete, habe den Kellner gekränkt, woraufhin er mit dem Kunden sprechen wollte. Nach Aussage des Restaurantbesitzers habe der 37-Jährige jedoch entschieden, die Polizei zu rufen, und den Restaurantbesitzer als homophob beschimpft. Dabei habe niemand gewusst, dass der Mann homosexuell sei.

Hintergrund des Vorfalls muss nun geklärt werden

Der Berliner Polizei liegen nun zwei Anzeigen vor: Gegen den Kunden hat der 34-jährige Mitarbeiter des "Maroush" Anzeige wegen Beleidigung erstattet. Indes hat der 37-Jährige den Kellner wegen Körperverletzung angezeigt. Die Polizei hat beide Sachverhalte aufgenommen und prüft nun, ob es sich um einen homophob motivierten Vorfall handelt.

Auf Facebook hatten am Mittwoch einige Personen zu einem Flashmob in der Adalbertstraße aufgerufen, um gegen Homophobie die Stimme zu erheben. Der Aufruf war jedoch am Mittwochnachmittag öffentlich nicht mehr auffindbar.