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Minderjährige Fans sexuell missbraucht? : Youtuber „Yo Oli“ in Berlin vor Gericht – ohne Öffentlichkeit

Der 25-Jährige aus Berlin soll drei minderjährige Mädchen sexuell missbraucht haben. Zum Schutz der Teenager wird hinter verschlossenen Türen verhandelt.

Junus W., der als "Yo Oli" in den sozialen Medien bekannt wurde.
Junus W., der als "Yo Oli" in den sozialen Medien bekannt wurde.Quelle: Twitter / Screenshot: Tagesspiegel

Unter großem Andrang hat vor dem Berliner Landgericht der Prozess gegen Youtuber Junus W., im Netz bekannt als „Yo Oli“, begonnen. Der 25-Jährige soll drei Mädchen, damals 13, 14 und 16 Jahre alt, sexuell missbraucht haben.

Verhandelt wird an diesem Mittwoch hinter verschlossenen Türen. Noch vor Verlesung der Anklage schloss die zuständige Jugendstrafkammer am Mittwoch die Öffentlichkeit aus – zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der jugendlichen Geschädigten, begründete das Gericht.

So plump zeigte sich der 25-Jährige in den sozialen Medien.
So plump zeigte sich der 25-Jährige in den sozialen Medien.Quelle: Twitter / Screenshot: Tagesspiegel

Der 25-Jährige aus Berlin soll die Fans jeweils unter dem Vorwand, mit ihnen ein Video für einen seiner Social-Media-Kanäle drehen zu wollen, in sein Auto gelockt haben. Laut Ermittlungen sei er mit ihnen zu entlegenen Parkplätzen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen gefahren, wo er die Mädchen missbraucht habe. Er soll zum Teil Mietwagen genutzt und diese mit einer Matratze präpariert haben.

Im Oktober hatte die Staatsanwaltschaft Berlin Anklage gegen ihn erhoben. Fünf mutmaßliche Taten in der Zeit von Februar bis Juni 2019 werden dem sogenannten Influencer zur Last gelegt. Die Anklage lautet auf sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, Freiheitsberaubung sowie Körperverletzung.

Junus W. war am 19. Juni festgenommen worden. Einen Monat später kam er frei – unter anderem unter der Auflage, sich von den sozialen Medien fernzuhalten. Weil er dagegen verstoßen haben soll, befindet er sich seit dem 13. August wieder in Untersuchungshaft.

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Die drei mutmaßlichen Opfer sollen sich wegen seiner Bekanntheit in Netz auf „Yo Oli“ eingelassen haben. Sie sollen sich mit dem 25-Jährigen getroffen haben, weil sie – wegen seiner Bekanntheit - auf einen gemeinsamen Dreh für ein Video mit ihm hofften, erläuterte die Staatsanwaltschaft zuletzt. Über Social-Media-Kanäle hätten sich die Schülerinnen mit dem Mann verabredet.

„Yo Oli“ hatte seit mehreren Jahren umstrittene Videos veröffentlicht. Zu sehen war in seinen „Prankvideos“, wie er junge Mädchen auf der Straße anspricht und – oft nach einem Spiel – küsst und anfasst.

Auf seinen Videos und Fotos ist er mit Geldscheinen in der Hand, mit seinem Auto und mit Mädchen zu sehen. Dazu rappt er prahlerisch: „Sie kommen von alleine.“ Von sich selbst spricht er dabei stets als „der Boy“ oder „der King“. Als Youtube den Kanal von „Yo Oli“ löschte, machte er bei Instagram und Snapchat weiter.

Ob sich W. nun zu den Vorwürfen äußern wird, blieb zunächst offen. Für den Prozess sind acht Verhandlungstage bis zum 20. Dezember geplant. Das Urteil werde öffentlich sein, sagte der Vorsitzende Richter.

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