Tödliche Schüsse auf dem Tempelhofer Feld : Mörder von Nidal R. noch immer nicht gefasst

Vor zwei Jahren wurde der 36-jährige Berufskriminelle R. erschossen. Weiterhin ist einer der spektakulärsten Morde der Berliner Clanszene nicht aufgeklärt.

Zahlenschilder signalisieren Spuren, die von Polizisten an einem Zugang zum Tempelhofer Feld an der Oderstraße sicher gestellt wurden.
Zahlenschilder signalisieren Spuren, die von Polizisten an einem Zugang zum Tempelhofer Feld an der Oderstraße sicher gestellt...Foto: Paul Zinken/dpa

Einer der spektakulärsten Morde der vergangenen Jahre in der Berliner Clanszene ist weiterhin nicht aufgeklärt. Zwei Jahre nachdem der bekannte Berufskriminelle Nidal R. am 9. September 2018 am Tempelhofer Feld erschossen wurde, sind die Täter immer noch nicht gefasst.

Natürlich werde in dem Fall weiter ermittelt, aber es gebe derzeit nichts Neues, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Mehrere Männer lauerten dem 36-jährigen Nidal R., der Polizei als Wiederholungstäter mit Beziehungen zu arabischstämmigen Clans bekannt, am Rande Neuköllns auf - zwischen flanierenden Familien und spielenden Kindern.

Um 17.40 Uhr läuft ein Mann auf ihn zu, schießt achtmal und trifft ihn mehrfach. Der Schütze und mindestens zwei andere Männer flüchten über das Tempelhofer Feld zu einem Auto und rasen davon. Das Auto wird eine Nacht später brennend gefunden. Der angeschossene Nidal R. wird ins Krankenhaus gebracht, wo er stirbt.

Dutzende erregte Männer aus arabischstämmigen Familien versammeln sich noch in der gleichen Nacht vor dem Krankenhaus. Die Beerdigung wird zu einem Aufmarsch arabischstämmiger Großfamilien und organisierter Kriminalität. 2000 Männer erscheinen auf dem Friedhof. Auf Fotos sind die Oberhäupter bekannter Clans zu erkennen.

Spekulationen über die Täter

Es gibt viele Spekulationen über die Täter. Nidal R. soll bei einer großen Hochzeitsfeier einen anderen bekannten Kriminellen beschimpft und zusammengeschlagen haben. Dessen Familie soll Rache geschworen haben.

[In unseren Leute-Newslettern berichten wir wöchentlich aus den zwölf Berliner Bezirken. Die Newsletter können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Wochen nach dem Mord werfen Cousins des Toten eine Handgranate in eine Shisha-Bar in Kreuzberg. Die Explosion zerstört die Einrichtung. Im Prozess sagen die Angeklagten, sie hätten „etwas tun“ und ein „Zeichen“ setzen wollen. Es habe Gerüchte gegeben, in denen ein Mitbesitzer der Bar an den Schüssen beteiligt gewesen sein soll.

In der Neuköllner Szene und auch bei der zuständigen Mordkommission im Landeskriminalamt wisse man daher genau, wer die Täter sind, heißt es. Aber offenbar gibt es nicht genug Beweise, die für eine Festnahme oder gar eine Anklage reichen. (dpa)