Tödlicher Unfall mit Polizeiauto : Die Parkplätze in der Grunerstraße verschwinden

Am Montag starb eine Autofahrerin, als sie die Parkplätze auf der Mitte der Grunerstraße ansteuern wollte. Derzeit wird die Straße umgestaltet.

Einen dieser Parkplätze wollte die 21-Jährige am Montag ansteuern. Dabei wurde sie von einer Funkstreife gerammt.
Einen dieser Parkplätze wollte die 21-Jährige am Montag ansteuern. Dabei wurde sie von einer Funkstreife gerammt.Foto: Jörn Hasselmann

Links ein großer Parkplatz, rechts ein Parkhaus – und dennoch sind die Stellplätze auf dem Mittelstreifen der Grunerstraße in Mitte begehrt. Am Montagmittag starb hier eine 21-Jährige, die mit ihrem Kleinwagen eine Parklücke ansteuerte. Nach übereinstimmenden Zeugenaussagen wollte sie dazu von ganz rechts kommend die vierspurige Straße queren. Als sie fast die Parklücke erreicht hatte, wurde sie seitlich von einem Polizeiauto gerammt, dass mit „Sonder- und Wegerechten“ aus dem Grunertunnel kam und Richtung Potsdamer Platz wollte. Sicher ist, dass die Streife das Blaulicht anhatte. Offen ist, ob auch das Martinshorn eingeschaltet war, das akustisch für freie Fahrt sorgen soll. Oft wird dieses erst vor Kreuzungen eingeschaltet, um den Querverkehr zu warnen.
Dem Vernehmen nach fuhr die Streife schneller als 50 Stundenkilometer – was hinter dem Grunertunnel eher normal ist. Kürzlich hat die Polizei hier ein Auto mit Tempo 90 geblitzt.
Die Bremsspuren sind an der Unfallstelle nicht auf dem Asphalt zu sehen, der Blaulicht-Opel krachte dem Kleinwagen offenbar ungebremst in die Seite. Bitter ist, dass sich der Einsatzanlass – ein „gegenwärtiger Raubüberfall“ – als Falschmeldung erwies. Dies war auch 1993 so, bei dem bislang schrecklichsten Unfall mit einem Polizeiauto: Zwei Kinder starben auf der Schlossbrücke, als ein Streifenwagen mit Tempo 75 ins Schleudern gerät.

Markierungen der Polizei an der Unfallstelle.
Foto: Jörn Hasselmann

Nach diesem Unfall wurden alle Streifenwagen mit Datenschreibern ausgestattet, es ist also dokumentiert, wie schnell der Wagen am Montag war. Wie zu hören war, wird dieser Unfall polizeiintern zu einer neuen Sensibilisierungskampagne führen. Letztlich müssen Beamte trotz eingeschalteter Sirene zur Vermeidung von Gefahren ständig bremsbereit sein.

Keine Ampel auf 600 Metern

Ein leitender Beamter im Präsidium stellte aber auch die Frage, ob die rechtwinklig auf dem Mittelstreifen angelegten Parkplätze optimal seien. Tatsächlich ist in Grunerstraße und Mühlendamm vom Tunnel bis zur Breiten Straße fast jeder Quadratmeter fürs Parken markiert. Teilweise gibt es nicht einmal zehn Zentimeter Sicherheitsabstand zur Fahrbahn: Wer aus der Parklücke stößt, ist sofort im schnellen Verkehr.
Eine Stunde Mittelstreifen kostet zwei Euro, das Parkhaus der Rathaus-Passagen und der Privatplatz gegenüber kosten nur halb so viel. Zum doppelten Preis kommt noch das lebensgefährliche Überqueren der Grunerstraße hinzu. Zwischen dem Alexa und der Spandauer Straße gibt es auf 600 Metern keine Ampel. Zuletzt wurde hier 2013 ein Mann getötet, der zu Fuß die vielen Spuren überwinden wollte. Die Straße ist kaum berechenbar, da die mittleren vier Spuren aus und in den Tunnel führen, die äußeren daran vorbei. Lücken im dichten Verkehr gibt es kaum.
Wer sich eine Viertelstunde an der Grunerstraße postiert, sieht regelmäßig gefährliche Situationen – von Autos die in eine Lücke wollen und deshalb wenden oder quer über die Fahrbahnen fahren – oder von Passanten, die zu ihren Autos auf dem Mittelstreifen rennen.

Am Kaiserdamm wird in der Mitte schräg geparkt

Eine ähnliche Anordnung der Parkplätze auf dem Mittelstreifen gibt es auf der ebenso stark befahrenen Ost-West-Achse Kaiserdamm / Bismarckstraße in Charlottenburg. Aus Platzgründen müssen Autos hier schräg parken, was aus Sicht der Polizei sicherer ist. Dem widersprach ein Autofahrer: „Ich fahre da wegen der Ausparker nie auf der linken Spur.“ Günstiger ist die Situation in der Karl-Marx-Allee zwischen Alexanderplatz und Strausberger Platz. Hier gibt es auf dem extrem breiten Mittelstreifen eine zusätzliche Spur, über den die Stellplätze zu erreichen sind. Der Bezirk wollte die Autos weghaben und den Mittelstreifen begrünen. Dies scheiterte am Protest der Autofahrer.
In der Grunerstraße werden die Parkplätze dagegen verschwinden. Bekanntlich wird der Molkenmarkt völlig umgebaut, die Grunerstraße zwischen Spandauer und Littenstraße dafür schmaler und an die Rathausseite verlegt. Der schmale Mittelstreifen wird begrünt, erste vorbereitende Arbeiten haben gerade begonnen. Auf dem Mühlendamm zwischen Breiter und Spandauer Straße verschwinden die Parkplätze für die geplante Straßenbahn.