Zollfahnder machen Rekordfund : 670 Kilogramm Heroin in Brandenburg sichergestellt

Es ist die größte entdeckte Einzelmenge in Deutschland: Drogenfahnder finden in einem LKW 670 Kilogramm Heroin.

Besonders süßer türkischer Honig: 670 Kilogramm Heroin befanden in kleineren Päckchen unter dem Honig.
Besonders süßer türkischer Honig: 670 Kilogramm Heroin befanden in kleineren Päckchen unter dem Honig.Foto: Paul Zinken/dpa

Unter Packungen mit türkischem Honig lagen 532 Kartons versteckt, darin rund 670 Kilogramm Heroin, aufgeteilt in Einzelpakete von 1,3 Kilogramm und vorgesehen für den EU-Markt. Bundespolizei und Zoll haben in Brandenburg die größte jemals in Deutschland gefundene Heroin-Menge entdeckt. Auch dem Bundeskriminalamt (BKA) ist kein größerer Fund bekannt.

Wird das Heroin wie üblich für den Verkauf gestreckt, ergäbe die Ware mehr als zwei Millionen Verkaufseinheiten. Der Straßenverkaufswert dafür liegt bei bis zu 50 Millionen Euro. Dieser Fund rage aus allem heraus, sagte der Chef des Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg, Oliver Pampel-Jabrane. „Etwas Vergleichbares haben wir bislang nicht feststellen können.”

Der Lastwagen mit der Schmuggelware war bereits am 31. Mai auf der A12 in Richtung Berlin unterwegs, wie das Zollfahndungsamt und die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) am Dienstag mitteilten. Bundespolizisten entdeckten und stoppten den Lkw in den Mittagsstunden bei Fürstenwalde. Weil der Sattelauflieger mit einer Zollplombe versehen war, rückten auch Zollbeamte an. Der Lkw wurde zu einer Röntgenanlage des Zoll geschleppt und dort untersucht.

Noch nie wurde in Deutschland eine so große Menge Heroin beschlagnahmt.
Noch nie wurde in Deutschland eine so große Menge Heroin beschlagnahmt.Foto: Reuters

Die Fachleute der Behörde entdecken dann im Unterbau des Sattelaufliegers „Unregelmäßigkeiten“. Bei der Durchsuchung stießen die Ermittler schließlich auf die Heroin-Kartons. Beschriftet waren sie mit „Turkish Delights“, als Inhalt wurden also Süßigkeiten vorgetäuscht.

Behörden vermuten eine türkisch-niederländische Bande hinter dem Schmuggel

Die Ermittler vermuten, dass die Ware aus Afghanistan stammt und von Kirgisistan aus nach Belgien und in die Niederlande gebracht werden sollte. Die Route des Lkw führte über Kasachstan, Russland, Weißrussland, Litauen, Polen und endete dann hinter der deutsch-polnischen Grenze.

Der Hinweis auf den groß angelegten Schmuggel kam von den Behörden in den Niederlanden, die schon seit geraumer Zeit einer türkisch-niederländischen Bande auf der Spur ist. Erst im Mai waren in den Niederlanden 172 Kilogramm Heroin sichergestellt worden. Auch das Bundeskriminalamt wurde im aktuellen Fall eingeschaltet.

Der türkische Fahrer gibt an, nichts von der Ware gewusst zu haben

Das sichergestellte Heroin wurde mit Hubschraubern zur BKA-Zentrale in Wiesbaden geschafft, wo es näher untersucht werden soll. Der türkische Lkw-Fahrer, der angab, von der heißen Ware nichts gewusst zu haben, sitzt in Untersuchungshaft.

Für die Ermittler überraschend ist auch, dass Heroin in solchen Mengen über die deutsch-polnische Grenze geschmuggelt wird. Aus Afghanistan stammende Ware wird meist über die Balkanroute nach Deutschland und in die Niederlande geliefert – auch zu den Überseehäfen. Von einem Trend zur so genannten Nordroute, also Polen, wollten die Ermittler aber nicht sprechen.