Polizist soll Taxifahrer geschlagen haben : Vorwurf gegen Berliner SEK-Beamten

Am 27. Juli soll ein betrunkener 32-Jähriger einen Taxi-Fahrer geschlagen haben. Später wird klar: Es handelt sich um einen SEK-Beamten.

Taxis (Symbolbild).
Taxis (Symbolbild).Foto: dpa

Gegen einen Beamten eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) werden schwere Vorwürfe erhoben – und in der Berliner Polizei soll versucht worden sein, den Fall zu deckeln. Der hat sich vor zwei Wochen zugetragen, auch die Polizei bestätigt, dass ein entsprechender Sachverhalt vorliege. Es geht um eine Gewalttat. Zuerst hat die „B.Z.“ darüber berichtet.

Am Abend des 27. Juli soll der Beamte am Potsdamer Platz in ein Taxi gestiegen und betrunken gewesen sein. Der 32-Jährige wollte zur Knesebeckstraße in Charlottenburg. Am Ende soll es über die genaue Route zum Streit gekommen sein. Als der Taxifahrer kurz nach 22 Uhr anhielt, soll der Beamte aus dem Auto gestiegen sein – ohne zu bezahlen.

Der Fahrer ist 70 Jahre alt, fährt nachts Taxi, weil er das Geld braucht. Er forderte vom Polizisten die Taxigebühr, es soll um 17 Euro gegangen sein. Schließlich soll der Polizist dem 70 Jahre alten Fahrer hart gegen die Brust geschlagen haben. Dann soll er zu Fuß geflüchtet sein, in seinem Wagen verfolgte der Taxifahrer den Mann.

Die Polizei wurde alarmiert, ein Streifenwagen stoppte den Angreifer etwa 500 Meter vom Tatort entfernt. Er kam in die Gefangenensammelstelle, ihm wurde Blut für den Alkoholtest abgenommen. Die Kriminalpolizei wurde hinzugezogen, der 70-Jährige vernommen. Die Beamten stuften den Fall als Raubdelikt ein.

Eine räuberische Erpressung?

Als klar wurde, dass es sich beim Tatverdächtigen um einen SEK-Beamten handelt, kam auch das Lagezentrum der Polizei ins Spiel. Dort soll nach Tagesspiegel-Informationen der zu dieser Zeit im Dienst befindliche ranghöchste Chef entschieden haben, dass der Vorwurf herabgestuft werden soll – von einem Raubdelikt zu einer Körperverletzung. Da war der Fall schon im Polizei-Datensystem Poliks erfasst: als räuberische Erpressung.

Es ist auch ein für besondere Vorkommnisse übliches Fernschreiben an die Dienststellen der Polizei laut einer Sprecherin abgesetzt worden – von der Direktion gleich nach Tat, allerdings ohne einen Hinweis, dass es sich um einen SEK-Beamten handelte. Zu dieser Zeit ging das örtliche Raubkommissariat davon aus, dass es den Fall weiter bearbeitet.

Man habe sich unglücklich ausgedrückt, so eine Polizeisprecherin

Doch dem Kommissariat wurde der Fall schnell entzogen. Es konnte gar nicht erst prüfen, ob sich alles so zugetragen hat, wie es der Taxifahrer schilderte. Oder ob es ganz anders gewesen sein kann. Stattdessen lag der Fall einen Tag später beim Kommissariat 341 des Landeskriminalamtes, es ist zuständig für „Straftaten von Berliner Polizeibediensteten“. Ermittelt wird wegen des Vorwurfs der räuberischen Erpressung.

Zu all dem wollte sich die Polizei zunächst nicht äußern. Gegenüber der „B.Z.“, die mehrere Tage auf eine Antwort warten musste, verwies die Pressestelle an die Staatsanwaltschaft. Doch dort ist der Fall, der schon zwei Wochen zurückliegt, noch nicht eingegangen. Dabei ist die Staatsanwaltschaft die sogenannte Herrin des Verfahrens.

Am Freitag erklärte eine Polizeisprecherin, man habe sich unglücklich ausgedrückt. „Es ging aber nicht darum, den Fall zu verschleiern oder einen Kollegen zu decken.“ Es habe zunächst wegen widersprüchlicher Aussagen geklärt werden müssen, welche Tatbeteiligung beim Taxifahrer und SEK-Beamten vorliege. Sie sagte zudem: „Es gab diesen Vorfall.“ Am Freitag konnte die Polizei nichts darüber sagen, ob der Beamte weiter im Dienst ist oder ob ihm die Dienstgeschäfte untersagt sind.

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