Prenzlauer Berg : Pankows Bürgermeister Benn steht plötzlich im Rampenlicht

Der Berliner Bezirksbürgermeister war bis vor Kurzem noch ein Unbekannter - bis er auf Alexander Dobrindts Prenzlauer-Berg-Bashing antwortete. Doch wer ist Benn?

Der Politiker Sören Benn (Die Linke) lädt Dobrindt in den Prenzlauer Berg ein.
Der Politiker Sören Benn (Die Linke) lädt Dobrindt in den Prenzlauer Berg ein.Foto: dpa

Als Berliner Bezirksbürgermeister kann man durchaus auch außerhalb der Hauptstadt Schlagzeilen machen. Heinz Buschkowski (SPD) etwa, bis 2015 erster Mann im Neuköllner Rathaus, mischte sich gern und oft ein, wenn in Deutschland über Integration und Jugendkriminalität debattiert wurde. Schließlich war und ist sein Bezirk eine Art Praxislabor für den gesellschaftlichen Wandel. Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel machte als grüner Hardliner von sich reden, weil er Obdachlosencamps im Tiergarten räumen ließ.

Den Namen Sören Benn hingegen kannten selbst in Berlin wohl nur wenige – bis dem Linken-Politiker, der seit Oktober 2016 in Pankow regiert, jetzt der Kragen platzte. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hatte in einem Essay geschrieben, „Deutschland ist nicht der Prenzlauer Berg, aber der Prenzlauer Berg bestimmt die öffentliche Debatte.“ Es war nicht das erste Mal, dass Dobrindt mit Prenzlauer-Berg-Bashing öffentlich auffiel. Benn reagierte mit einem Beitrag für „Die Welt“, in dem er ansetzt, Dobrindts Vorurteile geradezurücken und den CSU–Politiker zum Anschauungsunterricht bei einem Latte Macchiato in den Szene-Kiez einlädt.

Ein interessanter Lebenslauf

Benn selbst ist alles andere als ein Szenegewächs vom Kollwitzplatz. Der 49-Jährige stammt aus Kyritz im heutigen Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Er ist also ein Kind aus der Provinz. Und wie viele Ostdeutsche hat er einen interessanten Lebenslauf. Benn war schon Baufacharbeiter, Schauspieler und Sozialpädagoge. Vor dem Wechsel ins Pankower Rathaus arbeitete er für die Linksfraktion als Referent für Wirtschaft und Verkehr im Abgeordnetenhaus.

Politisiert wurde er durch den Nato-Einsatz im Kosovo und die Hartz-IV-Gesetze, wie er im Wahlkampf erklärte. Beides lehnte er strikt ab. Klassisch linke Positionen vertritt Benn nun auch als Bürgermeister. Gegen Luxussanierungen und Gentrifizierung hat auch er allerdings bisher kein Rezept gefunden. Vielleicht kann Dobrindt ihm da einige Ratschläge geben. Denn trotz des hohen Mietpreisniveaus soll München beim Milieuschutz durchaus Erfolge haben.

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