Privater Betreiber eröffnet Altersklinik : Marzahn altert schnell

Gesundheitssenatorin Dilek Kolat begrüßt neue Geriatrie-Klinik im Berliner Osten. Arona versorgt auch Patienten aus dem nahem Unfallkrankenhaus Berlin.

Gut 30 Millionen Euro hat der Neubau der Geriatrie-Klinik in Marzahn gekostet.
Gut 30 Millionen Euro hat der Neubau der Geriatrie-Klinik in Marzahn gekostet.Foto: promo

Wenn an diesem Freitag im beschaulichen Biesdorf die Klinik für Altersmedizin eröffnet, wenn also Ärzte und Pflegekräfte, Lokalpolitiker und Anwohner am Blumberger Damm diesen 30-Millionen- Euro-Neubau begehen, dann werden sich ausgerechnet die Fachkräfte einer anderen Klinik über diesen Mitbewerber freuen. Im nahen Unfallkrankenhaus Berlin, dem stadtweit bekannten UKB, werden im Jahr mehr als 100.000 Patienten versorgt – darunter viele Senioren.

Von diesen älteren Patienten wiederum befreien die UKB-Ärzte etwa 2000 zwar von ihren dringendsten Leiden, die betagten Männer und Frauen sind nach der Behandlung aber altersbedingt immer noch gebrechlich, ja zu anfällig, um umstandslos nach Hause geschickt zu werden. Bislang werden solche Patienten in andere, oft weiter entfernte Kliniken gebracht. Dort aber gibt es nicht immer die nötigen Fachleute, beispielsweise Demenzexperten. Dem UKB käme die neue Klinik, die vom Privatunternehmen Arona betrieben wird, also recht.

Die neue Klinik liegt mitten in Biesdorf am Blumberger Damm.
Die neue Klinik liegt mitten in Biesdorf am Blumberger Damm.Foto: Bartel, Krohn/Tsp

„Gerade im Hinblick auf die immer älter werdende Bevölkerung ist die Einrichtung einer Altersklinik wie in Marzahn-Hellersdorf grundsätzlich zu begrüßen“, sagte auch Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD). „Der Bedarf steigt aber natürlich in allen anderen Bezirken genauso. Das wird in den neuen Krankenhausplan 2020 eingearbeitet und sinnvoll aufeinander abgestimmt.“

Bis 2030 dürfte sich in Berlin die Zahl der plus 80-Jährigen von 180 000 auf 260 000 erhöhen

Die neue Klinik wurde schon, das hatte noch Kolats Vorgänger Mario Czaja (CDU) durchgesetzt, in den Krankenhausplan aufgenommen. Die Betreiber haben so Anspruch auf staatliche Mittel für Bau und Technik. Auch Günther Jonitz, gerade im Amt bestätigter Chef der Berliner Ärztekammer, sagte, er begrüße die neue geriatrische Klinik in Assoziation mit dem UKB.

Senatseigenen Prognosen zufolge dürfte sich die Zahl der plus 80-Jährigen in Berlin bis 2030 von derzeit 180 000 auf 260 000 erhöhen. Besonders Marzahn-Hellersdorf altert schnell. Von den gesetzlichen Krankenkassen heißt es allerdings, ein „Solitärprojekt“ wie in Biesdorf sei nicht zeitgemäß – gerade Senioren bräuchten neben Geriatrieärzten andere Fachmediziner für eine angemessene Behandlung.

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