Pro & Contra : Asphalt statt Pflastersteine

Ohne Pflastersteine hätten die Chaoten am 1. Mai keine Wurfgeschosse, meint Stephan Wiehler. Eine Asphaltierung sei eine Kapitulation vor der Gewalt, denkt hingegen Klaus Kurpjuweit. Was denken Sie? Ist Asphalt die Lösung zu den Übergriffen am 1. Mai? Diskutieren Sie mit.

Stephan Wiehler

Pro



Heraus zum 1. Mai, hereinspaziert in die Kreuzberger Krawallzone – die Steine gibt’s gratis am Wegesrand. Mitzubringen hat der Randalereisende lediglich einen stabilen Schraubenzieher, um die Wurfgeschosse aus dem Pflaster zu lösen. Ist der erste Stein heraus, sind die restlichen mit der bloßen Hand zu greifen – und die alljährliche Straßenschlacht kann beginnen. Kreuzbergs Pflastersteine sind die gefährlichsten Waffen der gewalttätigen Eintagsrevolutionäre, und es ist ein Wunder, dass im ziellosen Hagel auf Polizisten und unbeteiligte Myfest-Besucher in mehr als 20 Krawalljahren noch niemand zu Tode gekommen ist. Noch mehr verwundert es deshalb, dass die aufgerissenen Löcher im Pflaster nach jedem Maikrawall wieder sauber geschlossen werden. Denn leichter als ihnen die faustgroßen Steine griffbereit zu Füßen zu legen, kann man es den zur Gewalt entschlossenen Randalierern kaum machen. Das traditionelle Pflaster hat darum aus dem Hauptkampfgebiet der autonomen Szene und ihrer Mitläufer zu verschwinden – möglichst bevor das erste Todesopfer zu beklagen ist. Es mag ein paar Jahre dauern, bis die kleinen Steine flächendeckend durch schwere Gehwegplatten ersetzt sind. Kurzfristig könnten die Kreuzberger schon mal ein Flaschen- und Glasverbot auf ihrem Kiezfest und in anliegenden Läden verhängen, um den Straßenkämpfern die Bewaffnung weiter zu erschweren. Stephan Wiehler

Lesen Sie auf der nächsten Seite das Contra von Klaus Kurpjuweit


Contra



So weit kommt’s noch. Weil Chaoten Pflastersteine herausreißen und damit um sich werfen, denken einige darüber nach, die Gehwege in Kreuzberg asphaltieren zu lassen. Eine Kapitulation vor der Gewalt, zum Nachteil des Stadtbilds. Es hat gute Gründe, dass sich Berlin das sogenannte Bernburger Pflaster leistet. Es sieht besser aus als eine vollständig versiegelte Fläche, und es lässt den Regen leichter in die Erde eindringen. Zudem kann es bei einem Schaden schnell ausgebessert werden. Sich hier der Gewalt zu beugen, die sich bisher auf einen einzigen Tag im Jahr konzentriert, wäre fatal. Und würde nicht viel bringen. Wer Steine auf Menschen wirft, ist hirnlos. Und solche Typen würden sich dann andere Wurfgeschosse besorgen, seien es wiederum Steine, die dann mitgebracht werden, oder auch Flaschen. Wer sein Hirn ausschaltet, ist auch durch Asphalt nicht zu bremsen. Es würde reichen, es den Steinewerfern schwerer zu machen. Schadhafte Stellen im Pflaster, wo sich schnell weitere Steine herausbrechen lassen, könnten wenigstens vor dem immer wiederkehrenden 1. Mai ausgebessert werden. Und aufs Lagern von Steinen an Baustellen könnte man um diese Zeit auch verzichten. Einladungen zum Werfen muss man nicht aussprechen. Aber das soll es dann auch sein. Das Geld für ein großflächiges Asphaltieren lässt sich an unzähligen anderen Stellen sinnvoller ausgeben. Das Pflaster soll bleiben! Klaus Kurpjuweit  

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