Seite 2 von 2
PRO & CONTRA : Soll es in Krankenhäusern Raucherzimmer geben?

CONTRA

Dass manch Berliner Raucher gerne auch im Krankenhaus ein Raucherzimmer hätte, überrascht nicht. Aber ausgerechnet der Präsident der hiesigen Ärztekammer, Günther Jonitz, hat nun so eine Qualmkabine gefordert. Seine Argumente dafür sind dünn. Da ist der klassische Versuch der Relativierung, nach dem Motto: „Natürlich ist Rauchen nicht gesund, aber in der Kälte zu frieren, doch sicher auch nicht.“ Stimmt schon. Nur ist vor Berlins Kliniken noch kein Patient erfroren. Dagegen ist Zigarettenkonsum in Deutschland mit Abstand die häufigste Ursache für einen frühzeitigen Tod. Weit über 100 000 Raucher sterben daran im Jahr und ein paar tausend Passivraucher noch dazu.

Ob man gesund lebt oder nicht, ist Privatsache, keine Frage. Aber im Krankenhaus sollen Menschen geheilt werden. Da wäre es widersinnig, eine kleine Giftlounge einzurichten. Überhaupt: Rauchen macht süchtig, klar. Aber muss man deshalb Rücksicht auf die Sucht nehmen, sie fördern? Wenn die Mediziner in Krankenhäusern das Rauchen mit einem Raucherzimmer unterstützen, dann müssten sie konsequenterweise den Alkoholikern eine Minibar bereitstellen und den Medikamentensüchtigen einen Schlüssel zur Apotheke geben. Wer weiß, was den passionierten Zigarrenraucher Jonitz zu seinem unsinnigen Vorschlag motiviert hat. Seine Argumente kann man jedenfalls in der Pfeife rauchen.

Kai Kupferschmidt

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!