Pro & Contra : Soll für Babyklappen geworben werden?

Am Montag startet eine Info-Kampagne über Babyklappen. Die Aktion ist umstritten.



Pro



Babys werden in Schränken versteckt, in Mülltonnen geworfen und an Bushaltestellen abgelegt. Allein in Deutschland setzen Mütter jedes Jahr zwischen 30 und 60 Neugeborene aus. Fast genauso viele Kinder werden Schätzungen zufolge nach der Geburt von ihren Müttern getötet. Gerade minderjährige Frauen sind während der Schwangerschaft häufig überfordert. Sie fühlen sich allein gelassen und fürchten sich panisch vor der Geburt. Unbürokratische Sozialarbeit, schnelle psychologische Hilfe oder nur intakte Familien gibt es immer seltener. Wenn sich werdende Mütter aus Angst ihres Kindes entledigen wollen, bedeutet dies bisher häufig den Tod des Neugeborenen. Eine Babyklappe kann das Leben ungewollter Kinder schützen. Mütter, die ihr Baby nicht behalten möchten, können durch diese Möglichkeit vor Kurzschlusshandlungen bewahrt werden.

Um ihr Neugeborenes durch eine Babyklappe anonym zur Adoption freigeben zu können, müssen panische Mütter jedoch genau wissen, wo diese zu finden sind. Das können sie aber nur, wenn sie zuvor ausreichend über die vorhandenen Babyklappen in ihrer Nähe informiert worden sind. Deshalb sollte flächendeckend für dieses 37 Grad warme Bettchen hinter einer Stahlklappe geworben werden. Denn Babyklappen überall bekannt zu machen, kann helfen, das Leben von Kindern zu retten. Hannes Heine

Contra

Die Firma Wall verdient ihr Geld mit Reklame. Hautcremes, Aids-Aufklärung, Mode, Autos, Versicherungen - es gibt kaum ein Produkt, für das an den Buswartehäuschen nicht geworben würde. Jetzt soll dort auch noch für die sogenannten Babyklappen geworben werden, die einige Berliner Krankenhäuser für anonym geborene Säuglinge anbieten.

Die Idee ist gut gemeint - aber es ist nicht zu erwarten, dass sie jene Mädchen und Frauen erreicht, die ungewollt ein Kind erwarten, dass sie nach der Geburt möglichst schnell loswerden wollen. Im besseren Fall wissen sie von Jugendämtern, Hilfsorganisationen, karitativen Stellen, von Kliniken, die ihnen in ihrer großen Not helfen können, ihr Kind anonym zur Welt zu bringen und es zur Adoption freizugeben. Oder sie gehören, im schlechtesten Fall, zu jener kleinen Gruppe von Mädchen und Frauen, die ihre Schwangerschaft bis zuletzt geheim halten und ihre Kinder allein zur Welt bringen - um sie dann irgendwo auszusetzen oder gar zu töten.

Doch Mädchen und Frauen, die so verzweifelt sind, wagen sich in ihrer existenziellen Not nicht in die Nähe einer Klinik. Die Werbung für die Babyklappe läuft also ins Leere. Es bleibt nur der schlechte Beigeschmack, für eine wichtige Noteinrichtung Reklame zu machen, gleich neben Hautcreme, Mode und Versicherungen. Stephan Wiehler ()

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar