Contra: Busse sind die bessere Tram

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Pro und Contra Tram-Ausbau : Mehr Straßenbahnen! Nein, mehr Busse!
Christfried Tschepe Hans-Henning Romberg
Wenn die Straßenbahn mal einen Unfall hat, ist gleich der ganze Verkehr mehrere Stunden lang lahm gelegt - hier eine Szene aus der Edisonstraße in Schöneweide vom Mai.
Wenn die Straßenbahn mal einen Unfall hat, ist gleich der ganze Verkehr mehrere Stunden lang lahm gelegt - hier eine Szene aus der...Foto: Thomas Schröder

Die Straßenbahn wurde vor der vorigen Jahrhundertwende eingeführt, weil auch die Hauptstraßen gepflastert und rumpelig waren und man nun dahingleiten konnte. Inzwischen sind die Straßen glatt und die Tram ist immer noch da. Sie wird allgemein gelobt wegen ihrer Umweltfreundlichkeit, weil sie elektrischen Strom benutzt.

Tatsächlich hat sie aber Nachteile, von denen niemand spricht: Der Zwang, Schienen zu legen und zu befahren, bedeutet immer einen Eingriff in andere Verkehrsarten – jedenfalls in innerstädtischen Bereichen. Die Schienen belegen Straßenraum. Wo immer die Tram fährt, wünscht sie eine Vorrangstellung. Die Oberleitungen verschandeln mit ihren Masten die Straßen und den Raum über den Straßen mit ganzen Draht-Netzen.

Die Haltestellen sind im Weg, die Schienen laut, der Fahrbahn ein Chaos

Die Tram braucht besondere Haltestellen, weil sie in der Mitte der Straße fährt. Straßenbahnen sind laut, quietschen in engen Kurven, fahren in den normalen Straßen relativ langsam, müssen großen Abstand halten, weil sie schlecht bremsen und verschwenden so zusätzlichen Straßenraum. Die Tram braucht eigene Signalanlagen, an denen der Autoverkehr oft massiv behindert wird. Durch Haltestellen, die zum Teil in der Mitte von Straßen großflächig betoniert sind, werden Straßenräume verkleinert und verunziert; besonders „schön“ in der Friedrichstraße an gleich drei Stellen.

Bei jedem Zwischenfall auf den Gleisen stoppt der Tram-Verkehr in beiden Richtungen für Stunden, da die Tram nicht ausweichen kann, besonders kritisch auf Tram-Kreuzungen. Wird die Oberleitung beschädigt, stoppt der Tram-Verkehr weiträumig, da der Strom abgeschaltet wird. Und immer gerät der Fahrplan durcheinander.

Straßenbahn springt nach Kollision aus dem Gleis
27.11.2013: Am frühen Morgen wurde eine Straßenbahn in Lichtenberg bei einer Kollision mit einem Lieferwagen aus dem Gleis gehoben. Feuerwehrleute versuchen mit einem großen Kran, die zentnerschwere Bahn wieder zurück ins Gleisbett zu heben.Weitere Bilder anzeigen
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27.11.2013 14:1127.11.2013: Am frühen Morgen wurde eine Straßenbahn in Lichtenberg bei einer Kollision mit einem Lieferwagen aus dem Gleis...

Soll die Streckenführung geändert oder Gleise repariert werden, sind monatelange Bauarbeiten nötig. Wenn die Tram ausfällt, gibt es „Schienenersatzverkehr“ – durch Busse. Von einem „Bus-Ersatzverkehr“ ist nichts bekannt. Und – Straßenbahnen töten; immer wieder gibt es Unfälle. Klar, man kann sagen, da müssen die Fußgänger eben besser aufpassen. Aber das ist zu einfach gedacht.

Selbst die Umwelt ist kein Argument mehr

Bleibt die angebliche Umweltfreundlichkeit. Nun testet aber die BVG neue Elektrobusse. In absehbarer Zeit werden alle Busse so fahren. Und dann ist auch der letzte angeblich große Vorteil der Tram dahin. Aber auch bis dahin steht all das andere dagegen, was die Tram im direkten Vergleich schlecht aussehen lässt: Ein Bus braucht eine Straße für alle, eine Tram braucht Schienen für sich allein. Trotz allem will der Senat die Leipziger Straße endgültig mit der Tram verstopfen, die Potsdamer Straße und Alt-Moabit ebenso.

Es gibt aber einen kleinen Vorteil: Ein Tram-Fahrer fährt mehr Fahrgäste als ein Bus-Fahrer. Aber das ist es auch. Es bleibt die Frage: Gibt es für eine eng bebaute Innenstadt ein besseres Verkehrsmittel als die Tram? Die Antwort ist einfach: Ja. Den Bus.

Hans-Henning Romberg war Flughafengeschäftsführer in Berlin und beschäftigt sich jetzt mit Verkehr allgemein.

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