Programm gegen Ärztemangel : Stipendium für Landärzte in Brandenburg

100 Medizinstudenten sollen 1000 Euro extra im Monat erhalten, wenn sie sich verpflichten fünf Jahre als Arzt in einer ländlichen Region zu arbeiten.

Der Ärztemangel wird in Brandenburg künftig noch größer werden. Die Landesregierung will diesen mit einem Stipendium eindämmen.
Der Ärztemangel wird in Brandenburg künftig noch größer werden. Die Landesregierung will diesen mit einem Stipendium eindämmen.Foto: Mario Vedder/dapd

Jeder dritte Landarzt in Brandenburg ist älter als 60 Jahre und geht bald in den Ruhestand. Nun will das Land Medizinstudenten aus ganz Deutschland anlocken. Und zwar mit einem „Brandenburg-Stipendium“ von monatlich 1000 Euro, wenn sich die Studenten im Gegenzug verpflichten, nach dem Studium fünf Jahre als Arzt in ländlichen Regionen zu arbeiten. In einer Praxis, in einem Krankenhaus oder als Amtsarzt im öffentlichen Gesundheitsdienst.

„Es ist ein großer Schritt nach vorn bei der medizinischen Versorgung in der Fläche des Landes“, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Dienstag in Potsdam bei der Vorstellung des Programms gegen den Ärztemangel, das am 1. Juli 2019 startet.

Es wird aus Landesgeldern finanziert, veranschlagt sind 2019 und 2020 insgesamt 5,7 Millionen Euro, danach jährlich 4,3 Millionen Euro. Abgewickelt und kontrolliert wird es über die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburgs (KVBB), wo Studenten auch höherer Semester das Stipendium beantragen können.

Konkret sind es drei Säulen. 100 Medizinstudenten – Bedingung ist laut Woidke die Immatrikulation an einer deutschen medizinischen Hochschule – sollen monatlich 1000 Euro erhalten, wenn sie sich für einen späteren Landeinsatz in Brandenburg verpflichten. Die Zahlung sei an die Regelstudienzeit von längstens 75 Monaten gekoppelt, betonte Woidke. „Studenten können so vielleicht ihr Studium schneller abschließen, da sie nicht nebenbei arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen.“

Brandenburg setzt auf Klebeeffekte

Damit es keine Überschneidungen oder Ungerechtigkeiten gibt, sollen zweitens 100 Medizinstudenten, die bereits jetzt Stipendien einer Kommune oder eines Krankenhausträgers beziehen, ein monatliches Co-Stipendium von 500 Euro im Gegenzug für den Landeinsatz in Brandenburg erhalten. Und drittens sollen rund 20 Ärzte, die sich als Facharzt für in den Landregionen besonders benötigte Disziplinen weiterbilden, 60 Monate lang mit monatlich 5760 Euro unterstützt werden.

Eine Werbekampagne, die das Programm begleiten soll, sei in Vorbereitung, sagte Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (Linke). „Die Förderung des gesamten Regelstudiums mit bis zu 75.000 Euro ermöglicht den angehenden Medizinern die Konzentration auf das Studium“. Brandenburg setzte auf den „Klebeeffekt“, dass die Ärzte nach den fünf Jahren in den Regionen bleiben. Allerdings wird es einige Jahre dauern, bis die Stipendiaten in der Fläche ankommen.

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