Prozess am Berliner Landgericht : Missbrauchsvorwürfe gegen Physiotherapeuten

Ein Physiotherapeut aus Lichterfelde steht erneut wegen sexueller Übergriffe vor Gericht. Er weist alle Vorwürfe zurück.

Der Physiotherapeut Ralf B. steht wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe vor dem Berliner Landgericht.
Der Physiotherapeut Ralf B. steht wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe vor dem Berliner Landgericht.Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Eine Praxis im Souterrain eines Altbaus hatte er. Doch Physiotherapeut Ralf B. soll in den Räumen in Lichterfelde immer wieder zum Täter geworden sein. Nach zwei Verurteilungen wegen sexueller Übergriffe auf Patientinnen steht der 64-Jährige seit Montag erneut vor dem Landgericht. Zwei Frauen soll er während der Behandlung „in sexuell motivierter Weise“ angefasst haben. Um sieben mutmaßliche Taten im August 2018 geht es. Zu einem Fall äußerte sich Ralf B. und wies ihn zurück: „Eine infame Verleumdung!“

Der Mann mit grauen Haaren stützte seinen Kopf auf die rechte Hand, als die Anklage verlesen wurde. Er habe die Geschädigten, beide damals 23 Jahre alt, bei Einzelbehandlungen im Intimbereich angefasst und die sexuellen Übergriffe als einen Teil seiner therapeutischen Behandlung dargestellt, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Einer der Frauen habe er eine Augen-Kühlmaske aufgesetzt.

Er habe die Verspannung festgestellt und behandelt, sagt der Angeklagte

Was er dann als „Beckenbodenübung“ vornahm, sei eine Vergewaltigung gewesen. Sechs Fälle sollen es bei der einen 23-Jährigen gewesen sein, eine Tat bei der anderen. Ralf B. begann in seiner Aussage mit dem letzten Punkt der Anklage. „Die Frau war einmal in meiner Praxis“, erklärte er. „Es ist infam mir vorzuwerfen, ich hätte sie gleich in der ersten Minute im Genitalbereich angefasst.“ Er habe bei ihr Verspannungen festgestellt und behandelt. Über 20 Jahre sei er im Beruf. „Ich suche keine Befriedigung in der Behandlung.“

Zwei frühere Verurteilungen allerdings stehen dagegen. Und sie werfen die Frage auf, warum der Physiotherapeut noch bis zum Herbst vorigen Jahres tätig sein durfte. 2015 endete ein Strafverfahren mit einem Jahr Haft auf Bewährung – mit einer vierjährigen Bewährungszeit. Eine Patientin, die mit einem Rezept für eine Behandlung der Halswirbelsäule zu ihm in die Praxis gekommen war, habe er im Intimbereich angefasst, urteilte ein Gericht. Mitte 2017 waren es zwei jugendliche Schwestern, die schwere Vorwürfe gegen den Physiotherapeuten erhoben. Elf Übergriffe bei Behandlungen wegen Rücken- und Knieproblemen seien es über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren gewesen.

Sein Ruf sei ruiniert, klagt B. und sieht sich trotz allem als Opfer

Wieder liefen Ermittlungen an. Am 15. November 2017 wurde B. verhaftet. Drei Wochen später wurde er vom weiteren Vollzug der Untersuchungshaft verschont – allerdings mit der Auflage, „keine Frauen unter 65 Jahren zu behandeln“. Während sich das Verfahren wegen Missbrauchs der 13- und 14-jährigen Mädchen hinzog, hielt sich Ralf B. nicht an die Beschränkung.

Nachdem die beiden 23-jährigen Frauen Strafanzeige erstattet hatten, wurde B. im Oktober 2018 kurz vor dem Prozess um Übergriffe auf die Schwestern verhaftet. Im November dann die Verhandlung. Ralf B. legte zwar ein Geständnis ab, allerdings wies er sexuelle Absichten zurück. Er habe medizinisch helfen wollen, dabei leider ein nötiges Maß an Distanz überschritten, erklärte er. Drei Jahre und neun Monate Gefängnis sowie ein dreijähriges Berufsverbot ergingen.

Der Physiotherapeut stöhnte nun: „Ich bin wirtschaftlich, gesellschaftlich und privat ruiniert.“ Er sei „bestraft, so oder so.“ Als Opfer sieht sich der zweimal rechtskräftig verurteilte Mann. „Da wird was sexuell interpretiert.“ Die Befragung der ersten Zeugin verlief unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Prozess wegen sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses, Vergewaltigung und Körperverletzung wird am 14. März fortgesetzt.

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