• Prozess gegen Clanchef Abou-Chaker: Rapper Bushido sagt als Zeuge aus – „Ich wollte unbedingt dazu gehören“
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Prozess gegen Clanchef Abou-Chaker : Rapper Bushido sagt als Zeuge aus – „Ich wollte unbedingt dazu gehören“

Der Musiker äußerte sich am Mittwoch im Prozess gegen seinen Ex-Geschäftspartner Arafat Abou-Chaker. Er sprach vor allem über seinen Werdegang.

Der Rapper Bushido ist Nebenkläger im Prozess.
Der Rapper Bushido ist Nebenkläger im Prozess.Foto: Olaf Wagner

Im rosa Shirt mit Micky-Maus-Aufdruck kam der Clanchef, der Rapper auf der anderen Seite trug ein schwarzes mit der Aufschrift „The night is ...“ Umringt von fünf Personenschützern mit Sturmhaube wurde der Musiker in den Gerichtssaal gebracht.

Anis „Bushido“ Ferchichi, der in dem Prozess gegen seinen einstigen Freund und Ex-Geschäftspartner Arafat „Ari“ Abou-Chaker vor dem Landgericht das mutmaßliche Opfer ist, hat am Mittwoch mit seiner Zeugenaussage begonnen.

Bushido legte flott los. Wie aus einer Talkshow die erste Frage: Wie er denn zur Musik gekommen sei. Der Rapper ging zurück ins Jahr 1994, zu ersten Kontakten mit der Graffiti- und der Hip-Hop-Szene über einen Mitschüler, den Schulabbruch 1996 und ersten eigenen Songs, die er in seinem Kinderzimmer in einer Wohnung Marienfelde aufgenommen habe. „Ich wollte unbedingt dazugehören“.

Seine Mutter habe für die technische Ausstattung einen Kredit aufgenommen, sagte der 41-Jährige. Als er dann Jahre später in einem Monat bis zu 1000 Kassetten verkauft habe, habe er sich „unfassbar reich“ gefühlt. Einen großen Teil des Geldes habe er damals seiner Mutter gegeben.

Während der 41-jährige Rapper entspannt seine Karriere vorstellte, blieb der Clanchef äußerlich regungslos. Er und Bushido lernten sich 2004 in Kreuzberg kennen. Der junge Rapper hatte erste größere Erfolge, war mit seinem Plattenlabel aber unzufrieden.

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Er wollte den für ihn finanziell nicht günstigen Vertrag auflösen. Die Firma habe erst nicht zugestimmt. Arafat Abou-Chaker und seine Brüder sollen dann an der Seite des Musikers gewesen sein.

Der Pakt war geschlossen. Einiges an gemeinsamem Vermögen sammelte sich in den Jahren an, darunter ein mehr als 16.000 Quadratmeter großes Anwesen mit drei Häusern in Kleinmachnow.

„Hüte deine Zunge, du Stück Scheiße, bevor ich sie dir abschneide“

Nun sitzen sie sich als erbitterte Feinde vor Gericht gegenüber. Die Anklage gegen den Clanchef und drei mitangeklagten Brüdern des 44-Jährigen lautet auf versuchte schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung und Untreue.

Der Angeklagte Arafat Abou-Chaker.
Der Angeklagte Arafat Abou-Chaker.Foto: imago images/Olaf Wagner

In der Anklage heißt es, Arafat Abou-Chaker habe die von Anis Ferchichi im Herbst 2017 erklärte private und geschäftliche Trennung nicht akzeptieren wollen. Ein Vermögen habe er von dem Rapper verlangt.

Er habe seinen Ex-Partner im Dezember 2017 und Anfang 2018 ins Büro einbestellt, die Tür abgeschlossen, ihn beschimpft, bedroht, mit Stuhl und Wasserflasche attackiert.

„Hüte deine Zunge, du Stück Scheiße, bevor ich sie dir abschneide“, soll Abou-Chaker zu ihm gesagt haben. Als „Hund“ und „Bastard“ habe er Bushido betitelt und angedroht: „Du wirst schon sehen, was ich mit dir mache.“ Der Rapper sollte laut Anklage „einen Betrag nennen – ab zwischen zwei bis drei Millionen Euro, den Arafat Abou-Chaker erhalten sollte“.

Angeklagter soll Opfer mit halbvoller Wasserflasche geschlagen haben

Drei Wochen später habe er den Rapper erneut einbestellt. Arafat Abou-Chakers Brüder Yasser und Nasser seien anwesend gewesen, heißt es in der Anklage. Wieder habe der geschasste Manager die Tür verriegelt und Bushido so festgehalten. Der Rapper sollte laut Anklage „einen Betrag nennen – ab zwischen zwei bis drei Millionen Euro, den Arafat Abou-Chaker erhalten sollte“.

Mit Wucht habe der Clanchef eine „mindestens halb volle 0,5 Liter-Wasserflasche aus Hartplastik dem Ferchichi in das Gesicht geschlagen“. Auch Yasser und Nasser Abou-Chaker hätten auf den Rapper eingeredet. Ein Stuhl sei geflogen. Ferchichi habe auf der Couch gesessen, sich weggeduckt. Viereinhalb Stunden soll er in dem Büro des eigenen Labels eingesperrt gewesen sein. Bald danach sei der Rapper verreist. „Er verließ für zehn bis elf Tage das Land nach Kenia und Thailand, um sich weiteren Einwirkungen zu entziehen.“

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„Sie müssen mir glauben, ich habe immer einen Überblick über meine Geschäfte“, sagte der Rapper in seiner Zeugenaussage. Er habe 2001 beim Plattenlabel Aggro Berlin unterschrieben und sei glücklich gewesen.

Doch 2003 wollte er aus dem Vertrag aussteigen. Wie es dann mit dem Clanchef weiterging, soll erst thematisiert werden, wenn die Verteidiger Einsicht in weitere Aussagen des Rappers in anderen Verfahren bekommen haben. Der Prozess geht am Montag weiter.

Nach einem Antrag der Verteidigung war am Mittwoch lange offen, ob die Aussage des Rappers stattfinden würde. Die Verteidiger wollten vor der seiner Befragung Einsicht in alle Vernehmungen nehmen, in denen Anis Ferchichi und seine Ehefrau Angaben im Zusammenhang mit Arafat Abou-Chaker gemacht haben.

Prozess hat unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen begonnen

Da im Verfahren gegen die vier Brüder Aussage gegen Aussage stehe, komme es auf die Glaubwürdigkeit an. Um diese zu prüfen, sei von Bedeutung, was die Ferchichis in anderen Vernehmungen zu Protokoll gaben. 

Die Anklage gegen den Clanchef und drei mitangeklagten Brüdern des 44-Jährigen lautet unter anderem auf versuchte schwere räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung und Untreue.

Unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen wird seit voriger Woche vor dem Berliner Landgericht verhandelt. Zu Prozessbeginn hatten Arafat Abou-Chaker und seine Brüder geschwiegen.

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