Prozess in Berlin : Terrorverdächtiger aus Amri-Umfeld vor Gericht

Der 31-jährige Magomed-Ali C. soll einen Anschlag in Berlin geplant haben. Wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat ist er nun angeklagt.

Vor dem Berliner Kammergericht beginnt am Donnerstag der Prozess gegen Magomed-Ali C..
Vor dem Berliner Kammergericht beginnt am Donnerstag der Prozess gegen Magomed-Ali C..Foto: Robert Schlesinger/dpa

Ein Zufall war es wohl, der die Terrorpläne von Islamisten aus dem Umfeld des Breitscheidplatz-Attentäters Anis Amri im Oktober 2016 verhinderte. Ein Anschlag, der laut Anklage „unmittelbar vor der Ausführung“ gestanden habe. Als mögliches Ziel sei das Einkaufszentrum „Gesundbrunnen-Center“ ins Visier genommen worden. Mit Magomed-Ali C. steht einer der mutmaßlichen Komplizen seit Donnerstag vor dem Kammergericht.

An der Planung soll auch Anis Amri beteiligt gewesen sein

Der aus dem Kaukasus stammende C. war Ende 2011 aus der russischen Teilrepublik Dagestan nach Deutschland gekommen. Der 31-Jährige, ein gelernter Schuhmacher, ist aus Sicht der Ermittler bereits als radikalisierter Islamist eingereist. In der inzwischen verbotenen Fussilet-Moschee soll sich seine extremistische Gesinnung verschärft haben. Dort verkehrte auch Anis Amri.

Die Anklage gegen den abgelehnten Asylbewerber C. lautet auf Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass an den mutmaßlichen Planungen ab dem Sommer 2015 der derzeit in Frankreich inhaftierte Islamist Clément B. sowie für einige Wochen auch Anis Amri beteiligt waren.

Anschlag hätte Klima der Angst geschaffen

C. und B. sei es gelungen, sich von dem hoch explosiven Sprengstoff TATP eine Menge zu beschaffen, die für einen Anschlag ausgereicht hätte, heißt es in der Anklageschrift. C. habe das TATP in seiner Wohnung in Buch gebunkert. Sie hätten „möglichst viele Menschen töten und verletzen“ wollen. Ein Terrorangriff, durch den in Deutschland ein Klima der Angst und Verunsicherung entstanden wäre.

Der Angeklagte werde sich „durch Schweigen verteidigen“, sagte einer der beiden Verteidiger. Der Anwalt erklärte, der Verdacht gegen C. stütze sich im Wesentlichen auf Angaben von B. gegenüber seinem Vater im Besucherraum einer Haftanstalt in Marseille. B. habe C. aber eher entlastet. „Er hat ganz klar gesagt, dass C. niemals einen Anschlag begehen wollte.“

Zufall durchkreuzte Anschlagspläne

Clément B. soll in dem Gespräch im August 2018, das Anti-Terror-Ermittler abhörten, unter anderem über Berlin ausgeplaudert haben: „Hey, wir hätten uns dort in die Luft gesprengt.“ Der Verteidiger sagte, Amri und B. hätten einen Anschlag geplant, nicht sein Mandant. B. werde im Prozess, für den weitere 39 Tage vorgesehen sind, als Zeuge gehört werden. Für C. spreche auch, dass in seiner Wohnung keine Spuren von Sprengstoff feststellt worden seien.

Die Pläne des mutmaßlichen Terror-Trios wurden aus Sicht der Ermittler durchkreuzt und aus Angst vor Entdeckung abgebrochen, als Polizisten für eine präventive „Gefährderansprache“ bei C. klingelten. Sie wollten ihm sagen, dass er als Gefährder gelte und unter Beobachtung stehe. C. öffnete nicht. B. soll danach sofort aus Deutschland geflohen sein. „Anis Amri führte unabgestimmt in alleiniger Verantwortung am 19. Dezember 2016 einen Anschlag durch“, so die Anklage. Der Tunesier steuerte einen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche. Er tötete zwölf Menschen.

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