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Prozess um Beleidigung eines Polizisten : Berliner Clan-Chef Issa Remmo freigesprochen

Bei einer Verkehrskontrolle soll Remmo „Halt die Fresse! Halt's Maul!“ gerufen haben. Damit sei aber gar nicht der Polizist gemeint gewesen, sagt er.

Clan-Chef Issa Remmo steht im Gerichtssaal.
Clan-Chef Issa Remmo steht im Gerichtssaal.Foto: Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa

Der Clan-Chef wurde nicht müde, sich zu loben. „Ich bin ein sehr guter Vater“, sagte Issa Remmo vor einer Amtsrichterin. „Ich bin ein Vorbild für meine Kinder und Enkelkinder.“ Und er habe „immer Respekt vor der Polizei“.

Doch nach einer Verkehrskontrolle in Neukölln war es zu einer Strafanzeige gegen den 53-Jährigen gekommen. „Halt die Fresse! Halt’s Maul!“ hatte er geschrien. Die Anklage ging davon aus, dass er einen Polizisten beleidigt habe.

Issa Remmo aber hat eine andere Version. Am Ende bedankte er sich wortreich. Er lächelte viel und zeigte sich am Dienstag freundlich vor dem Amtsgericht Tiergarten. Mit heiserer Stimme und manchmal fast plaudernd sprach der Mann, der als Oberhaupt eines mächtigen Clans in Berlin gilt.

Seit fast 35 Jahren lebe er in Deutschland. „Ich habe zwölf Kinder und vier Enkel.“ Er sei ein gelernter Automechaniker und in einer Firma angestellt. Den Namen wolle er nicht nennen. „Es ist etwas mit Autos.“ Und nicht mit Immobilien, mit denen man ihn oft in Zusammenhang bringe.

Issa Remmo war mit drei Söhnen im Auto unterwegs zu einem Prozesstermin, den ein weiterer Sohn im Kriminalgericht Moabit hatte, am 10. April 2019 gegen 9 Uhr an einer Funkstreife vorbeisauste.

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Weil Yasin Remmo als Fahrer vor einer Ampel auch noch ein anderes Auto riskant geschnitten haben soll, nahmen zwei Polizisten die Verfolgung auf. Sie waren spät dran. „Stau und so“, sagte der Angeklagte. Plötzlich sei die Polizei am Auto aufgetaucht.

„Ein Beamter zog die Waffe, hielt sie in meine Richtung.“ Er habe Angst bekommen und gerufen haben: „Sie haben den Teufel in der Hand.“ Weil für ihn Waffen der Teufel seien. Ein Beamter aber gab zu Protokoll, sinngemäß sei gefallen: „Leg dich nicht mit dem Teufel an.“

Issa Remmo sagt, er wollte seinen Sohn zurechtweisen

Angeklagt wurde diese Äußerung nicht. Einer seiner Söhne sei „respektlos gegenüber den Beamten geworden“, sagte der Angeklagte. Den Spross habe er zur Räson bringen wollen. „Mit dem, was ich da sagte, meinte ich doch meinen Sohn und nicht den Beamten“, wiederholte Remmo immer wieder.

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Es habe ihn gestört, dass sein Sohn Mussa sich eingemischt habe. „Wenn ich einen Fehler bei meinen Kindern sehe, dann schimpfe ich auch laut.“ Der Beamte, er die Waffe gezogen und dann Beschimpfungen gegen ihn gerichtet empfand, schilderte Issa Remmo damals als nicht gerade kooperativ.

Der Aufforderung, die Hände sichtbar zu machen, sei der 53-Jährige nicht sofort nachgekommen. Als Issa Remmo, damals Beifahrer, mit einer Hand zu seinem Hosenbund griff, habe er seine Dienstwaffe gezogen. „Ich habe mit dem Schlimmsten gerechnet.“

Ob „Halt die Fresse!“ für ihn wirklich ehrverletzend oder nicht eher „grobe Unhöflichkeit“ sei, wollte Remmos Anwalt wissen. Der Polizist blieb dabei: „Ich gehe respektvoll mit Menschen um – dienstlich und privat.“

Clan immer wieder mit spektakulären Verbrechen in Verbindung

Issa Remmo ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Beleidigung. Einige Mitglieder der arabischstämmigen Großfamilie waren schon wegen spektakulärer Kriminalfälle im Visier der Ermittler. So wegen Diebstahls einer millionenschweren Goldmünze aus dem Bode-Museum.

Vor zwei Jahren wurden 77 Immobilien beschlagnahmt, die dem Clan zugerechnet werden. In der Sache ist das letzte juristische Wort noch nicht gesprochen.

Eine Bagatelle ist dagegen die angebliche Beleidigung. Weil Issa Remmo zu einem ersten Prozesstermin nicht erschienen war, hatte das Gericht einen Strafbefehl über 750 Euro (50 Tagessätze zu je 15 Euro) erlassen. Er legte Beschwerde ein – mit Erfolg: Freispruch auf Kosten der Landeskasse. Weil nicht auszuschließen sei, dass der Vater mit den Äußerungen tatsächlich einen Sohn zur Räson bringen wollte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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