Prozess um "Müggelheim-Mörder" : 52-Jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt

Nach dem Mord an seiner Ehefrau und dem Totschlag einer Seniorin wird Dennis M. zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Die Richter stellten die besondere Schwere der Schuld fest.

Der 52-Jährige Dennis M. wurde zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt.
Der 52-Jährige Dennis M. wurde zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt.Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Zweimal meldete Dennis M. den Fund einer Leiche. Er trat an den Tatorten schwer schockiert auf, weinte und brach zusammen. Eine Inszenierung. Nun nahm der 52-Jährige das Urteil äußerlich regungslos entgegen. Wegen Mordes an seiner Ehefrau im Januar 2013 und Totschlags an seiner Schwiegermutter in spe im November 2016 in Müggelheim erging gegen M. eine lebenslange Freiheitsstrafe. Das Landgericht stellte am Dienstag zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Das schließt eine Entlassung auf Bewährung nach 15 Jahren Haft aus. Ob auch Sicherungsverwahrung anzuordnen sei, solle später entscheiden werden.

Dennis M. sah nicht hoch. Wie immer in dem Prozess, der sich über acht Monate hinzog, machte sich der 52-Jährige Notizen. Das Haar pomadig, der Rücken rund, eine Lesebrille auf der Nase. Der zuletzt arbeitslose Tischler, der in seinem Leben oft log und sich einmal sogar mit einem falschen Doktortitel schmückte, hatte sich als Angeklagter in Schweigen gehüllt. In Schwarz saßen die Nebenkläger im Saal: Seine drei erwachsenen Kinder und die Tochter des zweiten Opfers.

Mord nach 30 Jahren Ehe

Nach rund 30-jähriger Ehe habe M. seine Frau heimtückisch ermordet, so die Richter. Er habe es an jenem Tag getan, an dem der jüngste Sohn aus der elterlichen Wohnung in Tempelhof auszog. Als der Sohn bereits im Wagen saß, sei der Angeklagte noch einmal in die Wohnung gelaufen. Er habe das Navi vergessen, habe er vorgegeben. Etwa 15 Minuten später stieg er in den Umzugswagen. „Wir sind davon überzeugt, dass er seine Frau von hinten erdrosselte.“ 

Überstürzt habe er die Rückfahrt von Magdeburg nach Berlin angetreten und die Polizei über den Leichenfund informiert. Er habe den Mord als einen Suizid getarnt. M. habe erklärt, die Frau habe sich erhängt. Auch ein Abschiedsbrief wurde gefunden. Die Kinder hatten zwar Zweifel. Damals aber glaubten ihm die Ermittler. Es wurden einige Fotos gemacht, aber keine Obduktion. Nach dem Tod seiner Schwiegermutter in spe war der Fall neu aufgerollt worden. Ein Rechtsmediziner kam zu dem Schluss, dass der Leichnam nicht an der Decke gehangen haben kann. Ausprägung und Lage von Leichenflecken sprachen dagegen. 

Totschlag einer Seniorin

Die Staatsanwaltschaft war auch im Falle der tödlichen Stiche gegen die 66 Jahre alte Seniorin in Müggelheim von einem Mord ausgegangen. M. sei in ihr Haus eingedrungen, um Geld zu stehlen. Als sie ihn überraschte, habe er mit einem Messer und einem Schraubendrehen zugestochen. 16 Mal.

Die Richter folgten in diesem Fall aber der Verteidigung und entschieden auf Totschlag. „Es muss einen Streit gegeben haben“, hieß es im Urteil. M. habe gewusst, dass es in dem Haus nichts Wertvolles gab. Möglicherweise habe er mit der Mutter seiner Partnerin reden wollen, weil diese ihn mit viel Misstrauen sah und einer Ehe mit ihrer Tochter nicht zugestimmt hätte. Die Entscheidung, ob D. -  nach einem Gutachter eher haltlos und mit wenig Empathie – auch in Zukunft gefährlich ist und in Sicherungsverwahrung soll, blieb nun vorbehalten. Die Verteidigung, die auf Freispruch im Falle des Todes der Ehefrau plädiert hatte, kündigte bereits Revision an.

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