Prozessauftakt in Berlin : Wurde ein Kind zu Tode geschüttelt?

Eine Babysitterin wird vor dem Berliner Landgericht angeklagt einen 15 Monate alten Jungen tödlich misshandelt zu haben. Doch sie schweigt zum Prozessauftakt.

Vor Gericht (Symbolbild).
Vor Gericht (Symbolbild).Foto: dpa

Zwei kleine Kinder waren der Frau anvertraut worden. Thi L. soll Babysitterin gewesen sein. Nun sitzt die 41-Jährige wegen Totschlags vor dem Berliner Landgericht. Sie soll einen 15 Monate alten Jungen derart heftig geschüttelt und seinen Kopf gegen einen harten Gegenstand geschlagen haben, dass er drei Tage später an seinen massiven Kopfverletzungen verstorben ist.

Mit gesenktem Blick und regungslos hörte Thi L. am Mittwoch die Vorwürfe. Rede und Antwort wollte sie nicht stehen. „Heute keine Äußerung“, erklärte ihr Verteidiger. Die aus Vietnam stammende Angeklagte, die sich seit Juli in Untersuchungshaft befindet, soll gegenüber der Polizei Gewalt gegen den kleinen Jungen bestritten haben.

Thi L. soll Mutter zweier Kinder sein, die in ihrer Heimat leben. Anfang 2016 sei sie mit einem Visum nach Deutschland gekommen. Es habe für einen Monat gegolten, hieß es am Rande der Verhandlung. Irgendwann sei sie von Landsleuten als Babysitterin engagiert und sogar mit in die Wohnung der Eltern in Marzahn gezogen.

Im Juni soll es zur tödlichen Misshandlung gekommen sein

Während Mutter und Vater arbeiteten und die dreijährige Schwester des Jungen in der Kita war, soll es am 13. Juni zu tödlichen Misshandlungen gekommen sein – „zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt im Laufe des Tages“, so die Staatsanwaltschaft. Die Angeklagte habe den Eintritt des Todes billigend in Kauf genommen.

Gegen Abend ging es dem Jungen immer schlechter. Ein Polizist sagte, eine Vietnamesin habe bei einem Nachbarn geklingelt. Der Mann habe das Kind reanimiert und die Rettungskräfte alarmiert. Ein Notarzt habe dann die Polizei informiert. „Es sollte festgestellt werden, wer sich in der Wohnung aufhielt und was passiert war.“

„Keine Ahnung, was geschehen ist.“

Mehrere Personen habe er angetroffen, so der Zeuge. Jemand habe sich zudem unerkannt aus der Wohnung geschlichen. Die sprachliche Verständigung sei sehr schwierig gewesen. Die Anwesenden, darunter auch ein Arbeitskollege des Vaters, hätten erklärt: „Keine Ahnung, was geschehen ist.“ Fortsetzung: 26. Januar.

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