Ehe für alle : In Berlin heirateten 680 lesbische und schwule Paare

Seit Oktober gibt es die Ehe für alle. In den ersten drei Monaten heirateten in Berlin 680 gleichgeschlechtliche Paare - die meisten davon in Tempelhof-Schöneberg, die wenigsten in Spandau.

Hochzeitstorten-Bäcker*innen haben sich schon längst auf gleichgeschlechtliche Paare eingestellt.
Hochzeitstorten-Bäcker*innen haben sich schon längst auf gleichgeschlechtliche Paare eingestellt.Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Es war ein großer Moment am 1. Oktober des vergangenen Jahres im Rathaus Schöneberg: Endlich wurde damals die erste gleichgeschlechtliche Ehe in Deutschland geschlossen, wenige Monate nach dem historischen Beschluss des Bundestags. Jahrzehntelang hatten Lesben und Schwule für das Recht gekämpft, bei der Ehe endlich gleichgestellt zu werden. Dem ersten Paar folgten im Jahr 2017 noch mehrere hundert weitere in der Hauptstadt: Allein in den drei Monaten bis Ende Dezember heirateten in Berlin 680 Frauen- beziehungsweise Männerpaare.

Das ergibt eine Antwort der Innenverwaltung auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Anja Kofbinger und Sebastian Walter, die dem Tagesspiegel vorliegt. Die Zahl der gleichgeschlechtlichen Eheschließungen in den ersten drei Monaten nach dem Inkrafttreten der Ehe für alle entspricht damit fast der Zahl der eingetragenen Partnerschaften, die in den Jahren zuvor über das gesamte Jahr hinweg geschlossen wurde: Diese lag 2016 bei 821, 2015 bei 778. Die gleichgeschlechtlichen Ehen machten 2017 auf Anhieb auch fünf Prozent aller in Berlin in dem Jahr geschlossenen Ehen aus.

Es trauten sich mehr Schwule als Lesben

Für die Grünen-Abgeordneten Kofbinger und Walter zeigen die Zahlen, dass sich der jahrelange Kampf um gleiche Rechte gelohnt hat: „Gleichgeschlechtliche Paare wollen nicht mehr Bürger*innen zweiter Klasse sein“, erklären Kofbinger und Walter. Die beiden fordern die künftige Große Koalition nun auf, die letzten bestehenden Benachteiligungen für lesbische Ehepaare mit Kindern rasch zu beseitigen. Wird in eine Ehe von zwei Frauen ein Kind geboren, muss die Ko-Mutter dieses nämlich immer noch als „Stiefkind“ adoptieren.

Unter den Ehepaaren sind viele, die zuvor bereits in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebten und diese umwandeln ließen: nämlich 466. Insgesamt gaben sich deutlich mehr schwule als lesbische Paare das Ja-Wort (449 beziehungsweise 231).

Von den Bezirken liegt Tempelhof-Schöneberg vorne, kaum überraschend angesichts des großen queeren Kiezes rund um den Nollendorfplatz: Hier allein wurden 181 gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen. Die wenigsten homosexuellen Paare ließen sich mit 19 in Spandau trauen.

Dieser Text erscheint auf dem Queerspiegel, dem queeren Blog des Tagesspiegels, den Sie hier finden.

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Queerspiegel - Der Tagesspiegel-Blog für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen und für alle, für die die Welt bunt wie ein Regenbogen ist.

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