Hilfe für junge LGBTs : Berlin bekommt ein queeres Jugendzentrum

In Berlin soll bis Mitte des Jahres ein neues Jugendzentrum für junge Homo-, Bi- und Transsexuelle eingerichtet werden, das ihnen als "Schutzraum" dienen soll. Das hat der Senat beschlossen.

Beim Coming Out stoßen viele junge Lesben und Schwule immer noch auf Ablehnung.
Beim Coming Out stoßen viele junge Lesben und Schwule immer noch auf Ablehnung.Foto: Paul Zinken/dpa


Für lesbische, schwule, bisexuelle und transsexuelle Jugendliche will das Land Berlin ein eigenes Jugendzentrum einrichten. Ein entsprechendes Konzept beschloss der Berliner Senat am Dienstag. Die Einrichtung soll möglichst noch im ersten Halbjahr 2018 eröffnen, sie wird vom Land mit 175.000 Euro pro Jahr gefördert.

Zielgruppe sollen laut des Konzepts queere Menschen im Alter von 12 bis 27 Jahren sein. Bisher gibt es ein solches landesweites Zentrum nicht, es soll mit entsprechenden Einrichtungen der Jugendarbeit auf der Bezirksebene vernetzt sein. Die Einrichtung soll als "Schutzraum und Freiraum" für junge LGBTs wirken: Denn noch immer würden "Diskriminierung, homophobe Stimmung und Gewalt" zu "grundlegenden Erfahrungen der Sozialisation dieser Gruppen gehören", heißt es in dem Konzept.

Studien zeigen noch immer eine große Ablehnung beim Coming Out

Tatsächlich hatte eine Studie des Deutschen Jugendinstituts von 2015 gezeigt, dass junge Homosexuelle und junge Trans*Menschen auch heute trotz allen gesellschaftlichen Fortschritts bei ihrem Coming Out mit Ablehnung von Freunden und Eltern rechnen müssen. Über die Hälfte der Befragten berichtete damals, an Bildungs- und Arbeitsstätten aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität beschimpft, beleidigt oder lächerlich gemacht worden zu sein. Gerade weil vor allem die Phase des Coming-outs für viele sehr belastend ist, sei es "von großer Bedeutung", dass es Orte gibt, wo queere Jugendliche andere Jugendliche in ähnlichen Lebenssituationen treffen können, erklärte Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD).

In dem neuen Zentrum sollen Jugendliche von pädagogischen Fachkräften unterstützt werden, die auch als Rollenmodelle und Vorbilder wirken sollen. Jugendliche sollen auch selber Beratungsangebote erarbeiten und sich für die eigenen Belange engagieren.

In welchem Bezirk das Zentrum entsteht, ist noch nicht klar

Anja Kofbinger und Sebastian Walter, die queerpolitischen Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, erklärten, das Jugendzentrum sei "dringend geboten", um queere Jugendliche zu stärken und adäquat zu beraten. Sie erwarten, dass ein Träger aus dem Bereich der queeren Jugendarbeit "schnellstmöglich" ausgewählt wird, damit das Zentrum tatsächlich noch im ersten Halbjahr 2018 Wirklichkeit werde.

In welchem Bezirk das Zentrum entstehen wird, ist noch nicht geklärt. Walter geht davon aus, dass Zentralität und Erreichbarkeit eine wichtige Rolle spielen werden. Der Ort werde sich aber auch an den Gewerbeflächenangeboten richten müssen.

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