Lesbisches Filmfest Berlin : "Wir wollen ein breites Publikum erreichen"

Beim ersten lesbischen Filmfest Berlin laufen am Sonntag Filme mit lesbischer, non-binärer, trans und inter Perspektive. Ein Interview mit Sandra Polchow vom Orga-Team.

Eva Tepest
Das Team hinter dem Filmfestival: Sandra Polchow, Kate Bergmann und Juli Lenz (von links).
Das Team hinter dem Filmfestival: Sandra Polchow, Kate Bergmann und Juli Lenz (von links).Foto: BLNfest.org2018

Wie kamen Sie, Kate Bergmann und Juli Lenz dazu, das Filmfest ins Leben zu rufen? 

Wir sind alle große Filmliebhaberinnen und immer wieder bestürzt gewesen, dass in Berlin – der Stadt mit der größten Zahl frauenliebender Frauen in Deutschland – viele gute lesbische Filme nicht zu sehen sind. Das liegt auch daran, dass unter dem Schlagwort „Queer Cinema“ in der Mehrzahl schwule Filme gezeigt werden. Filme aus der Perspektive weiblicher Homosexualitäten sind hingegen oft unsichtbar. Wir wollen jetzt etwas gegen diese Unsichtbarkeit tun und en bloc Filme aus und für die Community zeigen.

Warum haben Sie sich für das Label lesbisch und non-binär entschieden?

Filme, die aus einer non-binären, inter oder trans Perspektive erzählen, sind häufig ebenso unsichtbar wie lesbische Filme. Daher möchten wir ihnen – von einem weiblichen Pol aus kommend – eine Öffentlichkeit bieten. Außerdem beziehen wir mit dieser Bezeichnung alle Personen ein, die sich als lesbisch identifizieren, aber nicht oder nicht eindeutig als weiblich. Insgesamt wollen wir mit dem Fest ein breites Publikum erreichen: schwule Väter genauso wie straight allies.

Gibt es eine thematische Schwerpunktsetzung?
Meine Mitorganisatorinnen Jule und Kate sind beide Mütter. Wir haben ein spezielles „Rainbow-Family“-Programm konzipiert. Das lag uns vor dem Hintergrund am Herzen, dass auch in Zeiten der Ehe für alle die Mitmutter immer noch das gemeinsame Kind per Stiefkindadoption adoptieren muss. Auch der Bereich Sport und Gesellschaft wird in den Fokus gerückt: Im Film "Charlie" geht es um eine*n junge*n Fußballer*in, der*die sehr talentiert ist, aber viel lieber ganz anders wahrgenommen werden möchte. Wir haben ohnehin einige Hochkaräter dabei: Wir eröffnen mit dem Film „Die Erbinnen“, der auf der diesjährigen Berlinale mit zwei silbernen Bären ausgezeichnet wurde.

Wissen Sie schon, ob es im nächsten Jahr eine Neuauflage geben wird?

Der Bedarf ist da – allein auf Facebook haben sich innerhalb weniger Wochen und ohne große Werbung 2300 Personen interessiert gezeigt! Das zeigt, dass es trotz des queeren Xposed Festivals, des trans Festivals TransFormations und der Feminist Film Week auch ein dezidiert lesbisches Event braucht. Wir rennen mit unserem Event offene Türen ein und hoffen, mittel- bis langfristig ein ganzes internationales Filmfestival auf die Beine zu stellen.

Lesbian Non-binary Filmfest, 9. Dezember ab 11.30 Uhr im Sputnik Kino, Hasenheide 54

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