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Nach Erpressungsversuch : Conchita: "Niemand hat das Recht, mir Angst zu machen"

Die ESC-Gewinnerin Conchita Wurst hat öffentlich gemacht, sich vor einigen Jahren mit HIV infiziert zu haben.

Die Sängerin Conchita Wurst
Die Sängerin Conchita WurstFoto: dpa/Sven Hoppe

Die österreichische Sängerin Conchita hat sich als HIV-positiv geoutet. Das teilte sie in einer Erklärung von Sonntagabend auf dem Online-Bilderdienst Instagram mit. „Heute ist der Tag gekommen, mich für den Rest meines Lebens von einem Damoklesschwert zu befreien“, schrieb sie. Hintergrund des Schrittes sei die Drohung eines Ex-Freundes, „mit dieser privaten Information“ an die Öffentlichkeit zu gehen. Dem wollte sie zuvorkommen: „Ich gebe auch in Zukunft niemandem das Recht, mir Angst zu machen und mein Leben derart zu beeinflussen.“

Als Conchita Wurst gewann sie in Kopenhagen

Als Conchita Wurst gewann der heute 29-jährige Sänger und Travestiekünstler Thomas Neuwirth im Jahr 2014 in Kopenhagen mit dem Song „Rise Like a Phoenix“ den Eurovision Song Contest. Spätestens seitdem ist seine bärtige Kunstfigur Conchita Wurst eine Symbolfigur der queeren Szene. Seit zwei Jahren lässt Neuwirth den Zusatz "Wurst" weg und nennt sich nur noch Conchita. Ihr politisches Engagement zeigte die Dragqueen unter anderem bei einem Besuch des EU-Parlaments in Brüssel, bei dem sie für mehr Toleranz in Europa und für die Ehe für alle warb.

In ihrem Instagram-Post erklärte Conchita nun, dass sie seit der HIV-Diagnose vor einigen Jahren in medizinischer Behandlung sei. Die Krankheit sei bei ihr unter der Nachweisgrenze, sie gebe den Virus deshalb nicht weiter. Mit ihrem Schritt hoffe sie, anderen Betroffenen Mut zu machen und ein Zeichen „gegen die Stigmatisierung von Menschen zu setzen“, die sich durch ihr eigenen Verhalten oder aber unverschuldet mit HIV infiziert hätten.

Bisher habe sie ihre HIV-Infektion aus mehreren Gründen nicht öffentlich machen wollen: "Der wichtigste war mir meine Familie, die seit dem ersten Tag Bescheid weiß und mich bedingungslos unterstützt hat." Ihnen hätte sie "die Aufmerksamkeit für den HIV-Status ihres Sohnes, Enkels und Bruders gerne erspart". Auch Freunde wüssten "seit geraumer Zeit Bescheid" und gingen "in einer Unbefangenheit damit um, die ich jeder und jedem Betroffenen wünschen würde", schrieb die erfolgreiche Künstlerin.

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Aidshilfe lobt Conchita Wursts 'HIV-Outing'
Aidshilfe lobt Conchita Wursts 'HIV-Outing'

„Conchita Wurst hat unsere volle Unterstützung und Bewunderung“, sagt Holger Wicht, Pressesprecher der Deutschen Aids-Hilfe am Montag in Berlin. Sie habe klug reagiert und in ihrem Instagram-Statement umfassend aufklärend informiert: „Conchita Wurst hatte keine Chance – und sie hat sie wunderbar genutzt.“ Gleichzeitig werde an diesem Beispiel deutlich, dass die Krankheit auch heute noch angreifbar mache und Betroffene ausgegrenzt würden. Bei einer Umfrage der Deutschen Aids-Hilfe zum Thema, hätten mehr als drei Viertel der Befragten angegeben, wegen ihrer Erkrankung schon diskriminiert worden zu sein. „Conchita Wurst hat gezeigt: HIV ist keine Schande – nichts, wodurch man erpressbar werden darf.“

Die Sängerin, die kommende Woche die Verleihung der Amadeus Austrian Music Awards präsentiert, bekam umgehend Unterstützung von ihren Fans. "Ich bin und bleibe ein Fan von dir und hoffe das wir irgendwann erreichen, dass HIV keine Rolle mehr spielt", kommentierte einer auf Instagram. Ein anderer Nutzer schrieb, es sei "eine Schmach, dass ein HIV-Status immer noch erpressbar macht, - zumindest in den Augen von vielen". Vielleicht sei die Stellungnahme von Conchita Wurst aber der "Beginn eines Umdenkens in der Gesellschaft". (mit AFP)

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