R2G-Bilanz : Kein Beispiel für den Bund

Halbzeit für Berlins die rot-rot-grüne Regierung. Mit großen Hoffnungen gestartet, bleibt die Koalition grau. Da muss noch mehr gehen. Ein Kommentar.

Klaus Lederer (Linke), Ramona Pop (Grünen), Michael Müller (SPD): Frische Farben, bunte Republik, endlich mal was anderes? R2G wirkt grau.
Klaus Lederer (Linke), Ramona Pop (Grünen), Michael Müller (SPD): Frische Farben, bunte Republik, endlich mal was anderes? R2G...Foto: Soeren Stache/dpa

„Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen, und dein Mund ist viel zu groß, dein Silberblick ist unverdrossen, doch nie sagst du: Was mach' ich bloß?“ Sang Hilde Knef, und das tief ins Herz hinein. Berlin, ach Berlin.

Da, wo das Herz der Stadt sitzt, anatomisch-politisch ein bisschen links der Mitte; da, wo die Regierenden sitzen und die Lage meistern müssen, sollten sie sich wirklich mal fragen: Was machen wir bloß? Zwei Jahre sind SPD, Linke und Grüne, kurz R2G, zusammen, sind gestartet als ein vielbeachteter Versuch – und die Zwischenbilanz: Tage hängen wie Trauerweiden.

Laune auf mehr machen sie gerade nicht. Laune auf die Stadt auch nicht. Es gibt immer mehr Menschen in Deutschlands Weltmetropole, dieser atemberaubenden Stadt, die sagen: Das hat sie nicht verdient. Eine Koalition auf dem Weg zur Kollision. Ein Bündnis der Missgünstigen. Was hier regiert, will partout nicht zusammenwachsen. Weil es nicht zusammengehört?

Ein Bündnis als Beispiel für den Bund: So viele Hoffnungen hatten sich damit verbunden, als sich die SPD, Linke und Grüne zusammentaten. Berlin, die Stadt, als Modell fürs ganze Land; ein Laboratorium, eine Werkstatt der – neuen – Einheit für eine andere deutsche demokratische Bundesrepublik.

Geld allein hilft nicht

Sonnige Aussichten für die Stadt mit den Sommersprossen. Frische Farben, bunte Republik, endlich mal was anderes als dieses ewige Schwarz-Gelb oder Schwarz-Rot im Bund.

Dieses Bündnis? Es wirkt grau, seine Fassade ist hart und rissig. Da hilft all’ das Geld nicht, das Berlin gegenwärtig ausgeben kann; zumal das auch ein Ende haben wird, wenn die Schuldenbremse wirkt, ab 2020. Warum nur gönnt kein Partner dem anderen einen Erfolg? Stattdessen belauern sie einander. Dass sie das auch noch untereinander tun, in den drei Parteien, kommt erschwerend hinzu. Ob der Kultursenator nicht doch alles tut, um Regierender zu werden? Und was ist mit der Wirtschaftssenatorin, die doch nicht weniger, oder? Und ist der Regierende sich nicht selbst sein bester Bausenator? Herrje.

Die dringend nötige Mobilität von Daten und Verkehr; der dringend nötige Neubau von Wohnungen; der dringend zu behebende Lehrer- und Erziehermangel; die dringend nötigen Schul- und Kitasanierungen – entweder, die drei schaffen diese Herausforderungen, oder die schaffen am Ende sie. Nur ist das doch zugleich, positiv gesehen, der größte Ansporn: Wer es schafft, hier auf den richtigen Weg zu kommen, für alle Bürger erkennbar, der macht Laune. In der Stadt und dann auch darüber hinaus. Und nur der gibt dann auch ein Modell her.

Da muss noch was gehen

Der Senat für Berlin weiß das so gut wie die Sozialdemokraten, die Linken und die Grünen im Bund. Sie alle wissen: Eine Regierungsoption jenseits der Union muss sich ganz besonders beweisen. Sich und uns.

Berlin, ach Berlin. Noch einmal die Knef: „Du bist viel zu flach geraten für die Schönheitskonkurrenz. Doch wer liebt schon nach Metermaßen, wenn du dich zu ihm bekennst?“

Darum geht’s. Was sie machen soll, die rot-rot-grüne Koalition? Die Antwort ist gar nicht so schwer: Sie muss sich bekennen, zu sich selbst und zu dieser Stadt. Die man ja lieben kann. Zwei Jahre sind rum. Schon. Erst! Da muss doch noch was gehen. Macht doch bloß.

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