Rassismus und Antisemitismus : Weniger rechte Gewalt in Berlin

Die Beratungsstelle ReachOut verzeichnet einen Rückgang rassistisch motivierter Gewalt. Entsprechende Propaganda habe dagegen zugenommen.

Anna Ehlebracht Jan Wergener
Opfer können sich an verschiedene Beratungsstellen wenden. ReachOut ist eine davon.
Opfer können sich an verschiedene Beratungsstellen wenden. ReachOut ist eine davon.Foto: Rainer Jensen/dpa

Nach Einschätzung der Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt „ReachOut“ ist die Zahl rechtsextrem motivierter Angriffe in Berlin im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Unterm Strich verzeichnete die vom Land finanzierte Einrichtung etwa 30 Prozent weniger Attacken. Das geht aus Zahlen hervor, die „Reach Out“ am Dienstag veröffentlichte. Zugenommen hat im selben Zeitraum aber offenbar die rassistische Propaganda mit Schmierereien und Pöbeleien. Diese Vorfälle werden allerdings nicht von Reach Out gesammelt, sondern in speziellen Registern der Bezirke. Diese stellten gestern gleichfalls ihre neueste Statistik vor.

ReachOut verzeichnete 2017 nach Angaben von Sprecherin Sabine Seyb insgesamt 267 Angriffe. Mindestens 374 Menschen seien dabei verletzt, gejagt und massiv bedroht worden – unter ihnen auch 22 Kinder. Mitte war mit 60 Angriffen am stärksten betroffen. Im Vorjahr 2016 registrierte ReachOut noch insgesamt 380 Attacken – das war die höchste Zahl seit Bestehen der Opferberatungsstelle.

Eine mögliche Erklärung für den Rückgang: „Die Neonazis und sogenannten Wutbürger fühlen sich offenbar durch die AfD in den Parlamenten ganz gut vertreten“, sagt Seyb. So verzeichnete ReachOut 2017 auch weniger Aufmärsche und Kundgebungen gegen Flüchtlinge.

Trotz des Rückgangs sieht die Beratungsstelle aber keinen Grund zur Entwarnung. Die geringeren Zahlen könnten verschiedenste Gründe haben. „Möglicherweise bewegen sich potenzielle Opfer solcher Angriffe inzwischen vorsichtiger im Stadtraum, um sich zu schützen“, heißt es.

Die Zunahme rechtsextremer Propaganda dokumentieren hingegen folgende Zahlen. Die Bezirksregister verzeichneten 2017 rund 2800 Vorfälle – 123 mehr als im Jahr 2016. Anna Ehlebracht

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